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Von der Uni Paderborn direkt in die eigene Firma – »Syqlo« in der »Garage 33«

Handy-App erkennt Leitungen

Paderborn (WB). Handys können weitaus mehr, als die meisten Menschen denken. Zwei Studenten haben jetzt ein Programm entwickelt, das wohl die bisherigen Vermessungstechniken revolutionieren wird. Sie nutzen Smartphones, um Leitungen im Boden sichtbar zu machen. Mit ihrer Firma »Syqlo« sitzen sie in der »Garage 33«, dem Gründerzentrum, das sich aus der Uni Paderborn entwickelt hat.

Ingo Schmitz

Jörn Hagen aus Hövelhof und Maxi Erdmann aus Paderborn (von links) haben eine Handy-App entwickelt, mit der Leitungen sichtbar gemacht werden können. Das völlig neuartige Vermessungsverfahren hat bereits viele Interessenten gefunden. Foto: Besim Mazhiqi

Millionen Kilometer Gasleitungen, Breitband- und Stromkabel oder auch Kanäle liegen in unserem Erdreich. All das muss vermessen und dokumentiert werden. Die Methoden sind sehr unterschiedlich: Sie reichen vom primitiven Maßband bis hin zum komplizierten Tachymeter, das mit Hilfe von Lotstäben arbeitet.

Das alles ist kompliziert und zeitaufwändig, meinen die beiden Erfinder. Der eine heißt Jörn Hagen, ist 29 Jahre alt, kommt aus Hövelhof und ist Doktorand der Physik. Sein Partner heißt Maxi Erdmann, lebt in Paderborn, ist 26 Jahre alt und Philosophie-Student.

Das ist eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Mischung, die aber offenbar die nötigen kreativen Energien frei gesetzt hat, um die Idee für das außergewöhnliche Projekt entwickeln zu können. Maxi Erdmann erklärt es so: »Der Philosoph fragt: Wie gehe ich damit um, was ich noch nicht wissen kann? Ganz nach dem Motto: Wer bin ich, was mach ich, und was fällt da gerade runter?«

Daten auch noch in 50 Jahren abrufbar

Gemeinsam besuchten der Physiker und der Philosoph vor einem Jahr einen Workshop des Technologietransfer- und Existenzgründungscenters Tec-Up. Im Mittelpunkt stand dabei der IT-Dienstleister und Lösungsanbieter Mettenmeier aus Paderborn. »Die Aufgabe bestand darin, sich rund um das Thema Energiewirtschaft gedanklich auszutoben und Ideen zu entwickeln«, berichtet Maxi Erdmann. Das Tolle dabei: Es gab keine Grenzen, freies Denken war absolut erwünscht – die Teilnehmer sollten »herumspinnen« dürfen.

Bei diesem Workshop entstanden Ideen wie Roboter für Gasspürsysteme oder auch Drohnen, die selbstständig zu einer defekten Gastrasse fliegen. Aber auch die Handy-App des Duos wurde hier gedanklich geboren. »Ich kenne mich mit Mikroskopie aus. Mir war klar, dass das grundsätzlich funktionieren müsste«, berichtet Jörn Hagen. Danach ging die Idee in die Entwicklungsphase.

Das Smartphone wählten die beiden als Werkzeug aus, weil es intuitiv und einfach bedienbar ist – wie ein Zollstock. Inzwischen hat das Syqlo-Duo eine App entwickelt, die es schon verschiedenen Firmen gezeigt hat. Mit wenigen Handgriffen werden die Leitungen im Boden optisch erfasst und abgespeichert. Der Vorteil: Diese Daten sind auch noch in 50 Jahren abrufbar.

In Paderborn werden pro Jahr 2000 Anschlüsse gelegt

Aus Sicht von Maxi Erdmann haben sie einen riesigen Markt vor sich: »Viele ältere Anschlüsse sind noch nicht dokumentiert, oder es gibt nur grobe Skizzen. Allein in Paderborn werden pro Jahr 2000 Anschlüsse gelegt, in Berlin sind es 10.000. Im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Ausbau des Breitbands wird es noch mehr werden«, meinen die Start-Up-Unternehmer.

14 Firmen haben sich bereits die App in der Garage 33 vorführen lassen. Die Teilnehmer seien begeistert gewesen. In den nächsten Tagen soll eine Beta-Version zum Testen für interessierte Unternehmen zur Verfügung stehen.

Das Duo hat in der Zwischenzeit eine GmbH gegründet. »Wir wollen von der Idee leben können«, erklärt Jörn Hagen. Die Strategie ist darauf ausgelegt, dauerhaft vom Service rund um dieses Programm Einnahmen generieren zu können. »Und wir haben noch mehr Ideen, die die Wirtschaft gut gebrauchen kann. Es sind Produkte, die nur wir können«, sagt das Team selbstbewusst.

»Hier geht alles viel schneller als in der Uni!«

Das Selbstbewusstsein rührt sicher auch ein Stückweit aus dem Tec-Up der Garage 33. Hier sind Profis am Werk, die den kreativen Nachwuchs gezielt fördern – vor allem, wenn es ums Marketing geht.

Inzwischen besteht Syqlo schon aus einem siebenköpfigen, interdisziplinären Team. Hier sind nicht nur Techniker mit am Bord, sondern auch Medienwissenschaftler und sogar eine Psychologin. »Wir wachsen weiter«, berichtet das Duo, das wohl bald aus der Garage 33 aus Platzgründen ausziehen wird.

Von der Uni direkt in die eigene Firma: Ob das eine gute Idee ist? Jörn Hagen als Doktorand der Physik meint: »Ja, das fühlt sich gut an. Hier geht alles viel schneller als in der Uni!«

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