Paderborner Gastwirte wollen Aktion „Leere Stühle“ starten

Hilferuf aus der Gastronomie

Paderborn (WB). Seit nunmehr vier Wochen bleiben in Gastronomiebetrieben Tische und Stühle unbesetzt, dürfen Kneipen, Restaurants und auch Hotels nicht öffnen. Jetzt wollen die Gastronomen auf ihre inzwischen existenzbedrohende Situation aufmerksam machen und fordern Unterstützung ein.

Marion Neesen

Monika und Markus Wahden von der Alt-Enginger Mühle organisieren die Aktion „Leere Stühle“. Etwa 50 Paderborner Gastronomen habe ihre Teilnahme bereits zugesagt. Foto: Marion Neesen

„Wir starten auch in Paderborn die bundesweite Aktion ‚Leere Stühle‘. 25 weitere Städte machen bereits mit und es werden stündlich mehr“, berichtet Markus Wahden, der in Elsen mit seiner Frau Monika die Alt-Enginger Mühle betreibt und die Aktion initiiert hat. Am Freitag, 24. April, zwischen 11 und 13 Uhr wollen die Paderborner Gastronomen jeweils vier oder fünf Stühle auf dem Marktplatz am Neptunbrunnen aufstellen. Die Stühle bleiben leer und symbolisieren so die Situation der Gastwirte. „Es wird keine Demonstration und wir werden die Corona-Regeln nicht verletzen“, betont Wahden, „nachdem jeder seinen Stuhl aufgestellt hat, verlässt er den Platz wieder.“ Die eher künstlerische Aktion solle zum Nachdenken anregen und auf die Not der Gastronomiebetriebe aufmerksam machen.

Ziel sei aber auch, den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in seinen Verhandlungen zu unterstützen. Dieser fordert eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes, eine Klarstellung zum Soforthilfe-Zuschuss und eine Erweiterung des Bundeszuschusses „Soforthilfe“ durch ergänzende Landeszuschüsse. Außerdem soll die Mehrwertsteuer für Speisen von 19 auf sieben Prozent gesenkt werden. Regina Tönsing, Geschäftsführerin des Dehoga in Ostwestfalen, unterstützt die Aktion. Die Branche brauche effektive und unbürokratische Unterstützung. Denn wann und wie Kneipen und Restaurants überhaupt wieder öffnen können, sei weiterhin unklar. Die Gastronomen zeigen sich enttäuscht darüber, dass ihnen derzeit keine Perspektiven aufgezeigt würden. „Als ich erfahren habe, dass Friseure wieder öffnen dürfen, unsere Branche aber überhaupt keine Berücksichtigung findet, habe ich die Welt nicht mehr verstanden“, sagt Monika Wahden.

Viele Betriebe halten sich mit Bestellservice und Auslieferung über Wasser. „Das ist aber eher Beschäftigungstherapie“, sagt Regina Tönsing. Diese Einnahmen reichten nicht zum Überleben. Monika Wahden findet immerhin Trost bei ihren Stammkunden. Die geben beim Abholen der Speisen derzeit auch schon mal 15 Euro Trinkgeld.

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