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Lernmotivation in der Sekundarstufe I lässt zunehmend nach

Kaum noch Plätze für ukrainische Schüler in Paderborn

Paderborn

Langsam wird es eng. An den weiterführenden Schulen in Paderborn gibt es nur noch 38 freie Plätze für ukrainische Schülerinnen und Schüler. Der Schulrat der Kreisverwaltung, Klaus Leweke, sagte am Donnerstag in der Sitzung des Schulausschusses der Stadt Paderborn: „Wir müssen dringend über neue Räume nachdenken, es ist schon jetzt heikel, Plätze zu finden.“

Von Dietmar Kemper

Aus der Ukraine geflüchtete  Schüler sind für Schulen, Lehrer und Mitschüler eine Herausforderung. Sprachprobleme und Traumata erschweren die Integration.  Foto: Thomas F. Starke

Leweke und Guido Kemmer vom Kommunalen Integrationszentrum des Kreises schilderten den Ausschussmitgliedern den aktuellen Stand. Demnach sind vom 1. März bis 3. November 1225 schulpflichtige Kinder in den Kreis Paderborn gekommen, 95 Prozent von ihnen aus der Ukraine.

Für die 38 freien Plätze an weiterführenden Schulen gilt: Zehn entfallen auf die Jahrgangsstufen 5 und 6, bei den Jahrgangsstufen 7 und 8 sind es 19, bei den Jahrgangsstufen 9 und 10 sind es neun. Für die Beschulung von Analphabeten in der Hauptschule Mastbruch und im Bonifatius-Förderzentrum stehen noch zwölf Plätze zur Verfügung.

278 Schülerinnen und Schüler zugewiesen

Seit März wies das Schulamt des Kreises Paderborn den weiterführenden Schulen der Stadt Paderborn 278 zumeist ukrainische Schülerinnen und Schüler zu, vier von ihnen nahmen das private Gymnasium St. Michael und die dortige Realschule freiwillig auf. Das Bonifatius-Zentrum (Hauptschule Mastbruch) übernahm mit 112 Schülerinnen und Schülern mit Abstand die meisten Kinder, wobei unter ihnen auch andere Nationalitäten vertreten sind.  Bei den Schulen, die nur ukrainische Kinder integrierten, ragen zahlenmäßig die Gesamtschulen Friedrich-Spee (29) und Elsen (20) heraus. An die Realschule in der Südstadt kamen 18 Kinder, ans Gymnasium Theodorianum 16.

Ukrainische Flüchtlinge in Paderborn

Während Eltern kleine Kinder direkt in den Grundschulen anmelden, führt das Schulamt des Kreises mit Schülerinnen und Schülern, die in der Sekundarstufe II schulpflichtig sind, Gespräche und weist sie den Kommunen zu. Für die Stadt Paderborn gilt dies auch für den Bereich Sek I. In der Domstadt verteilen sich die neu zugewanderten Schülerinnen und Schüler so: Auf die Primarstufe entfallen 220, auf Sek I 280 und auf Sek II 165. Macht zusammen 665.

Bislang konnten alle ukrainischen Kinder und Jugendlichen untergebracht werden. Das ist nicht überall in OWL so.  „Wir haben die herausragende Situation, dass wir keine Warteliste haben“, sagte Guido Kemmer. Der vom Land abgeordnete Lehrer arbeitet im Kommunalen Integrationszentrum und ist  Fachberater für Integration des Kreises Paderborn.

„Teilweise eine Verweigerungshaltung“

Dass es auch Probleme gibt, verschwieg Kemmer nicht. In der Sekundarstufe I zeigten Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine vermehrt kaum noch Motivation zum Lernen und nähmen „teilweise eine Verweigerungshaltung“ ein.  Kemmer und Leweke erklären sich dies nicht nur mit Sprachproblemen und Traumata infolge des russischen Einmarsches, sondern auch mit dem enormen Druck, unter dem die Heranwachsenden stünden. So werde in der Heimat erwartet, dass die nach Deutschland geflüchteten Jungen und Mädchen weiter am ukrainischen Online-Unterricht teilnehmen. Gleichzeitig müssten sie aber in Paderborn zur Schule gehen.

Apropos Druck: Kemmer und Leweke stellten fest, dass viele  Familien während der Sommerferien in der Ukraine in ihre Heimat fuhren, um zu sehen, ob die Häuser noch stehen und die Verwandten noch leben.

Internationale Förderklassen an Berufskollegs voll

Dass es bei den freien Plätzen langsam eng wird, zeigt auch der Blick auf die Berufskollegs in Paderborn. Stand Mitte November gab es für die Flüchtlinge aus der Ukraine in den internationalen Förderklassen nur noch  einen einzigen, für Jugendliche aus anderen Ländern noch elf. Das Fazit der beiden Experten lautete: Die Schulen werden immer voller, der Krankenstand der Lehrkräfte ist hoch, eine wohnortnahe Zuordnung der Kinder wird zunehmend schwierig und in der Sek I gibt es an Gymnasien zu wenige Plätze für ambitionierte Schülerinnen und Schüler.

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