1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Paderborn
  6. >
  7. Hilfe für Frauen in Not

  8. >

Einrichtung über Feiertage voll belegt – Porsche-Zentrum unterstützt

Hilfe für Frauen in Not

Paderborn (WB). Sie sind geschlagen und gedemütigt worden. Körperliche wie psychische Gewalt liegt hinter ihnen. Jetzt aber sind sie endlich in Sicherheit: Das Frauenhaus Paderborn wird an den Weihnachtsfeiertagen wieder voll mit Frauen belegt sein, die aus einem Teufelskreislauf von Gewalt und Unterdrückung ausgebrochen sind.

Ingo Schmitz

Daniela Schön (Marketing) und Thomas Meyer (Geschäftsführer Porsche-Zentrum) überreichen einen Teil der Spende an Martina Schubert vom Frauenhaus Paderborn.              Foto: Ingo Schmitz

Die Einrichtung, in der misshandelte Frauen und ihre Kinder Hilfe bekommen, ist aber nicht nur an den Feiertagen stark gefragt. Im gesamten Jahr 2019 war das Haus nahezu zu 100 Prozent ausgelastet. Neun Zimmer stehen für Frauen und Kinder zur Verfügung – zu wenig, um tatsächlich alle Notfälle aufnehmen zu können. Einige Frauen müssten abgewiesen werden. Um die Kapazitäten zu erweitern, soll nun ein Anbau errichtet werden, der im kommenden Jahr realisiert wird. Unterstützung durch Spenden sei vor diesem Hintergrund besonders wichtig, betont Mitarbeiterin Martina Schubert.

Finanzielle Hilfe vom Porsche-Zentrum-Paderborn

Da kommt die finanzielle Hilfe vom Porsche-Zentrum-Paderborn gerade recht. Geschäftsführer Thomas Meyer überreichte am Mittwoch dem Frauenhaus eine Spende im Gesamtwert von 6600 Euro. 1100 Euro stammen aus Barspenden von Kunden sowie weitere 1500 Euro durch Direkteinzahlungen. Noch einmal 4000 Euro hat das Paderborner Autohaus oben drauf gelegt. „Wir unterstützen in jedem Jahr mit Porsche soziale Projekte in der Region“, berichtet Meyer. Der finanzielle Unterschied zwischen den Kunden des Autohauses und den bedürftigen Frauen sei in diesem Fall besonders groß, stellte er fest. „Unseren Kunden geht es in der Regel ja gut. Sie haben Geld. Daraus ist die Idee entstanden, in diesem Jahr für das Frauenhaus zu werben.“

Durch verschiedene Marketingaktionen seien die Kunden auf das Projekt aufmerksam gemacht worden. Sie hätten die Gelegenheit bekommen, sich damit ausein­ander zu setzen. „Es hilft uns, wenn auf das Thema Gewalt gegen Frauen immer wieder aufmerksam gemacht wird“, betonte Schubert. In nur wenigen Wochen kam der vierstellige Betrag zusammen. Das Geld fließt in das so genannte Notpaket, mit dem den aufgenommenen Frauen völlig unbürokratisch geholfen werden könne. In vielen Fällen hätten die Männer den Frauen den Zugang zum Bankkonto gesperrt. Sie könnten sich weder ein Busticket noch Lebensmittel kaufen, berichtet Schubert aus der täglichen Praxis.

Polizei wird eingeschaltet

Im Laufe der Jahre habe sich die Gruppe der hilfesuchenden Frauen immer wieder gewandelt. „In den ersten Jahren waren es deutsche wie türkische Frauen. Danach kamen sehr viele Russlanddeutsche. Und aktuell haben wir viele Frauen, die arabisch oder syrisch sprechen“, macht Schubert die Entwicklung deutlich. Die meist noch sehr jungen Frauen würden in den Flüchtlingsunterkünften darüber informiert, dass sie in unserem Land nicht geschlagen werden dürften und sie ein Recht auf eigenes Geld hätten. Wer aus dieser Gewaltspirale ausbrechen wolle, brauche aber Unterstützung. Das Team des Frauenhauses stehe daher den Hilfesuchenden mit ihren Kindern mit Rat und Tat zur Seite. „Der gefährlichste Moment ist der Zeitpunkt, wenn die Frauen gehen wollen. Sie sollten das vorher nie ankündigen“, warnt Schubert. Nicht selten müsse die Polizei eingeschaltet werden, wenn ein Mann das Frauenhaus belagere, um seiner Frau aufzulauern. Solche Gefährdungslagen müssten zuvor genau analysiert werden.

Der Anbau an das Frauenhaus, so Martina Schubert, werde durch die Stadt finanziert. Um die Einrichtung müsse sich der Verein selbst kümmern. Er hofft nun auf weitere Geld- und Sachspenden.

Startseite