Borkenkäfer: Erste Tests zeigen vielversprechende Ergebnisse – Schädlinge sterben

Holz lagert unter Folie sicher

Paderborn/Arnsberg (WB). Hunderttausende Kubikmeter Fichtenholz liegen in den heimischen Wäldern und drohen zu verrotten. Die Lager der Sägewerke sind voll. Ein Test des Zentrums für Wald und Holzwirtschaft im Arnsberger Wald macht vielen Waldbesitzern in der Region nun Hoffnung: Holz, das luftdicht in Folie eingepackt ist, kann mög­licherweise ohne weitere Schädigung durch den Borkenkäfer ge­lagert werden.

Matthias Band

Mitarbeiter des Zentrums für Wald und Holzwirtschaft packen in einem Wald in Arnsberg die Folie aus, in der die Fichten lagern. Die Verrottungsprozesse werden so gestoppt und die Schädlinge sterben unter der Folie. Foto: Michael Blaschke/Wald und Holz NRW

Vor gut einem Jahr haben Forscher des Zentrums für Wald und Holzwirtschaft in Arnsberg ins­gesamt zehn Holzpolter mit je 300 Festmetern Holz luftdicht in Folie verpackt. Der Begriff Polter steht für gesammeltes und sortiertes Rundholz, das nach der Ernte auf einem Sammelplatz zur Abfuhr bereitliegt. Nun wurde der erste Polter geöffnet, wie das Zentrum für Wald und Holzwirtschaft mitteilte.

Bis 2025 soll alle sechs Monate ein weiterer Polter geöffnet werden

Dabei sei ein erstaunliches Ergebnis zu Tage getreten. „Die Holzqualität ist wirklich top. Wie gerade frisch gefällt. Die Käfer haben keine weitere Schädigung hervorgerufen“, sagt Bertram Leder, ­Leiter des Zentrums. Sogar Sägewerker seien von der Qualität überzeugt. „Keine Verfärbung, passende Feuchtigkeit. Ein erfreuliches Ergebnis. Ich bin positiv überrascht. Für mich ist das eindeutig B-Qualität“, sagt Christoph Paul, Einkaufsleiter eines Briloner Sägewerks. B steht für sehr gute Qualität. Diese hätten die Stämme auch, wären sie gerade frisch gefällt worden. Holzkonservierung sei auch für ­Sägewerke ein wichtiges Thema, erläutert Paul.

Erste Erfahrungen mit Folien­lagern, in denen frisches, gesundes Holz eingelagert wird, gibt es bereits. Ob die Methode auch mit Borkenkäferholz funktioniert, will Bertram Leder nun mit seinem Team herausfinden. Dafür soll bis 2025 alle sechs Monate ein weiterer der neun verbliebenen Polter geöffnet werden. So soll überprüft werden, wie sich eine Langzeit­lagerung unter Folie auf die Holzqualität auswirkt.

„Die Borkenkäfer sterben, alle Verrottungsprozesse werden gestoppt“

Fichtenholz sei viele Jahrzehnte haltbar, wenn es zu Dachstühlen oder Regalen verbaut werde. Frisch eingeschlagene Fichten seien aber leicht verderbliche Ware, sagt Leder. Die Fichte verliere schnell an Wert, wenn sie nicht rechtzeitig im Sägewerk weiter­verarbeitet werde. Und was passiert unter der Folie? Leder: „Innerhalb weniger Tage ist sämt­licher Sauerstoff unter den Folien verbraucht, der CO

-Gehalt steigt. Das bekommt den Schädlingen offensichtlich nicht. Die Borkenkäfer sterben, alle Verrottungsprozesse werden gestoppt und die für die Weiterverarbeitung wichtige Holzfeuchtigkeit bleibt erhalten.“

Allein für die Wälder in NRW erwartet der Landesbetrieb als Folge der Dürrejahre und der explosionsartigen Borkenkäfer-Vermehrung für dieses Jahr 20 Millionen Festmeter Schadholz. Das Überangebot hat zu einem Preisverfall für den Festmeter Holz geführt. Lag der Preis für einen Festmeter Fichte vor zwei Jahren noch bei 90 bis 100 Euro sind es aktuell 30 bis 40 Euro. Und der Export des Fichtenholzes nach China, der aufgrund der Corona-Pandemie ins Stocken geraten war, läuft erst langsam wieder an. „Mit Blick auf die Ergebnisse nach einem Jahr bin ich sehr optimistisch, dass diese Art der Lagerung wirklich eine Lösung für das Borkenkäferholz ist“, sagt Leder.

Wichtig ist, die Holzpolter auf geradem Boden anzulegen

Für die Waldbesitzer wäre das eine große Hilfe. Aktuell müssen sie das Holz trotz der niedrigen Preise verkaufen, da sie kaum ­Lagermöglichkeiten haben. Bei Kosten von etwa 15 Euro pro Festmeter lohne sich die aufwendige Folienkonservierung allerdings nur bei sehr guter Holzqualität. Wichtig sei, dass die Holzpolter auf geradem Boden ohne spitze Steine und nicht dort angelegt würden, wo es viele Mäuse gebe, da diese Löcher in die Folie nagen könnten, sagt Leder. Die Hülle müsse unbedingt luftdicht verschlossen sein.

Andreas Wiebe, Leiter des Landesbetriebs Wald und Holz: „In unseren Wäldern sprechen wir gerade über den Verlust von Millionen und nicht von tausenden Bäumen. Wir laufen der Klimakrise hinterher und müssen uns jetzt darum kümmern, mit Hilfe des Waldbaukonzepts NRW einen zukunftsfähigen klimastabilen Wald der Zukunft aufzubauen.“ Folienlager seien daher nur ein Baustein von vielen Maßnahmen gegen die Auswirkungen des fortschreitenden Klimawandels und aus wirtschaft­licher Sicht eine interessante, aber nicht risikolose Wette auf die Zukunft. Bleibe die Folie dicht und die Holzqualität hoch, könne sich die Investition lohnen. Denn nach der Borkenkäferkrise rechneten Experten wieder mit steigenden Holzpreisen. Werde das Lager aber undicht, sei die Investition in das Lager verloren, sagt Wiebe.

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