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Bartholomäus-Glocke ist im Paderborner Dom zu sehen – Weihe am 24. August

Gruß aus dem Mittelalter

Paderborn (WB). Im Kindersitz auf der Rückbank seines Autos hat Bastian Asmus die Bronzeglocke für den Dachreiter der Bartholomäuskapelle gestern nach Paderborn transportiert. Das ging, weil die Bienenkorbglocke, die er im Sommer nach historischem Vorbild gegossen hat , »nur« 43 Kilogramm schwer ist. Und irgendwie ist die Glocke auch ein bisschen sein Kind.

Maike Stahl

Bastian Asmus (rechts) freut sich, dass das Domkapitel mit Dompropst Joachim Göbel den Mut zu dem Glockenprojekt hatte. Die Kosten trägt ein anonymer Stifter. Foto: Maike Stahl

»Ich bin froh und stolz, dass das Gießen auf Anhieb geklappt hat«, sagt Asmus und streicht bedächtig über die Glocke, die nun im Hasenkamp des Doms zu sehen ist, bis sie am 24. August geweiht wird und ihren endgültigen Platz erhält. »Schließlich ist das ein echtes, nur eben neues Original aus dem Mittelalter.« Der Archäometallurge hat die Glocke im Rahmen der Lebendigen Dombauhütte im Sommer getreu den Anleitungen von Theophilius Presbyter aus dem 12. Jahrhundert gegossen.

Bastian Asmus ist gelernter Bronzegießer, studierter Archäologe und fasziniert von den frühen Techniken der Metallverarbeitung. Dem Domkapitel fiel im Vorfeld des 1000. Geburtstags der Bartholomäuskapelle deren leerer Dachreiter noch einmal ins Auge und man entwickelte die Idee, dort wieder eine Glocke zu beheimaten. Über glückliche Umstände fanden beide zusammen, so dass Asmus mit seiner Glockenwerkstatt eine Attraktion im Rahmen der Jubiläumsfeiern für den Imaddom wurde.

Letzter Schliff in der der Werkstatt in Kenzingen

»Das war eine echte Paderborner Gemeinschaftsaktion«, denkt Asmus gerne an die heißen Sommertage zurück. »Ich hatte zwar Bienenwachs für den Rohling mitgebracht, aber vor Ort wurde ich mit Paderborner Wachs versorgt.« Köhler stellten ihm Holzkohle zur Verfügung und die Maspernkompanie der Bürgerschützen hielt Feuerwache. »Dazu kamen die vielen Besucher. Viele waren regelmäßig da, um den Prozess vom Lehmklumpen bis zur fertigen Glocke zu verfolgen.«

Trotzdem habe er schlaflose Nächte verbracht. »Besonders vor dem Gießen«, räumt er ein. Doch dann hat alles perfekt geklappt. In seiner Werkstatt in Kenzingen hat Asmus der Bronzeglocke jetzt den letzten Schliff gegeben – allerdings nur so, wie es auch Theophilius gemacht hätte. »Ich habe den Gießtrichter abgemeißelt und einige Grate, die sich gebildet hatten, weil die Form beim Trocknen reißt«, berichtet er. »Diese Grate beeinflussen den Klang, wenn sie bleiben.« Außerdem hat er die Glocke poliert.

Die Bartholomäus-Glocke klingt auch gut

Aber nicht zu doll, schließlich soll ihr die althergebrachte Herstellung auch anzusehen sein. Selbst zwei Fingerabdrücke von sich hat Asmus beim Polieren auf der Bienenkorbglocke entdeckt. Außerdem hat er die Glocke oben, aber nur ganz klein, mit seinem Namen versehen. »Damit es keine Verwirrung gibt und sie nicht irgendwann fälschlicherweise ins Mittelalter datiert wird«, erläutert Domkapitular und Glockensachverständiger Gerhard Best. Er hat die neue Bartholomäusglocke gestern mit seinem Kollegen Theo Halekotte direkt unter die Stimmgabel genommen. »Das machen wir aber nur aus Interesse. Im Mittelalter konnte man schließlich auch nur gucken, ob sie schön klingt.« Und das tut sie, davon hat sich auch Dompropst Monsignore Joachim Göbel gestern direkt überzeugt – auch wenn der aus Stahl ebenfalls traditionell geschmiedete Klöppel noch nicht endgültig montiert ist.

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