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Entertainer nutzt den Nachholtermin für eine Abrechnung

Jürgen von der Lippe hält durch

Paderborn (WB). Diesmal lief alles glatt. Jürgen von der Lippe kam nach der Pause wieder – anders als im November 2018, als er beim zweiten Auftritt wegen eines Magen-Darm-Virus passen musste.

Dietmar Kemper

»Und ‘nen Bauch hab ich auch«, heißt ein Lied von Jürgen von der Lippe. Ob die Kilos wohl vom Alkohol stammen? Welche Folgen Bier und Rotwein haben können, legte der Entertainer dem Publikum augenzwinkernd dar. Foto: Dietmar Kemper

»So sieht man sich wieder«, begrüßte der 70-Jährige am Dienstagabend sein Publikum in der diesmal nicht vollbesetzten Paderhalle. Schon am ersten Abend damals im November sei er krank gewesen, aber er habe durchgehalten, erzählte er. Von der Presse hätte er sich eine Schlagzeile wie »Knallharter Greis bringt trotz Virus die Halle zum Beben« gewünscht, aber es kam anders.

Gar nicht altersmilde

Knapp 20 Minuten lang knöpfte sich der offenbar gar nicht altersmilde Entertainer den Journalisten der anderen Paderborner Tageszeitung vor, der eine vernichtende Kritik geschrieben hatte. Jürgen von der Lippe, bekanntlich ein Virtuose der deutschen Sprache, sezierte genüsslich sprachliche Unebenheiten und Grammatikfehler (»Es heißt die Klientel, Klientel ist weiblich«) und beendete seinen Rachefeldzug mit der Empfehlung, ein solcher Journalist sollte nicht einmal ein Stoppschild beschriften dürfen. Dass er »nicht nachtragend« sei, wird ihm wohl anschließend nicht jeder abgenommen haben.

Wie versprochen, spielte der Komiker und Sänger mit dem Hawaii-Hemd als Markenzeichen nicht noch einmal dieselbe Hälfte des Programms, nach der er damals abbrechen musste. Stattdessen las er skurrile Geschichten aus seinen Büchern wie »Beim Dehnen singe ich Balladen« und »Der König der Tiere« vor.

Wer diese Bücher besitzt, erfuhr also nichts Neues, erlebte aber den Meister höchstpersönlich. Und eine Geschichte erzählen kann der wie kaum ein Zweiter! Betont wird immer an der richtigen Stelle, Dialekte bringen zusätzlich Farbe rein.

Von der Lippe beherrscht die Improvisation

Im zweiten Teil ging Jürgen von der Lippe dann zur Tagesordnung über, sprich zum zweiten Teil seines Programms »Voll Fett«. Darin unterstreicht er sein Improvisationstalent. Aus dem Publikum ließ sich der Entertainer aus Bad Salzuflen Buchstaben und Zahlen zurufen, die er in Witzen verarbeitete. Beispiel C: »Reiner Calli Calmund hatte Geburtstag. Er hat die ganze Torte gefressen, seitdem wird die Stripperin vermisst, die dran saß.«

Von der Lippe zeigte auf einer Leinwand skurrile Kinderfotos, stimmte Trinklieder (»Ob Sonne oder Frost: Prost, Prost, Prost«) und seine Hits wie »Guten Morgen, liebe Sorgen« an.

Die patente Patentante

Wortspiele liebt er besonders, wie das von der patenten Patentante mit ihren Patententen. Was von der Lippe ebenfalls mag, sind Witze unter der Gürtellinie. Minutenlang ließ er sich über die Gefahren für Männer aus, die nackt grillen. Das kann man lustig finden, muss es aber nicht. Von der Lippe übertrieb es bei den zotigen Anspielungen und erweckte den Anschein eines lüsternen Alten.

Aber schlüpfrige Witze verkaufen sich eben, und verkaufen wollte der Spaßmacher am Dienstagabend auch seine Bücher. Die eignen sich angeblich selbst für hinterhältige Zwecke, zum Beispiel dafür, dass sich die Erbtante totlacht. Das Publikum verließ die Paderhalle nach einem vergnüglichen Abend lebendig.

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