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Kreis Paderborn, AVE und Westfalen Weser koopieren

Im Entsorgungszentrum „Alte Schanze“ soll grüner Wasserstoff erzeugt werden

Paderborn

Das im Paderborn-Elsen befindliche Entsorgungszentrum „Alte Schanze“ entwickelt sich immer mehr zu einem regenerativen Versorgungszentrum im Kreis Paderborn. Aus Wind-, Sonnenkraft und Deponiegas wird von dort aus bereits elektrische Energie erzeugt. Jetzt soll an gleicher Stelle auch noch grüner Wasserstoff produziert werden.

Im Entsorgungszentrum „Alte Schanze“ soll grüner Wasserstoff produziert werden (von links):  Meinolf Päsch (Aufsichtsratsvorsitzender AVE GmbH), Landrat Christoph Rüther, Steve Flechsig (WW-Innovationsmanager), Martin Hübner und Reinhard Kahmen (Geschäftsführung der AVE GmbH) haben jetzt eine gemeinsame Kooperationsvereinbarung zur Wasserstoffgewinnung im Entsorgungszentrum unterzeichnet. Foto: Kreis Paderborn

Das streben zumindest der Kreis Paderborn mit seinem Tochterunternehmen der Abfallverwertung und Energie GmbH (AVE) und Westfalen Weser an, wie es einer Kooperationsvereinbarung heißt. In der ersten Projektphase sollen Fördermitteln für die Planung und Umsetzung des Großprojektes beantragt werden.

„Mit diesem Wasserstoff-Projekt schlagen wir ein ganz neues regeneratives Kapitel im Kreis Paderborn auf“, sagt Landrat Christoph Rüther und ergänzt: „Das kreiseigene Entsorgungszentrum bietet mit seinen lokal vorhandenen technischen Einrichtungen und dem großen Betriebsareal geradezu eine Fülle an Synergien, um dort Wasserstoff regenerativ und wirtschaftlich erzeugen zu können.“ Der Landrat, so heißt es weiter, freue sich deshalb über die jetzt vereinbarte Kooperation zwischen der AVE GmbH, die sich speziell um den Ausbau regenerativer Projekte für den Kreis Paderborn kümmere, und dem lokalen Infrastrukturdienstleister Westfalen Weser (WW).

Was ist grüner Wasserstoff?

Auf die Frage, was das Entsorgungszentrum  für die grüne Wasserstoffgewinnung so interessant machte, antwortet Martin Hübner, AVE-Geschäftsführer, wie folgt: „Auf dem Betriebsgelände befinden sich zwei Windkraftanlagen mit einem Energieertrag von rund 14 Mio. kWh/Jahr, die im Besitz der AVE  sind. Eine weitere Windkraftanlage mit etwa 10 Mio. kWh/Jahr wird voraussichtlich zum Jahresende in Betrieb gehen.“ Laut Hübner kommen noch Photovoltaik-Anlagen hinzu, die sich auf dem Betriebsgelände in einem ständigen Ausbauprozess befinden, sowie das Blockheizkraftwerk zur Deponiegas- und Abwärmenutzung und nicht zuletzt die benachbarte Sickerwasserkläranlage. „Aktuell prüfen wir, ob nicht auf den bereits verfüllten Altdeponieflächen eine große PV-Anlage mit einer Leistung von ca. 20 MW gebaut werden kann“, fügt der Geschäftsführer noch hinzu.

Wie Steve Flechsig, WW-Innovationsmanager, ausführt, soll die gesamte Wasserstoffwertschöpfungskette auf der „Alten Schanze“ etabliert werden, angefangen von der Wasserstofferzeugung mittels Elektrolyseur über die Speicherung bis hin zum Transport.   „Durch den Betriebshof und die Nähe zu Paderborn als potenzieller Nutzer ergeben sich für die Partner optimale Voraussetzungen. Es ist geplant, diese neue Anlagentechnik auf dem Betriebsgelände des AVE am Standort des Deponiegasblockheizkraftwerkes und der deponieeigenen Sickerwasserkläranlage zu installieren“, sagt Flechsig. Der erzeugte Sauerstoff könne, so Flechsig, zur Ozonerzeugung in der Sickerwasserkläranlage genutzt werden und die Abwärme des Elektrolyseurs zur Einspeisung in das innerbetrieblich vorhandene Fernwärmenetz.

Von der Gewinnung über die Verteilung bis nur Nutzung

Meinolf Päsch, der Aufsichtsratsvorsitzende der AVE, stellt noch einmal die Synergien des Projektes in den Vordergrund: „Es gibt einen Strommix aus Photovoltaik, Windkraft und Deponiegas. Über die Elektrolyse entsteht Wasserstoff, der verkehrstechnisch zur Nutzung von kommunalen Fahrzeugen dienen könnte, die zum Beispiel den Abfall zur „Alten Schanze“ anliefern. Wir verfolgen bei diesem Projekt schließlich einen ganzheitlichen Ansatz, sprich von der Wasserstoffgewinnung, über ihre Verteilung bis hin zur effektiven Nutzung.“

Alle Verantwortlichen des Projekts sind sich aber darin einig, dass hier Neuland betreten wird. Die Beteiligten betonen, dass das Gesamtprojekt nur wirtschaftlich gelingen könne, wenn eine ausreichende Anschubförderung durch den Bund und das Land NRW garantiert werde. Man befinde sich aber in konstruktiven Gesprächen mit den Bewilligungsbehörden.

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