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Forscher finden drei Tote aus mehreren Gesellschaftsschichten

Gräber aus dem Mittelalteram Dom freigelegt

Paderborn (WB). Im Vorfeld von Bauarbeiten ist ein Team der Stadtarchäologie Paderborn unmittelbar am Dom auf Gräber aus dem Mittelalter gestoßen. Die drei Bestattungen gehören zu Personen, die aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten stammen. Das hat gestern der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) mitgeteilt.

Die Gräber liegen in direkter Nachbarschaft zum Dom knapp unter der Erdoberfläche. Hier sollten eigentlich Abwasser- und Stromleitungen verlegt werden. Foto: LWL

Die Verlegung von neuen Abwasser- und Stromleitungen an der Südostseite des Doms erforderte demnach einen Einsatz der Archäologen. Wo heute nur noch eine kleine grüne Wiese zu sehen ist, lag schon im Mittelalter ein Friedhof. Hier legten die Wissenschaftler des LWL zwei Probegrabungen an. Direkt unter der Grasnarbe stießen sie in beiden Fällen auf Bestattungen.

Auf der westlichen Fläche fanden sie zwei Gräber. Von der ersten Bestattung ist nur noch ein Bein erhalten. Der Rest des Grabes ist wahrscheinlich durch ältere Baumaßnahmen zerstört worden.

Ein Schädel, mehrere Halswirbel und ein Schulterblatt

Im zweiten Grab entdeckten die Forscher einen Schädel, mehrere Halswirbel und ein Schulterblatt. Der Rest des Skelettes liegt vermutlich im Erdreich außerhalb der Ausgrabungsfläche. »Bei solchen von Baustellen verursachten Grabungen legen wir nur die betroffenen Flächen frei«, erklärt der Archäologe Till Lodemann: »Dazu sind wir gesetzlich verpflichtet.«

Die eisernen Nägel sind noch erhalten

Die beiden Toten lagen einst in Holzsärgen. Das Holz selbst ist verrottet, erhalten sind die eisernen Nägel. In der östlichen Grabungsfäche kam eine etwas aufwändigere Bestattung zutage. Hier lag der Leichnam in einem Steinkistengrab. Die Grabkammer ist aus sorgfältig behauenen Kalksteinplatten gebaut, die präzise anein­andergefügt sind. Auch hier konnten die Archäologen nur einen Teil der Bestattung freilegen, und zwar den Oberkörper eines Skelettes. Der Schädel ist teilweise beschädigt.

»Unsere Ausgrabungen sind ein kleines Fenster in die Vergangenheit«, sagt Dr. Sveva Gai: »Die Art dieses Grabs und die Lage nahe am Chor sprechen dafür, dass die Person ein hohes gesellschaftliches Ansehen besaß. Für weitergehende Aussagen zu dem Friedhof ist die ergrabene Fläche aber zu klein.«

Die Toten wurden in mittelalterlicher Tradition so bestattet, dass sie nach Osten blicken. Nach christlichem Glauben erwarteten die Menschen im Osten die Wiederkunft Jesu Christi am Tag des Jüngsten Gerichts.

Knochen werden jetzt genauer untersucht

»Für mittelalterliche Gräber liegen die Bestattungen hier auf den ersten Blick ungewöhnlich dicht unter der Oberfläche«, erläutert Gai. »Das liegt aber daran, dass das gesamte Bodenniveau an dieser Stelle zwei Meter tiefer liegt als der restliche Platz.« Die unterschiedlichen Höhen haben ihre Ursache in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Damals ließ der Architekt Arnold Güldenpfennig das Areal um den Dom umgestalten. Eine Anthropologin wird die Knochen jetzt genauer untersuchen.

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