1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Paderborn
  6. >
  7. Jazzclub Paderborn packt die Zukunft an

  8. >

Kooperation mit Red Horn District – Zahl der Mitglieder deutlich gestiegen

Jazzclub Paderborn packt die Zukunft an

Paderborn

Der Jazzclub Paderborn arbeitet künftig mit dem Musikklub Red Horn District in Horn-Bad Meinberg zusammen. „Wir wollen gemeinsam Bands buchen und sie an einem Wochenende bei ihnen und bei uns auftreten lassen“, kündigt Rainer Schallenberg an.

Von Dietmar Kemper

Rainer Schallenberg (links) und Benny Düring wollen den Jazzclub Paderborn musikalisch und organisatorisch weiterentwickeln und versprechen den Musikfreunden hochkarätige Konzerte. Foto: Dietmar Kemper

Der Vorsitzende des Jazzclubs und sein Stellvertreter Benny Düring hatten am Montag viel zu erzählen. Statt Mitglieder während der Corona-Pandemie zu verlieren, hat der Jazzclub eine ganze Reihe hinzugewonnen. Dabei habe sich der Umzug ins Deelenhaus als Glücksgriff herausgestellt, berichtet Schallenberg: „Seitdem wir seit Anfang des Jahres im Deelenhaus sind, habe wir mehr als 40 neue Mitglieder gewonnen. Ich kenne keinen Club, der eine so gute Akustik hat. Was wir jetzt haben, ist perfekt.“

Zahl der Mitglieder auf über 200 gestiegen

Nachdem die Zahl der Mitglieder jahrzehntelang zwischen 120 und 140 geschwankt habe, sei sie in kurzer Zeit auf 207 gestiegen. Schallenberg und Düring führen dies nicht nur auf das Deelenhaus, sondern auch auf Durchhaltewillen und erfolgreiche Appelle zurück: „Wir haben auch während Corona die Konzerte durchgezogen und zwischen 800 und 1200 Euro draufgelegt. Die Konzerte  haben wir mit dem Appell verbunden: Ihr müsst Mitglieder werden, sonst können wir das nicht durchhalten. “

Ob der Jazzclub jemals wieder in die Kulturwerkstatt zurückkehrt, ist offen. Das Ausweichquartier am Heinz-Nixdorf-Ring sei jedenfalls nicht infrage gekommen, so die Vorstandsmitglieder. Wegen des Callcenters einer Krankenkasse hätte man erst ab 22 Uhr Musik machen können und das sei inakzeptabel. Und mit 120 Zuhörern im Deelenhaus stehe man nicht schlechter da als in der Cafeteria.

Der Jazzclub Paderborn  mit Benny Düring, Rainer Schallenberg und Martin Kluckhohn (rechts) macht gemeinsame Sache mit dem Red Horn District in Horn-Bad Meinberg mit den Vorstandsmitgliedern Elke Kottmann und Bernd Frey (Zweiter von rechts).  Foto: Jazzclub Paderborn

Funkiger, bluesiger und rockiger

Musikalisch will der Jazzclub die Bandbreite erweitern, funkiger und bluesiger werden. Und die Zusammenarbeit mit dem rockiger ausgerichteten Red Horn District in Horn-Bad Meinberg, das als 200. Mitglied aufgenommen wurde, soll sich ebenfalls in den Konzerten widerspiegeln. Mit der Kooperation verbunden ist die Hoffnung, ein jüngeres Publikum anzuziehen.  Der  Jazzclub mit Besuchern ab 50 hat in den vergangenen 40 Jahren Hunderte Konzerte organisiert.  Der Gitarrist Toto Blanke hatte 1982 die Initiative ergriffen, der Lektor des Schöningh-Verlags Michael Werner prägte den Jazzclub als Vorsitzender bis vor vier Jahren.

Mit einem Trick machte der noch junge Verein Musiker und Bands auf sich aufmerksam, wie Benny Düring erzählt: „Wenn Bands auf der Durchreise waren, haben wir ihnen vorgeschlagen: Macht doch donnerstags bei uns einen Clubauftritt. Wir besorgen euch ein Hotel.“ Mit der Zeit wurde das Netz der Kontakte immer dichter, und es gelang, die Hochkaräter der Jazz-Welt nach Paderborn zu holen.  Till Brönner griff hier genauso zur Trompete wie Nils Wogram zur Posaune, Pete Allen zur Klarinette oder Ed Thigpen zu den Schlagstöcken. Inzwischen erreichen den Jazzclub statistisch jeden Tag zehn Bewerbungen von Musikern und Bands aus aller Welt.

Vorm Konzert noch schnell die Trompete repariert

Manchmal geschahen bei und vor den Konzerten kuriose Dinge. Vor seinem Auftritt ließ der Trompeter von Count Basie sein Instrument fallen, erinnert sich Rainer Schallenberg: „Das erste Ventil ging nicht mehr, da habe ich mir die Trompete geschnappt und sie repariert. Das Konzert ging erst eine Stunde später los als geplant.“

Nach Zwischenstationen im „Treibhaus“ oder der „Klarinette“ war die „Kulte“ an der Bahnhofstraße die musikalische Heimat des Jazzclubs. Hinzu kam im Januar die „Jazz- und Bluesparty“ in der Paderhalle. Diese Tradition soll nach der Corona-Zwangspause 2024 wieder aufgenommen werden. Im Deelenhaus soll es 2023 bis zu 18 Konzerte geben. Das erste am Freitag, 13. Januar, um 19.30 Uhr mit dem Fabrice Tarel Trio.

Neues Logo

Mehr Informationen zu den Musikern gibt es auf der neu gestalteten Website des Jazzclubs Paderborn, der sich zudem ein neues Logo gegeben hat. „Wir versuchen, uns komplett neu aufzustellen, und drehen dabei an allen Knöppen“, betont Rainer Schallenberg. Ihn ärgert, dass viele immer noch nicht wüssten, dass es in Paderborn einen Jazzclub gibt. Das will das neue Team mit ihm, Benny Düring, Volker Kukulenz, Martin Kluckhohn und Peter Maul ändern und dabei aus den Erfahrungen aus 40 Jahren lernen. Benny Düring: „Wer keine Vergangenheit hat, hat auch keine Zukunft.“

Startseite
ANZEIGE