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Friseure bereiten sich auf Kundenansturm vor: „Telefone stehen nicht still!“ – Wer einen Termin haben möchte, muss jetzt schnell sein

Haarige Zeiten gehen ab dem 1. März zu Ende

Paderborn

Die Friseure in Paderborn bereiten sich zur Wiedereröffnung der Betriebe am 1. März auf einen Kundenansturm vor. Wer einen Termin haben möchte, muss jetzt schnell sein. „Die Telefone stehen nicht still“, sagt Friseurmeister Jürgen Mollemeier aus Paderborn.

Jörn Hannemann

Wartet auf die ersten Kunden: Friseurmeister Jürgen Mollemeier in seinem Salon gegenüber vom Landgericht. Weil es in den elf Wochen so leer im Geschäft war, hat er überlebensgroße Teddybären in den Frisierstühlen in lässiger Warteposition drapiert. Foto: Jörn Hannemann

„Und eigentlich will jeder in der ersten Woche drankommen“, sagt der Inhaber des Salons Kopfarbeit weiter, der mit 15 Mitarbeitern einer der größten seiner Art in der Stadt ist.

Anfang der Woche habe er mit der Terminvergabe begonnen, schließlich mussten erst noch Details aus den Schutzverordnungen und den Richtlinien der Berufsgenossenschaft bekannt werden. Erst dann war klar, wie viele Bedienplätze der Salon nutzen dürfe. „Seitdem bekommen wir unzählige Anfragen. Das Telefon steht nicht still. Auch per E-Mail oder auf seinem Privattelefon versuchen Kunden, Termine zu ergattern. Die erste März-Woche sei bereits ausgebucht. „Ich bin zwar nicht böse, aber frage mich schon, wie die überhaupt an die private Handy-Nummer gekommen sind.“ Zuletzt hätten einige auch versucht, seine Mitarbeiter privat angesprochen, um jemanden zu finden, der einem die Haare schneiden konnte.

Elf Wochen konnten die Friseure keine Kunden mehr bedienen. Weil der leere Laden Jürgen Mollemeier so sehr störte, hat er überlebensgroße Teddybären in den Frisierstühlen in lässiger Warteposition drapiert. Die Regelungen orientieren sich an an dem laut Mollemeier sehr gut funktionierenden Hygienekonzept, das zur Wiedereröffnung nach dem ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr eingeführt worden war.

Aber eines bereitet dem 52-Jährigen besonderes Kopfzerbrechen. Es geht um die Zehn-Quadratmeter-Regel, wie sie die Berufsgenossenschaft vorschreibt. Auf eben dieser Fläche darf sich demnach lediglich eine Person aufhalten. Konkret bedeutet das: In einem kleinen Salon zum Beispiel von 26 Quadratmetern dürften sich genau ein Friseur und ein Kunde aufhalten. „Im Einzelhandel werden beispielsweise die Verkäufer nicht mitgezählt. Das wünschen wir uns auch.“

Die Mitarbeiter Michael Hansmann und Lori Morgante vergeben erste Termine an Kunden. Foto: Jörn Hannemann

Leidtragende könnten unter anderem Auszubildende sein. „Trotz aller widrigen Umstände waren sie bisher nicht in Kurzarbeit. Wegen der Zehn-Quadratmeter-Regel steht man nun vor dem Dilemma, ob man lieber einen Kunden oder eine Auszubildende im Laden hat.“ Er selber hat noch keine Entscheidung getroffen und hofft, dass sich noch kurzfristig im Sinne der Azubis eine Lockerung ergibt.

Um dem Kundenandrang gerecht zu werden, fährt Jürgen Mollemeier alles auf was geht: Für die Mitarbeiter hat er eine Art Schichtbetrieb eingeführt, er werde – entgegen der regulären Zeiten – auch am Montag die Türen aufmachen. Außerdem werde er die Öffnungszeiten um bis zu zwei Stunden unterhalb der Woche und an Samstagen sogar um vier Stunden erhöhen. Andere Salons gehen sogar noch einen Schritt weiter. Ein Friseur eröffnet demnach bereits kurz nach Mitternacht und frisiert zwei Stunden lang. Die Kreishandwerkerschaft bestätigte unterdessen auf Nachfrage, dass Kunden bei den 70 Innungsbetrieben im Kreis zum Teil mit Preissteigerungen rechnen müssten. Diese wären „unvermeidlich“, um die existenzbedrohenden Ausfälle der vergangenen Monate und die gestiegenen Auflagen zu kompensieren und auch die Mitarbeiter zu halten.

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