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Mit 100 Jahren hat Kurt Büttner noch einen vollen Terminkalender

„Ich fühle mich hier sauwohl“

Paderborn (WB). Kurt Büttner aus Paderborn ist ein lebenslustiger Mann mit einem aktiven Alltag: Er singt im Kirchenchor, geht jede Woche zur Probe, zur Wassergymnastik und zum Morgenlob mit Frühstück in der evangelischen Markus-Gemeinde. Seine Termine hat der Rentner in einem Tischkalender notiert – damit er nichts vergisst. An Montag, 20. Januar, wird aber erstmal gefeiert: Dann stößt Kurt Büttner mit seinen Freunden im Hotel Aspethera auf seinen Geburtstag an – es ist der 100.

Sonja Möller

„Hauptsache, es wird gelacht.“ Das ist Kurt Büttners Lebensmotto. Der rüstige Rentner mit dem aktiven Alltag feiert an diesem Montag seinen 100. Geburtstag. Zu den Gratulanten zählt auch Tochter Christel Gerbrecht. Foto: Oliver Schwabe

Sein hohes Alter hält den rüstigen Rentner nicht von einem aktiven Leben ab. Auf Libori hat sich der damals 99-Jährige zum Beispiel „von meinen Damen“ den Seniorennachmittag und im Riesenrad die Stadt zeigen lassen. Kurt Büttner liebt es, unter Menschen zu sein und sie zum Lachen zu bringen. „Meine Frau war eine Rheinländerin. Wir hatten immer das Motto ‚Einmal am Tag muss gelacht werden‘“, erzählt der Hundertjährige.

„Bei der Damenwahl hat sie mich aufgefordert“

Kennengelernt haben sich die beiden übrigens beim Karneval. „Ich lebte damals in Leverkusen und wollte mal wissen, wie der Karneval so ist. Da saßen wir dann mit lauter hübschen Damen am Tisch“, erzählt er. Seine Zukünftige habe ihm die kölschen Sätze übersetzt: „Dann hat sie mich bei der Damenwahl aufgefordert, und das hat 60 Jahre gehalten.“

2012 ist seine Frau nach schwerer Krankheit gestorben. Kurt Büttner blieb in der Wohnung und baute sich weitere soziale Kontakte auf – mit 92 Jahren. „Ich gehe immer auf Menschen zu, spreche mit ihnen. Es muss immer gelacht werden“, erzählt er. Das erreicht er mühelos mit seinem Humor und seinem Charme.

Auch wenn sein Gedächtnis langsam nachlässt, wie er selbst erzählt, behält er sein sonniges Gemüt. „Bei der Wassergymnastik bin ich zum Beispiel mit lauter jungen Frauen im Kiliansbad. Die sind zwischen 60 und 80 Jahre alt.“ Dann lacht er wieder über sein ganzes Gesicht.

Sonntagnachmittags kommt Tochter Christel zum Kaffee

„Mein Vater hat so eine Art, Menschen genau so anzunehmen, wie sie sind. Er versucht immer, Sonne in ihr Leben zu bringen mit seiner herzlichen und freundlichen Art“, erzählt Tochter Christel. Sie hat sich einen ausgeklügelten Plan überlegt, um ihren Vater telefonisch zu erreichen: „Bei seinen Terminen ist das nicht immer so einfach.“ Aber sonntagnachmittags kommt sie zum Kaffee vorbei: „Dann wird von der Woche erzählt und die Welt wieder grade gerückt.“

Erst 2006 ist Kurt Büttner mit seiner Frau Anneliese nach Paderborn gezogen, um in der Nähe von seiner Tochter zu sein. Christel Gerbrecht lebt in Borchen. „Paderborn ist mein Zuhause. Ich fühle mich hier sauwohl“, sagt er heute und lacht: „Die sprichwörtliche Sturheit der Ostwestfalen habe ich noch nicht kennen gelernt.“

Geburtstagsständchen vom Paderborner Polizeichor

Ein Teil seiner Familie wohnt in Schleswig-Holstein, ein anderer Teil in Nürnberg. Am 25. Januar gibt es ein großes Wiedersehen in Borchen. Dann kommen seine drei Kinder Christel (60), Manfred (62) und Werner (71), seine sieben Enkel und drei Urenkel.

Und ein Ständchen gibt es auch – von Paderborner Polizeichor. „26 Sänger haben sich angekündigt“, erzählt Tochter Christel. Immerhin war ihr Vater dort lange selbst als Sänger aktiv und hat noch mit 90 Jahren bei Konzerten mitgesungen. Der Kontakt ist nie abgerissen. Kurt Büttner: „Wenn sie Feiern oder Konzerte haben, laden sie mich immer ein und holen mich auch ab.“

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