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LWL-Klinik Paderborn sieht in der Corona-Krise große Gefahr für suchtkranke Menschen

„Hilfsangebote sind weiter zugänglich“

Paderborn

Die Suchtmedizinische Ambulanz der LWL-Klinik Paderborn weist darauf hin, dass gerade in dieser Pandemie-Zeit die Gefahr, suchtkrank zu werden, besonders hoch ist.

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Die LWL-Klinik in Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

„Wer Sorgen hat, hat auch Likör“: Schon Wilhelm Busch wusste, dass Alkohol dazu dienen kann, Probleme zu vertagen und sich zu beruhigen. Sorgen haben alle derzeit genug und das schon über einen langen Zeitraum. Sorgen um die Gesundheit der Familie, den Arbeitsplatz. „Oder das Gefühl zu vereinsamen“, heißt es in der Pressemitteilung.

Und natürlich liege es nahe, sich ab und zu etwas zu gönnen, was die Sorgen für den Moment vergessen lässt. Dass sich die Realität dadurch nicht verändert, sondern spätestens am nächsten Morgen wieder sehr präsent ist, gerate dabei in Vergessenheit oder werde verdrängt.

Sinnvolle und bewährte Unterstützungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Selbsthilfegruppen, finden nicht oder in anderen Settings statt. Auch weitere gängige Hilfsangebote erscheinen weniger leicht zugänglich oder unattraktiv.

Dem sei aber nicht so, versichert die suchtmedizinische Ambulanz. Trotz der Einschränkungen durch die Pandemie seien alle Hilfsangebote, die sich in den vergangenen Jahren etabliert haben, weiter zugänglich. Von den Hausärzten, die auch in diesen Tagen gerne weiterhelfen, über niedergelassene Psychiater und die ambulante Suchthilfe bis hin zu den Angeboten der Suchtmedizin an der LWL-Klinik, stehen verschiedene Experten zur Verfügung. Sie helfen in akuten Krisensituationen, die durch den Konsum ausgelöst werden, stehen aber auch beratend bei vielleicht erst entstehenden Problemen zur Seite. In der LWL-Klinik sind alle Stationen und auch die Tages­klinik zur Behandlung der unterschiedlichen Abhängigkeiten geöffnet. Die Ambulanz bietet weiter werktäglich eine offene Sprechstunde an, die man ohne Termin aufsuchen kann.

Bei Suchterkrankungen sei es nicht anders als bei körperlichen Beschwerden: Je früher man handelt, desto besser. Betroffenen, Angehörigen und Freunden sei daher zu raten, die Möglichkeiten, die es auch weiterhin gibt, in Anspruch zu nehmen. So ließen sich Probleme häufig durch kurze ambulante Behandlungen in den Griff bekommen. Wartet man zu lange, so bestehe immer das Risiko, dass der Weg aus dem problematischen Konsum länger und schwieriger wird. Aber auch, wenn das der Fall sein sollte, könne geholfen werden.

Um riskantem Konsum entgegenzuwirken, sei es hilfreich, bewusst alkoholfreie Tage einzulegen oder sich mit weniger gefährlichen Genussmitteln wie Tee zu verwöhnen. Gegen den Corona-Blues helfe eine gute Tagesstruktur mit Aktivitäten an der frischen Luft, Kontaktpflege über soziale Medien und die Teilnahme an Online-Sport- oder -Kulturangeboten. „Der Fokus sollte darauf gerichtet werden, was trotz Corona alles möglich ist statt zu schauen, was gerade nicht verfügbar ist“, so die Experten der LWL-Klinik.

Klinik weist Vorwurf zurück

Die LWL-Klinik wehrt sich gegen den Vorwurf, dass im Zuge der Impfmaßnahmen nicht nur anspruchsberechtigte Mitarbeiter, sondern auch Führungskräfte geimpft worden seien. Diese Vorwürfe waren anonym in einem Brief an mehrere Medien erhoben worden.

„Alle Geimpften entsprechen der Maßgabe der Priorisierung, dass diese engen Kontakt zu Covid-Patienten haben können, sowohl pflegerisch als auch medizinisch“, sagte ein LWL-Sprecher dieser Zeitung. Die Klinik habe sich streng an die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) und des NRW-Gesundheitsministeriums gehalten. Anfang Februar seien nur die stationären Mitarbeiter des Covid-Bereichs sowie alle Mitarbeiter des stationären ärztlichen Bereitschaftsdienstes und der zentralen Aufnahme geimpft worden. Weitere Impfdosen etwa für die gerontopsychiatrischen Stationen oder ambulanten Bereiche seien nicht genehmigt worden. Insgesamt seien 84 der etwa 500 Mitarbeiter geimpft worden, 40 aus dem Pflegebereich, 31 Ärzte sowie 13 „multiprofessionelle Mitarbeitende“, die ebenfalls direkten Kontakt zu Covid-Patienten hätten. Die Frage der Hierarchie habe dabei keine Rolle gespielt.

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