1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Paderborn
  6. >
  7. Impuls für Gemeinde und Ortskern

  8. >

Im Herzen von Schloß Neuhaus entsteht ein neues Pfarrhaus mit Gemeindebüro

Impuls für Gemeinde und Ortskern

Paderborn.

Das Gesicht des historischen Ortskerns in Schloß Neuhaus ändert sich gerade. Das alte Pfarrhaus an der Neuhäuser Kirchstraße ist bereits abgerissen, ab März soll der Neubau entstehen, der modernes Wohnen und Arbeiten hinter einer Fassade ermöglichen soll, die sich in die gewachsenen Strukturen harmonisch einfügt.

Maike Stahl

Bauherr ist der Kirchenvorstand der katholischen Pfarrei Heiliger Martin, allerdings in engem Austausch mit dem Generalvikariat, da das Erzbistum auch einen Großteil der Baukosten von insgesamt rund 2,2 Millionen Euro trägt. Die Planung hat das Neuhäuser Architekturbüro Plan Bee übernommen.

Warum wird neu gebaut? Zwei wesentliche Gründe haben nach jahrelangen Überlegungen zu der Entscheidung geführt. Zum einen bot das 1951 errichtete Pfarrhaus zu wenig Platz für die durch die Neuordnung enorm gewachsene Gemeinde, zum anderen war die Haustechnik in sehr schlechtem Zustand.

„Mit dem Zusammenschluss der vier Pfarrgemeinden Schloß Neuhaus, Sande, Sennelager und Mastbruch zu einer großen Pfarrei hat sich die Gemeinde über Nacht verdoppelt“, nennt Pfarrer Peter Scheiwe, der während der Bauphase in Mastbruch wohnt, einen zentralen Grund. „Das Haus wurde mal für den Pfarrer, die Haushälterin und eine Sekretärin gebaut. Inzwischen gehen hier außerdem vier Gemeindereferenten und ein weiterer Pastor ein und aus.“ Insgesamt fehlten etwa 80 Quadratmeter Fläche im alten, inzwischen abgerissenen Gebäude. Die Zahl der Besucher im ebenfalls im Pfarrhaus untergebrachten Büro, das derzeit in Sande untergebracht ist, habe sich entsprechend erhöht. „Der mangelhafte Schallschutz im Gebäude war das eine Zumutung für alle, Vertraulichkeit bei Gesprächen war kaum gegeben war“, erzählt Scheiwe. Seelsorge-Gespräche habe er daher teilweise außerhalb der Dienstzeiten geführt.

Nach zwei Wasserrohrbrüchen in den vergangenen Jahren, seien zuletzt zudem Trinkwasserverunreinigungen aufgetreten. „Allein für die Sanierung des Rohrsystems wäre ein sechsstelliger Betrag fällig geworden“, bestätigt Architekt Peter Bee. Zudem habe es keine realisierbare Lösung für die fehlende Barrierefreiheit des Gebäudes gegeben. Schließlich sei in Abstimmung mit allen Verantwortungsträgern die Entscheidung für einen Neubau gefallen.

Das bietet der Neubau

Pfarrer Peter Scheiwe freut sich nicht nur auf etwas ruhigeres Wohnen, sondern vor allem darauf, dass das Pfarrhaus und das benachbarte Roncalli-Haus durch den Neubau zu einer Einheit werden. Möglich macht das die geplante Brücke zwischen beiden Gebäuden im ersten Obergeschoss. „Wir haben schon seit Jahren überlegt, wie wir das Obergeschoss des Roncalli-Hauses barrierefrei erschließen können, aber es gab einfach keine gute Lösung“, berichtet Scheiwe. Da das neue Gebäude einen Aufzug erhält, erschließe die Brücke nun endlich auch die oberen Räume des Roncalli-Hauses für Krabbelgruppen, Senioren und Menschen mit Behinderungen. „So bekommen wir ein echtes Zentrum für die Menschen, die das Gemeindeleben ausmachen.“

Außerdem wird im Keller ein geeigneter Archiv-Raum geschaffen. „Da die ursprüngliche Pfarrei St. Heinrich und Kunigunde eine fürstbischöfliche Gründung ist, liegen in unserem Archiv sehr viele, sehr alte Dokumente, beispielsweise Taufbücher aus dem 17. Jahrhundert“, erzählt Pfarrer Scheiwe. Damit die wertvollen Dokumente entsprechend untergebracht werden können, werde der Keller des Pfarrhauses mit Hochwasserschutztüren und Klimatisierung ausgerüstet.

Was sind die Herausforderungen?

Für den historischen Ortskern gibt es eine Denkmalbereichssatzung, die auch für Neubauten Vorgaben macht, damit diese sich einfügen. „Die Absprachen mit der unteren Denkmalbehörde sind in sehr gutem Miteinander erfolgt“, berichtet Architekt Bee. So habe die konkrete Planung innerhalb eines halben Jahres abgeschlossen werden können. „Mit dem Neubau wollen wir auch einen Impuls im und für den historischen Ortskern setzen“, sagt Bee.

Zu einer erheblichen Verzögerung und Verteuerung des Vorhabens habe der historisch wertvolle Untergrund geführt, der mit dem Abriss freigelegt geworden sei.Die archäologischen Untersuchungen, deren Kosten in Höhe von etwa 150.000 Euro ebenfalls der Bauherr tragen muss, hätten Besiedlungsspuren aus den ersten Jahrhunderten nach Christi, Mittelalter und früher Neuzeit offenbart. Der Abriss des Pfarrhauses hat erstmals überhaupt archäologische Untersuchungen im historischen Kern ermöglicht.

Daten und Fakten

Im Neubau werden neben dem Pfarrbüro mit 155 Quadratmetern Nutzfläche und dem Archiv (40 Quadratmeter) auch die Wohnungen des Pfarrers (90 Quadratmeter), der Hausdame (55 Quadratmeter) und eine kleine Gästewohnung (40 Quadratmeter) untergebracht. Die Heizzentrale im Neubau wird künftig auch das Roncalli-Haus versorgen. Die Kosten von etwa 2,2 Millionen Euro trägt zum größten Teil das Bistum. Etwa 300.000 Euro beträgt der Anteil der Pfarrei, für die in den vergangenen Jahren bereits entsprechende Rücklagen gebildet wurden.

Startseite
ANZEIGE