Das neue Buch von Erwin Grosche ergänzt die Ausstellung im Paderborner Stadtmuseum

Große Lauscher, kleine Geschichten

Paderborn (WV)

„Da bin ich mal Schriftsteller“, sagt Erwin Grosche über sein Buch „Die Weltenlauscher“. Den Kleinkünstler kennt sein Publikum eher als Kabarettist und Kinderbuchautor, aber er kann auch Kurzgeschichten.

Dietmar Kemper

Zu seinem Besuch im Stadtmuseum brachte Erwin Grosche besonders große Weltenlauscher mit. Foto: Oliver Schwabe

Und sogar Krimis. Diese Seiten zeigt Grosche in der im heimischen Lektora-Verlag erschienenen Sammlung von Geschichten, die teilweise Jahrzehnte zurückliegen, in Reihen wie „Lob der Provinz“ erschienen oder für Kabarettbühnen entstanden sind. Für die Neuveröffentlichung wurden sie überarbeitet und behutsam verändert.

Neu ist „Weyhers Apfelkuchen Hymne“, eine Liebeserklärung in Versform an das Ausflugslokal im Haxtergrund: „Wenn du bei Weyhers einmal bist und Apfelkuchen dir bestellst und ihn mit leckrer Sahne isst, dann halt dich fest, bevor du fällst.“

Erwin Grosche kann auch Kurzkrimis schreiben

Dass er auch Kurzkrimis schreiben kann, beweist Grosche mit dem „Auftragskiller“. Der vermeintlich todkranke Boris Lolinski von der Paderborner Heide-Kompanie wird im Schatten des Dreihasenfensters von einem Ehemann überredet, für 30.000 Euro seine Frau zu ermorden. Aber als er mit gezogener Waffe durch die Terrassentür das Wohnzimmer betritt und nur noch abzudrücken braucht, kommt alles anders.

Einige Geschichten in dem Buch drehen sich um Erfindungen wie den Regenhut, das tragbare Rednerpult, die defekte Tarnkappe oder die Peter-Sloterdijk-Entspannungstasche. Sie sind Bestandteil der Ausstellung „Die Weltenlauscher: Erfindungen und Denkapparate von Erwin Grosche“ im Stadtmuseum, die nach telefonischer Anmeldung besucht werden kann. 20 Personen dürfen gleichzeitig ins Museum, zehn zeitgleich in die Sonderausstellung, die eigentlich nur bis zum 2. Mai laufen sollte, aber, wie Museumsleiter Markus Runte jetzt beim Besuch Grosches ankündigte, bis zum 30. Mai verlängert wird. Paderborn ist die dritte Station nach Oelde und Mainz, in Schwerte wird die Schau auch noch gezeigt.

Erwin Grosche lauscht in die Welt hinein und hört dabei Dinge, die andere nicht hören

Der Titel des neuen Buches greift den der Ausstellung auf und beschreibt auch Erwin Grosche ganz gut: Er lauscht in die Welt hinein und hört dabei Dinge, die andere nicht hören, weil er versucht, unvoreingenommen wie Kinder zu sein. Und die können sich eben auch vorstellen, dass Spülmittel einen Zauber entfaltet. Was Erwin Grosche schreibt, ist manchmal schreiend komisch. So wie die Geschichte über den Rasenmäher Herrn Pagenkemper, der mit dem Gerät verwachsen ist und die Welt seinen Kindern graskurz übergeben möchte. Während das Brummen und Knattern andere als Lärmbelästigung empfinden, ist es für ihn eine süße Melodie: „Das kann sich hören lassen. Der Sound des Sommers. Rasen-Rock‘n‘Roll. Wir mähen der Welt einen Punkerschnitt. Born to be wild!“

Eigentlich sind Grosche Kurzgeschichten schon zu lang: „In einem Satz die ganze Geschichte zu erzählen, ist mir lieber.“ Prompt hat er ein Beispiel dafür parat: „Auch der Porschefahrer findet keinen Parkplatz, nur schneller.“ Zur Zeit arbeitet Erwin Grosche an einem Roman. Das sei kräftezehrend und ein „Heulen und Wehklagen“. Drei, vier Stunden sitze er an einem kleinen Abschnitt. „Das tue ich mir nicht nochmal an“, hat er beschlossen. Das Buch soll im Herbst oder Winter 2021 im Bonifatius-Verlag erscheinen und wird „Wie ich mit Gott Karaoke sang“ heißen. Vor Jahren hatte Grosche mit Gott schon einmal eine Matratze gekauft. Diesmal geht es um die Welt der Schöpfung und des Schlagers.

Schreiben ist in Zeiten von Corona erlaubt, Auftreten nicht

Schreiben ist in Zeiten von Corona erlaubt, Auftreten nicht. „Es ist nicht gut für das Selbstverständnis eines Künstlers, wenn er nicht auf der Bühne steht, er verliert das Gefühl dafür, wie das ist“, bekennt der 65-Jährige. Im April will er einfach mal so über die Bühne im leeren Amalthea schreiten. Und dabei könnte er ja eine Kurzgeschichte aus seinem Buch „Weltenlauscher“ vorlesen...

Das Buch mit Fotografien von Juliane Befeld, die zum Beispiel das Gedicht „Der Heiratsschwindler“ wunderbar illustriert, ist im Lektora-Verlag erschienen und kostet 13,90 Euro (ISBN: 978-3-95461-185-0).

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