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Das Programm des „IMAD-Festivals“ vom 9. bis 30. September steht

Internationale Musiktage am Dom: Himmlische Stimmen in Paderborn

Paderborn

„Das Programm ist in trockenen Tüchern“, sagt Domkapellmeister Thomas Berning. Er freut sich „wahnsinnig“ auf den September, wenn beim „IMAD-Festival“, den internationalen Musiktagen am Dom, himmlische Stimmen in Paderborn zu hören sein werden.  

Von Dietmar Kemper

Der künstlerische Leiter Thomas Berning (Zweiter von links) wird von dem Organisationsteam des Festivals mit Heike Haase, Kalle Noltenhans, Walter Brinkmann und Kirsten Geisen (von links) unterstützt. Foto: Dietmar Kemper

Vom 9. bis 30. September wird die Domstadt zum Zentrum geistlicher Musik. „Das ist wirklich Weltspitze, was hier aufläuft“, verspricht der Domkapellmeister, Initiator und Künstlerische Leiter des Festivals. Er hat es durch persönliche Vorsprache in London geschafft, den Westminster Cathedral Choir für Paderborn zu gewinnen. Am Sonntag, 25. September, um 19.30 Uhr tritt der weltberühmte Knabenchor im Dom auf. Er besteht aus 20 Jungen, die sowohl Sopran wie auch Alt singen, und bis zu zehn professionellen Sängern in Tenor und Bass. Der Chor hat einen derart herausragenden Ruf, dass es sich die Stadt nicht  nehmen lässt, ihn einen Tag später im Rathaus zu empfangen.

Mehrere Aushängeschilder

Der Westminster Cathedral Choir ist aber nicht das einzige Aushängeschild des Festivals. Voces8 gilt als „der Rolls Royce unter den britischen A-cappella-Ensembles“ und tritt beileibe nicht überall auf. Damit die Zuhörer näher an den Sängerinnen und Sängern dran sind, findet ihr Konzert am Sonntag, 18. September, um 19.30 Uhr in der Marktkirche statt. Das Ensemble zeichne eine „einzigartige Mischung aus absolut perfektem Klang, einem spannenden Programm und überwältigender Bühnenpräsenz “ aus, schwärmt Berning. Voces8 hält zudem einen Workshop für die Schülerinnen und Schüler der Michaels-Schulen und für die Sängerinnen und Sänger der Chöre am Paderborner Dom ab.

Eröffnet wird das Festival, das  im dreijährigen Turnus Freunde der geistlichen Musik weit über Paderborn hinaus begeistern soll, am Freitag, 9. September, mit feierlichen Worten in der Kaiserpfalz und anschließend um 19.30 Uhr mit Arthur Honeggers Oratorium „König David“ im Dom. Berning, der dirigieren wird, ist sich sicher: „Da wird niemand nicht begeistert aus dem Konzert herausgehen.“

Es geht um Wendepunkte

Das Stück steht stellvertretend für das Leitthema des Festivals, denn darin geht es um Wendepunkte. So wie im Leben des David, der sich vom Hirten zum Herrscher entwickelte. „Wende ist ein Wort, das wieder in aller Munde ist, aber während es bei Helmut Kohl positiv besetzt war, meint es heute etwas Negatives“, zieht Berning einen Vergleich zwischen der Wende zur deutschen Einheit 1989/1990 und der vermeintlichen Wende zu schlechten Zeiten durch den Ukraine-Krieg in der Gegenwart.

Der Wendepunkt schlechthin im Leben eines Menschen ist der Tod. Und deshalb bildet Verdis „Messa da Requiem“ am Freitag, 30. September, um 19.30 Uhr nicht ohne Grund den Schlusspunkt des Festivals. Die Zuhörer dürfen sich auf ein Konzert der Superlative freuen. „Es wird das größte Orchester sein, das wir jemals im Dom hatten“, kündigt Berning an.  Zu den etwa 70 Musikern werden 100 Chormitglieder hinzukommen. Um sie alle unterzubekommen, werden einige vordere Bänke  weggenommen und ein stabiles Podest gebaut. Musizieren wird wieder die Nordwestdeutsche Philharmonie als musikalischer Partner des Festivals.

Der WDR-Rundfunkchor wird in Paderborn seinen 75. Geburtstag feiern, und das Konzert am Freitag, 23. September, um 19.30 Uhr in der Marktkirche, unter anderem mit Arnold Schönbergs „Friede auf Erden“,  wird für das Radioprogramm aufgezeichnet. Garantiert ungewöhnlich wird „Lux Aeterna“, das multimediale Konzert am Freitag, 16. September, um 20.30 Uhr im Dom. Bei dem faszinierenden Miteinander von Klängen und Licht  improvisiert Dominik Susteck an der Orgel, und Kurt Laurenz Theinert spielt dazu sein „Visual Piano“.

Eingebettet ins „IMAD-Festival“, das mit seinem Namen auch an einen der ersten Paderborner Bischöfe erinnert, wird am Samstag, 17. September, die „Lange Nacht der Kirchen“. Sie findet in Zusammenarbeit mit der Werbegemeinschaft Paderborn statt und bietet zwischen 19 und 23 Uhr eine Fülle an kurzen Konzerten unter anderem auch in der Bartholomäuskapelle und Kapuzinerkirche.

Benefizkonzert für die Ukraine

Unter dem Eindruck des tausendfachen Tötens in der Ukraine steht das Benefizkonzert für das geschundene Land am Mittwoch, 21. September, um 19.30 Uhr im Dom. Dessen Organist Tobias Aehlig und der Schauspieler Wolfgang Kühnhold führen Petr Ebens musikalische Umsetzung der biblischen Geschichte vom glaubensfesten Hiob  auf. Der Eintritt ist frei, wer eine Spende gibt,  unterstützt damit die Ukraine-Hilfe der Caritas.

Bevor so ein großes Festival beginnen kann, ist viel zu tun. Transfer und Hotelübernachtungen, Catering, Verträge und Werbung, Licht und Podeste: All das gilt es im Organisationsteam mit Kirsten Geisen, Heike Haase, Walter Brinkmann und Kalle Noltenhans zu regeln. Plakate und Flyer werden in allen 620 Kommunen im Erzbistum Paderborn auf das hochkarätige Musikfestival hinweisen. Noch sei im Vorverkauf eine gewisse Zurückhaltung spürbar, sagt Thomas Berning, der hofft, „dass die Leute merken, dass sie da hin müssen“. Es werde ein „First-Class-Programm“ geboten und das  mit einem zeitlichen Puffer vor der für den Herbst befürchteten nächsten Corona-Welle.

Karten gibt es online unter dommusik.ticket.io und beim Paderborner Ticketcenter am Marienplatz.

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