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Stadt verbietet jegliche Treffen und kündigt strenge Kontrollen bis Samstag an

Karfreitag: Autotuning-Szene wird in Paderborn ausgebremst

Paderborn

Wie die Stadt Paderborn am Dienstag mitteilte, erlässt sie von Karfreitag, 15. April, 0 Uhr, bis Samstag, 16. April, 6 Uhr, eine Allgemeinverfügung, die jegliche Treffen der Autotuning-Szene verbietet. In dieser Zeit seien im gesamten Stadtgebiet keine Zusammenkünfte, egal ob mit oder ohne Fahrvorführungen, erlaubt. Dies gelte sowohl auf öffentlichen als auch privaten Flächen.

Szenen wie diese soll es an diesem Karfreitag in Paderborn nicht geben. Foto: Jörn Hannemann/Archiv

Sowohl die Stadt Paderborn als auch die Kreispolizeibehörde sprechen sich deutlich gegen die Treffen der Tuningszene und der Schaulustigen aus. Mitarbeiter der Stadt und die Polizei kontrollieren, ob die Verbote, vor allem auf den üblichen Plätzen (unter anderem Detmolder Straße, Parkplatz Pohlweg), eingehalten werden. Rechtsgrundlage für die Verfügung am Karfreitag ist das Feiertagsgesetz NRW, das unter anderem das außerordentliche Schutzbedürfnis dieses Tages herausstellt.

Vor 2017, als zum ersten Mal eine solche Allgemeinverfügung erlassen wurde, war der Karfreitag von mehreren tausend Teilnehmern der Tuningszene genutzt worden, um sich in Paderborn zu treffen. Neben dem Treffen und der Zurschaustellung von individualisierten Fahrzeugen kam es immer wieder zu massiven Verkehrsstörungen durch Einzelne, die mit gefährlichen Fahrmanövern und extremen Ruhestörungen durch laute Motorengeräusche, quietschenden Reifen und mitunter stundenlangem Hin- und Herfahren im Stadtgebiet auffielen. Hinzu kommt die gesteigerte Gefahr, dass Zuschauer oder unbeteiligte Dritte bei Unfällen schwer verletzt werden und die Treffen für illegale Rennen genutzt werden. Beim sogenannten „Seasons End“ Anfang Oktober 2017 verunglückte ein junger Mann beim Beschleunigen und Driften. Er prallte auf dem Südring gegen eine Ampel und zog sich Verletzungen zu.

2021 wurden aufgrund der Allgemeinverfügung am Karfreitag nur einzelne getunte Kraftfahrzeuge festgestellt und eine kleinere Ansammlung durch die Polizei aufgelöst. Allerdings waren in dem Jahr wiederholt Sondereinsätze der Polizei durchgeführt worden, bei denen Maßnahmen gegen die Autotuning- und Raserszene ergriffen wurden.

Die Treffen mit der Bezeichnung „Car-Freitag“, für die vor allem über die sozialen Medien geworben wurde, sind als Veranstaltung im eigentlichen Sinne zu sehen, auch wenn es keine verantwortlichen Veranstalter oder Organisatoren gibt. Sich daraus ergebene Pflichten (Erlaubnisse für die Sondernutzung von Straßen und Plätzen, sonstige Absprachen mit Stadt und Polizei, Sicherheitsbelange, Umweltschutz etc.) wurden nach Angaben der Stadt nicht wahrgenommen.

Sollte sich die Tuningszene trotz des Verbots in Paderborn treffen, müsse damit gerechnet werden, dass die Identität festgestellt, Platzverweise erteilt und Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten erstattet werden. Wenn den Platzverweisen nicht nachgekommen wird oder Fahrzeugführer trotz entsprechender Ansprache der Ordnungshüter wiederholt angetroffen werden, werde das Fahrzeug sichergestellt. Bei der Nichtbeachtung der Absperrungen von Privatgelände können Strafverfahren wegen Hausfriedensbruch eingeleitet werden. Darüber hinaus kündigt die Polizei ein konsequentes Einschreiten bei allen Verkehrsverstößen an.

Die Stadt und die Kreispolizeibehörde betonen, dass mit den Maßnahmen keine „Kriminalisierung“ der Szene erfolgen soll, sondern der Schutz von Anwohnern und die Einhaltung der Rechtsvorschriften im Vordergrund stünden. Es gelte der Appell, erst gar nicht nach Paderborn anzureisen.

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