Zum Tag der Pflege: Mitarbeiter sagen, warum sie ihre Arbeit trotz aller Umstände lieben – Paderborner Einrichtungen laden zu digitaler Partygala ein

„Ich kann mir keinen schöneren Job vorstellen“

Paderborn

Das Gesundheitspersonal hat sich enorm für Patienten engagiert – schon lange bevor es Corona gab. Die Pandemie hat das Pflegepersonal jedoch besonders stark belastet und an die Grenzen gebracht, oft auch darüber hinaus. Zum diesjährigen Tag der Pflege soll es nicht nur beim Applaus belassen werden. Zwölf Träger und Einrichtungen aus der Region laden ihre mehr als 8000 Mitarbeiter in der Pflege ein, um zu feiern und gefeiert zu werden. Dazu veranstalten sie am Freitag, 25. Juni, eine digitale Partygala in einem Live-Stream. Schirmherr der Aktion ist Landrat Christoph Rüther.

Jörn Hannemann

Ann-Christin Rübbelke, Melanie Wittig, Johannes Dreilich (obere Reihe von links), Vanessa Schmidke, Iris Tilsner und Imran Asify (untere Reihe von links) sind sechs von insgesamt 8000 Pflegekräften in der Region. Foto: Jörn Hannemann

Damit diese Feier nicht kurzfristig aus Pandemie-Gründen abgesagt werden muss, hat man sich für ein digitales Event entschieden, wie das Organisationsteam unter Leitung von Martin Wolf, Vorstand St. Johannisstift Paderborn, und Hans-Werner Hüwel, Bereichsleitung Pflege und Gesundheit beim Caritasverband Paderborn, erklären. „Nachdem wir im letzten Jahr wegen Corona keine Veranstaltung stattfinden lassen konnten, wollen wir in diesem Jahr unsere Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden in der Pflege ganz bewusst deutlich machen“, betonen Wolf und Hüwel. „Alle Pflegerinnen und Pfleger haben mit ihrem Engagement, unzähligen Überstunden und immer der Möglichkeit, sich selbst mit dem Virus anzustecken, ihren Dienst an den Menschen geleistet. Dafür möchten alle beteiligten Träger und Einrichtungen herzlich Danke sagen.“

Danken allen Pflegekräften: Landrat Christoph Rüther, Martin Wolf (St. Johannisstift) und Hans-Werner Hüwel (Caristasverband Paderborn). Foto: Jörn Hannemann

Die Partygala ist als Live­stream mit einem Unterhaltungsprogramm und einigen Überraschungen geplant. Die virtuelle Feier soll am Freitag, 25. Juni, kurz vor Beginn der Sommerferien gefeiert werden. Am Tag der Pflege, der international am 12. Mai gefeiert wird, besteht für die Mitarbeiter die Möglichkeit, sich online anzumelden und erste Informationen zu erhalten. Gleichzeitig nutzen die Einrichtungen den Mottotag um auch für die positiven Seiten des Berufs zu werben. Dazu haben in einem Pressegespräch im Kreishaus sechs Auszubildende und Pflegefachkräfte aus der Region erzählt, warum sie sich keinen schöneren Beruf vorstellen können – trotz aller Negativmeldungen, Problemen und Mühen.

So berichtet Melanie Wittig(41) von der „großen Dankbarkeit“, die ihr entgegengebracht wird. Seit 20 Jahren arbeitet sie in der Branche. „Und das habe ich nie bereut!“ Seit 1. Mai hat sie die Pflegedienstleitung in der ambulanten Pflege der Kolping Familie in Bad Wünnenberg übernommen.

Lange Zeit hatteJohannes Dreilich(57) als Maurer gearbeitet. Über seine ehrenamtliche Arbeit im Hospizdienst entschied er sich mit Anfang 50 für eine Ausbildung in der Pflege und arbeitet seitdem im Haus Bredemeier in Hövelhof in der stationären Pflege. „Der Beruf ist abwechslungsreich und anspruchsvoll: Man benötigt eine große soziale Kompetenz, das ist nichts für jeden.“ Viele hätten auch falsche Vorstellungen, würden beispielsweise die Tätigkeit immer nur auf Themen wie Inkontinenz und Stuhlgang reduzieren und die vielen positiven Aspekte außer acht lassen.

Imran Asify(21) hat seine dreijährige Ausbildung als Altenpfleger am St. Johannisstift fast vollendet. 2015 war der 21-Jährige aus Afghanistan nach Deutschland gekommen, anfänglich von der Kinder- und Jugendhilfe des St. Johannisstift unterstützt. Nach der Ausbildung wird er nun übernommen und arbeitet im Demenzbereich in der stationären Pflege. „Wenn ich abends nach Hause gehe, tue ich das mit einem guten Gefühl. Denn ich habe etwas Sinnvolles getan: Ich habe anderen Menschen geholfen!“.

Iris Tilsner(47) ist auch Auszubildende im dritten Ausbildungsjahr für die Altenpflege. Derzeit ist sie für die AWO Paderborn in der ambulanten Pflege in Lichtenau beschäftigt. „Ich wollte einen sicheren Job, von dem man Leben kann und viel mit Menschen zu tun hat. Das alles ist erfüllt.“ Wenn man sehe, wie Kunden sich freuen, wenn sie zu ihnen komme, „ist das schon ein tolles Gefühl.“ Vor allem den fast familiären Umgang zu Patienten und Kollegen schätze sie sehr.

Vanessa Schmidtke(33) vom Caritasverband Paderborn will auch anderen Müttern Mut machen, in einen Pflegeberuf einzusteigen. „Das ist auch mit Kindern möglich. Es gibt verschiedene Teilzeitmodelle.“ Nach einer einjährigen Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegeassistenz absolviert sie derzeit eine Ausbildung zur Pflegegefachfrau. Für sie sei die größte Motivation ein Lachen von Patienten, wenn man es schafft, dass Schmerzen und Krankheiten mal in den Hintergrund rücken.

Ann-Christin Rübbelke(28) arbeitet im Schichtdienst im St.-Vincenz-Krankenhaus und leitet dort die Früh- und Neugeborenenstation. „Wir durchleben hier Höhen und Tiefen mit den Familien. Oft kann schon ein simples Lächeln oder eine Berührung hilfreich sein“, betont die 28-Jährige. Hinzu komme, dass jeder Tag anders verlaufe, erfüllend und spannend sei.

Zu den zwölf teilnehmenden Einrichtungen am Tag der Pflege, der an den Geburtstag der britischen Krankenpflegerin und Pionierin der modernen Krankenpflege Florence Nightingale erinnert, die im vergangenen Jahr ihren 200. Geburtstag gehabt hätte, zählen: Der Caritasverband Paderborn und Büren, die Caritas Wohn- und Werkstätten, das St. Johannisstift, das Vincenz-Krankenhaus, das Brüderkrankenhaus, die Arbeiterwohlfahrt, die Stiftung Westphalenhof, Haus Bredemeier, das MZG Bad Lippspringe, der Verein katholischer Altenhilfeeinrichtungen VKA sowie die Kolping-Akademie für Gesundheit- und Sozialwesen.

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