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Elke Süsselbeck (parteilos/Linke) tritt in Paderborn gegen acht Männer an

„Ich würde das richtig gut machen“

Paderborn (WB). Acht Männer bewerben sich in Paderborn um das Bürgermeisteramt. Elke Süsselbeck ist der Gegenentwurf zu ihren Konkurrenten: Die Rechtsanwältin ist zwar parteilos, kandidiert aber für die Linken. Die Frauenrechtlerin engagiert sich in der Gleichstellungskommission und setzt im Berufsleben auf gemischte Teams. Wie sieht sie ihre Chancen auf den Chefsessel im Rathaus? „Ich bin realistisch. Aber wenn ich gewählt werden würde, würde ich das richtig gut machen“, sagt sie voller Überzeugung.

Ingo Schmitz

Die 54-jährige Rechtsanwältin Elke Süsselbeck tritt als Parteilose für die Linken als Bürgermeisterkandidatin in Paderborn an. Foto:

Kinderarmut

Die Corona-Krise habe vor allem gezeigt, so Elke Süsselbeck, dass Kinder von den Folgen besonders betroffen seien. „Laut Armutsbericht des Jugendamtes bereits vor Corona muss jedes fünfte Kind in Paderborn als arm gelten“, teilt sie mit und verweist auf den Stadtteil Kaukenberg. An einem Wahlkampfstand habe sie erfahren, dass die Menschen dort offen und gesprächsbereit seien. „Die Menschen dort sind froh, dass man sich für sie interessiert“, sagt die 54-jährige Juristin. Bei den Gesprächen sei immer wieder zur Rede gekommen, dass es für die Jugendlichen während der Schulschließung keine Treffpunkte gegeben habe. Trotz aller ehrenamtlichen Initiativen: Für solche Angebote sei die Stadt verantwortlich, meint Elke Süsselbeck.

Es reiche nicht, den bedürftigen Kindern nur ein digitales Endgerät in die Hand zu drücken, um im Online-Unterricht nicht abgehängt zu werden. „Viele Kinder haben nicht mal einen ruhigen Arbeitsplatz in der Wohnung. Diese Familien brauchen Unterstützer“, lautet ihre Forderung.

Um den Familien helfen zu können, brauche es niederschwellige Beratungsangebote in Quartierbüros, wo die Menschen einfach hingehen könnten, um sich über das Bildungs- und Teilhabegesetz zu informieren. Viele Mittel würden im Bereich Vereinssport oder für Nachhilfe nicht abgerufen, weil die Betroffenen Anträge stellen müssten, sagt die Bewerberin. Daher brauche es auch mehr Schulsozialarbeiter, meint sie, die die Probleme erkennen.

Gleichstellung

„Ich bin eine Befürworterin der Frauenquote – gerade auch in Wirtschaftsunternehmen“, sagt Elke Süsselbeck, die ein besonderes Augenmerk auf die Führungspositionen hat. Dass hier zu wenig Frauen vertreten seien, habe auch mit der „Teilzeitfalle“ zu tun, die schließlich in Altersarmut münde. Wer halbtags arbeite, werde per se für Chefposten ausgeklammert, meint sie. Elke Süsselbeck macht sich dafür stark, dass Rückkehrerinnen in den Beruf professionelle Beratung benötigten, die auf diese Probleme hinweise. Zudem müsse es endlich auch eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Männer geben. „Statt eines Vatertags müsste man in Paderborn einen Männertag etablieren, an dem verschiedene Lebensmodelle vorgestellt werden“, schlägt sie vor. Generell gehe es ihr nicht darum, ein „Frauen-Regiment“ zu schaffen, sondern für gemischte Teams zu sorgen. Daran mangele es in Paderborn mit seinen „Männerbündeleien“, wie sie es nennt.

Mobilität und Stadthaus

Nicht sparen will Elke Süsselbeck beim Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs. „Wir müssen sehen, dass die Menschen weiter mobil bleiben. Aber wir müssen weg vom Individualverkehr“, lautet ihr Statement. Kostenfreiheit beim Busfahren ist dabei ein großes Ziel.

Lernen müsse die Paderborner Stadtpolitik aus den Fehlern bei der Planung des neuen Stadthauses am Marienplatz. Viel zu spät sei die Öffentlichkeit mit einbezogen worden. „Wenn es innerhalb der Bürgerschaft schon heißt, das wird ein Prunkbau, dann ist da alles schief gelaufen“, meint sie.

Die Realisierung des Neubaus sieht sie übrigens nicht gefährdet – allein schon aus energetischen Gesichtspunkten und zum Wohl der städtischen Mitarbeiter. Allzu lange dürfe das Projekt nicht geschoben werden, allein auch wegen der wirtschaftlichen Bedeutung für die Unternehmen. Und wie geht es mit den städtischen Finanzen weiter? Eine klare Absage erteilt Elke Süsselbeck möglichen Steuererhöhungen.

Und sonst?

Der Kampf gegen Prostitution und häusliche Gewalt steht ganz oben auf ihrer Agenda. Den Frauen in prekären Lebenslagen müsse geholfen und Männer, die Sex kaufen, stigmatisiert werden. Für die Kandidatin steht fest, dass das bisherige politische Engagement für Frauen nicht ausreichend sei. „Politik funktioniert nach dem Muster: Wer am lautesten schreit, dem wird geholfen.“ Viele Frauen, die unter gewalttätigen Männer litten, hätten keine Stimme. Daher fordert sie, dass erheblich mehr in Frauenhäuser investiert wird.

Zur Person

Elke Süsselbeck ist 54 Jahre alt, verheiratet und hat einen Sohn. Die Paderborner Rechtsanwältin tritt als parteilose Kandidatin an. Obwohl sie für die Linksfraktion Mitglied der Gleichstellungskommission ist und in der Arbeitsgruppe Verschuldung tätig ist, gehört sie nicht der Partei an. „Ich habe mit einigen Entscheidungen der Linken auf Bundesebene meine Probleme“, erklärt die Frauenrechtlerin. Hintergrund: Die Linken würden mit der Bezeichnung „Sexarbeit“ das Thema Prostitution verharmlosen. Aus ihrer Sicht ist Prostitution sexueller Missbrauch gegen Geld. Die Corona-Krise habe Prostituierte in eine noch schwierigere Situation gebracht. „Wir müssen investieren in ehrlich gemeinte Ausstiegshilfen und den Frauen neue Lebensentwürfe ermöglichen“, sagt Süsselbeck.

alle Berichte über die Bürgermeisterkandidaten in der Stadt Paderborn im Überblick

- Michael Dreier (CDU)

- Martin Pantke (SPD)

- Klaus Schröder (Grüne)

- Alexander Senn (FDP)

- Elke Süsselbeck (parteilos/Die Linke)

- Stephan Hoppe (FÜR Paderborn)

- Hartmut Hüttemann (FBI)

- Verani Kartum (Volt Paderborn)

- Marvin Weber (AfD)

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