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Neue Spur 38 Jahre nach dem Verschwinden eines Kleinkinds in Paderborn

Katrice Lee: Verdächtiger wieder frei

Paderborn (WB). Fast 38 Jahre nach dem Verschwinden der kleinen Katrice Lee (2) in Paderborn haben Polizisten am Montag in Großbritannien einen Verdächtigen (74) festgenommen. Am Mittwoch wurde der Mann wieder freigelassen.

Christian Althoff

In Swindon im Süden Englands durchsuchen Polizisten seit Tagen das Haus und das Grundstück eines früheren Soldaten (74). Foto: Daniel Webb

Es soll einen konkreten Hinweis auf den Rentner aus Swindon im Süden Großbritanniens gegeben haben, der am Montag zu der Festnahme geführt hatte.  Details nannte die britische Militärpolizei nicht. Der Mann ist ein ehemaliger britischer Soldat.

Während in Deutschland Verdächtige oft über Monate in Untersuchungshaft sitzen, erlaubt das britische Recht nur 24 Stunden, beim Verdacht schwerer Verbrechen bis zu 96 Stunden. Danach muss Anklage erhoben oder der Verdächtige freigelassen werden. Letzteres geschah gestern Mittag.  Der Mann soll aber nicht in sein Haus zurückgekehrt sein, das weiter durchsucht wurde.

Am zweiten Geburtstag verschwunden

Katrice, die Tochter eines in Paderborn stationierten britischen Soldaten, war am 28. November 1981, ihrem zweiten Geburtstag, während eines Einkaufs mit ihrer Mutter im rappelvollen britischen Armee-Supermarkt in Paderborn verschwunden. Ertrank das Mädchen in der nahen hochwasserführenden Lippe? Oder wurde es entführt?

Von Letzterem ist der heute 69 Jahre alte Vater Richard Lee überzeugt. Der Mann, der in Hartlepool lebt, kritisiert die Militärpolizei dafür, dass sie damals ein Ertrinken angenommen und wichtige Zeugenhinweise nicht an die Paderborner Kripo weitergegeben hatte. Diese Pannen hatte das britische Militär Jahrzehnte später selbst aufgedeckt und veröffentlicht. So hatte ein Zeuge 1981 gesagt, ein Mann habe am fraglichen Tag auf dem Supermarktparkplatz ein kleines Mädchen zu einen grünen Wagen getragen.  Das Phantombild des Unbekannten hatte die Militärpolizei damals aber nicht veröffentlicht.

Akten mehrfach von neuen Ermittlern gelesen

Der Fall Katrice Lee ist in Großbritannien längst ein Politikum, und die Militärpolizei versucht seit Jahren auf Anordnung der Regierung offenbar alles, um das Schicksal des Mädchens zu klären. Alle Akten wurden mehrfach von neuen Ermittlern gelesen, wobei sich neue Ansatzpunkte ergaben. So gruben Soldaten im vergangenen Jahr mehrere Wochen in Paderborn am Ufer der Alme, weil ein Zeuge 1981 am Tag nach dem Verschwinden des Mädchens hier einen grünen Wagen gesehen hatte, die Spur aber nicht verfolgt worden war. 101 frühere Halter grüner Autos wurden 2018 überprüft, doch ebenso wie die Grabung erbrachte das keine neue Spur. Und jetzt die Nachricht von der Festnahme in Swindon. Polizisten informierten den Vater von Katrice, bevor sie den Verdächtigen am Montag festnahmen.

Während der 74-Jährige von Militärpolizisten vernommen wurde (über seine Aussage wurde nichts bekannt), durchsuchten andere Polizisten sein Reihenhaus und das Grundstück. Sie schraubten eine hölzerne Terrasse auseinander, sie suchten mit einem Bodenradar nach Auffälligkeiten, und sie gruben lange im Garten. »Diese Arbeiten werden trotz der Freilassung des Mannes fortgesetzt«, sagte gestern ein Polizeisprecher. Die Familie Lee werde man auch weiterhin über den Stand der Ermittlungen informieren, versprach er.

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