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Produktion in der Paderborner Kerzenfabrik Jaspers läuft auf Hochtouren

Kerzen wie aus einem Guss

Paderborn

Kerzen sorgen für Romantik und heimelige Atmosphäre und dürfen gerade zur Weihnachtszeit nicht fehlen. Im Coronajahr 2020 sei der Verbrauch in den Privathaushalten erheblich gestiegen, heißt es in der Branche.

Ingo Schmitz

Diese Paradiesäpfel sind in Wirklichkeit Kugelkerzen aus der Produktion bei Jaspers. Foto: Dietmar Flach PHOMAX

Egal ob Teelicht, handwerkliche Bienenwachskerze oder 15 Kilogramm schwere Altarkerze: Die Kerzenfabrik Jaspers in Paderborn deckt all diese Bereiche ab. Derzeit herrscht naturgemäß Hochkonjunktur.

Vor 100 Jahren ist das Unternehmen nach Paderborn gekommen – des Erzbistums wegen, wie der heutige Geschäftsführer Thomas Jaspers auf Anfrage berichtet. Besonders stark sei traditionell der Kirchenkerzen-Bereich gewesen, später kam der Großhandel dazu. Inzwischen hat das Unternehmen kaum noch Mitbewerber, die im eigenen Land produzieren. Viele Fabriken seien nach Polen oder noch weiter abgewandert, um Energie- und Personalkosten zu sparen. Von 120.000 Tonnen Parafin, die 2015 in Deutschland verarbeitet wurden, gingen allein 20.000 Tonnen auf das Unternehmen Jaspers, sagt der Unternehmer, der 130 Mitarbeiter beschäftigt.

Grablichte, Teelichte, Kugelkerzen, Weihnachtsbaumkerzen, durchgefärbte Haushaltskerzen, mit Wachs gefüllte Gläser mit Düften sowie rustikale Kerzen gehören zum Sortiment. Die Produkte aus Paderborn seien in vielen Supermärkten, Drogerien und Discountern zu finden. Außerdem bezeichnet sich Jaspers als größter Opferlichtproduzent. „Wir richten uns komplett nach den Kundenwünschen, was Dochtlänge und Brenndauer anbelangt“, sagt der Unternehmer, der die Argumente um Kerzenruss an den Kirchenwänden in- und auswendig kennt. „Das was man auf den Kirchenwänden sieht, ist kein Kerzenruss, sondern Feinstaub, der draußen durch die Umluftheizungen angesaugt und erwärmt wird und sich dann an den Innenwänden abschlägt“, sagt er. So lange hochwertige Rohstoffe verwendet und die Brennhinweise befolgt würden, laufe der Brennprozess sauber ab.

Konkret heißt das: In den Brennkelch der Kerze dürfen keine Streichhölzer oder andere Dinge gesteckt werden. Falls der Docht zu lang wird, muss er gekürzt werden und der Kerzenrand darf nicht eingedrückt sondern muss abgeschnitten werden, fasst Jaspers die wichtigsten Pflegehinweise zusammen.

Der Betrieb sei sehr stark automatisiert, erzählt der Geschäftsführer. Drei Anlagen stellen pro Tag 5 Millionen Teelichte mit Brenndauern zwischen vier und acht Stunden her. Und dennoch gehe es auch um Handwerkskunst, zum Beispiel im Bereich der Bienenwachskerzen. Während der Bienenwachs aus Südamerika stamme, werden die 20.000 Tonnen Parafin weltweit bezogen. Dabei lege man größten Wert auf eine gleichbleibend hohe Rohstoffqualität.

Auch Altar- und Osterkerzen werden in Paderborn hergestellt. Täglich laufen 5 Millionen Teelichte vom Band. Foto: Dietmar Flach/PHOMAX

Und woran erkennt man nun eine gute Kerze? „Wenn unser Name darauf steht“, sagt Thomas Jaspers selbstbewusst und lacht. Grundsätzlich seien handgezogene Kerzen die besten, aber auch gegossene Kerzen stünden dem nicht viel nach. Entscheidend sei stets der Rohstoff.

Übrigens: Gefährlich seien Kerzen nur dann, wenn man die Brennanleitung nicht befolge. So lange sich nichts brennbares im Umfeld befinde, die Kerze auf einer nicht brennbaren Fläche stehe, könne nichts passieren. Auch der Hersteller tue viel, um Gefahren zu reduzieren. So erwarb Jaspers das Patent für die sich selbst verlöschende Kerze. Erreicht wird der Effekt durch ein Aluplättchen, das in den Boden der Kerze gegossen wird und dafür sorgt, dass der Docht rechtzeitig erlischt. Und was leuchtet bei Jaspers am privaten Weihnachtsbaum? Natürlich echte Kerzen!

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