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Kunden-Kontrollen im Paderborner Großhandel werden verschärft

Handel und SB legen Streit bei

Paderborn

Während sich der Paderborner Einzelhandel seit dem 16. Dezember im zweiten Lockdown befindet, wird im Paderborner SB-Zentralmarkt an der Steubenstraße weiter eingekauft. Auch der riesige Non-Food-Bereich mit innenstadtrelevanten Waren wie Textilien, Leder, Schmuck und Spielwaren ist geöffnet. Möglich ist das, weil der SB ein Großmarkt ist. Doch viele Kritiker bezweifeln, dass dort nur Gewerbekunden einkaufen. Die Folge: Die Paderborner Einzelhändler fühlen sich massiv benachteiligt.

Ingo Schmitz

Während im Lockdown die Paderborner Innenstadt gähnend leer ist, ist der Parkplatz am SB stets gut gefüllt. Foto: Jörn Hannemann

Schon lange ist der SB-Zentralmarkt für viele Händler in der City und der übrigen Peripherie ein Dorn im Auge, weil er scheinbar Sonderrechte genießt. Doch jetzt gibt es eine Einigung, wie am Freitagabend bekannt wurde: Werbegemeinschaft und SB-Zentralmarkt haben angekündigt, ihren Wettbewerbsstreit nach intensiven Gesprächen und getroffenen Verein­barungen beizulegen. Diese werden allerdings ab Februar konkrete Auswirkungen auf die SB-Kunden haben.

Einer der Beteiligten der Gesprächsrunden war der Vorsitzende der Werbe­gemeinschaft Paderborn, Uwe Seibel, der sich immer wieder die Kritik von den Mitgliedsbetrieben am SB anhören muss. „Seit dem Lockdown steht bei mir das Telefon nicht mehr still“, sagt er. Kritisiert werde, dass im SB Privatverbraucher Waren des täglichen Bedarfs kaufen können und konnten. Offiziell benötigt man im SB einen speziellen Einkaufsausweis. Die Beantragung sei aber sehr einfach. Die Folge war, dass Privatleute im Großmarkt einkauften. Und das sei ein klarer Verstoß gegen die Gewerbeordnung. Uwe Seibel betont: „Uns geht es um Fairness und ein gerechtes Miteinander.“

Uwe Seibel, Vorsitzender der Werbe­gemeinschaft Paderborn

„Grundsätzlich kann und konnte auch vor der Pan­demie ein Kauf ohne Ausweis nicht erfolgen“, betont Allan Brülle, geschäftsführender Gesellschafter des SB-Zentralmarkts. „Als stationäre Händler sitzen wir alle im gleichen Boot. Unsere gemeinsame Herausforderung ist es, im Wettbewerb mit den großen Onlinehändlern zu bestehen.“ Gegenseitige Schuldzuweisungen seien kontraproduktiv, sagt Brülle: „Wir werden mit den besprochenen Maßnahmen im Februar beginnen.“ Dazu gehöre, dass im SB ab Februar die personifizierte Einlasskontrolle intensiviert werde. Außerdem sollen alte Kundenkarten deaktiviert werden. Schrittweise würden auch die bisherigen Tagesausweise entfallen.

An den Gesprächen beteiligt waren außer Uwe Seibel und Allan Brülle auch Professor Dr. Johannes Beverungen, Vorsitzender des Handelsverbandes Ostwestfalen-Lippe, Kai Buhrke, Geschäftsführer des Handelsverbandes Paderborn und Höxter, CDU-Bundestagsabgeordneter Carsten Linnemann, Landtagsabgeordneter Daniel Sieveke und Bürgermeister Michael Dreier.

Carsten Linnemann sicherte zu, sich weiterhin für den Mittelstand stark zu machen. Er hielt am Donnerstag im Bundestag eine Rede und forderte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) dazu auf, die zugesagten Hilfszahlungen schneller und unbürokra­tischer auszuzahlen.

Dazu ein Kommentar von Ingo Schmitz

Jemand kennt einen, der einen kennt, der eine Kundenkarte hat – und schon öffnen sich die Türen zum SB-Zentralmarkt. Das ist seit vielen Jahre gelebte Praxis. Gewerbekunden berichten immer wieder davon, dass sie dort Bekannte treffen, die streng genommen keine Berechtigung haben, dort einzukaufen. Großhandel ist nämlich nicht für Privatkunden, sondern für gewerbliche Wiederverkäufer, gewerbliche Verbraucher oder Großabnehmer gedacht. Was schon vor Corona dem Innenstadt-Handel geschadet hat, wird im Lockdown noch deutlicher: Hier findet eine Wettbewerbsverzerrung statt. Denn der SB hat ein Sortiment, das in vielen Bereichen deckungsgleich ist mit dem Angebot der Einzelhändler in der City und der Peripherie. Dass es nun eine Einigung zwischen Allan Brülle und Werbegemeinschaft gibt, ist ein großer Schritt nach vorn.

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