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Auto- und Motorradhäuser in Paderborn wollen den Lockdown hinter sich lassen und wieder Kunden bedienen

Kfz-Handel: „Öffnen unter Auflagen“

Paderborn

Neben dem stationären Einzelhandel fordert auch die Automobilbranche schnellst mögliche Lockerungen im andauernden Lockdown. Die Auto- und Motorradhäuser wollen möglichst sofort wieder die Showrooms öffnen dürfen – zumindest für Kunden, die mit Termin zur Kaufberatung kommen.

Ingo Schmitz

Riesige Flächen, keine Kunden: So sieht es derzeit in den Showrooms im Kreis Paderborn aus. Hier Produktexperte Alexander Kerger bei Rosier. Foto: Jörn Hannemann

„Wir Autohändler haben aus Solidarität zum übrigen Einzelhandel die Schließungen bislang mit Würde mitgetragen. Und ich gönne wirklich jedem sein Geschäft. Es ist aber nicht einzusehen, dass in den Gartenmärkten die Kunden in langen Schlangen stehen und die Textilgeschäfte und Autohäuser weiter geschlossen bleiben sollen“, sagte am Dienstag Ulrich Hofmann, Geschäftsführer der Paderborner Thiel-Gruppe, auf WV-Anfrage.

Einbußen von 60 bis 70 Prozent

Nach Angaben der Kfz-Innung Paderborn und Höxter werde es derzeit immer schwieriger, Kaufverträge zu generieren. Stephan Peters, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe, sowie Innungsobermeister Karsten Schmidt sprechen von Einbußen bei privaten Autoverkäufen in einer Größenordnung von 60 bis 70 Prozent. Hofmann bestätigt: „Die Zahlen passen in etwa. Hinzu kommt, dass die Margen im Automobilbereich niedrig sind und parallel auch die Werkstätten weniger zu tun haben, weil weniger gefahren wird.“

„Autokauf hat mit ansehen, anfassen, riechen, ausprobieren zu tun. Das alles ist derzeit kaum möglich“, meinen die Händler im Kreis Paderborn. Dabei seien die meisten Showrooms groß genug, um dort einzelne Kunden zu beraten, sagt Ulrich Kemper, Verkaufsleiter im Autohaus Rosier in Paderborn. Er setzt sich – wie auch der Einzelhandel – für ein Terminvergabesystem ein, um Kundenströme gezielt zu lenken. „Das könnte die Not der Händler lindern“, meint er.

Saisonware Cabrio

Das Frühjahrsgeschäft sei im Autosektor sehr ernst zu nehmen. Wie beim Textilhandel gibt es eben auch bei Kfz-Händlern „Saisonware“. Kemper: „Jetzt scheint die Sonne, wir haben bald Ostern. Wer noch in diesem Jahr in der warmen Jahreszeit ein Cabrio fahren möchte, muss jetzt bestellen“, verweist er darauf, dass Autos auch Lieferzeiten von zwei Monaten und mehr haben können. Anders als vor Corona sei es zudem nicht mehr möglich, Autos „mal eben“ zuzulassen, weil sich auch die Straßenverkehrsämter anders aufgestellt hätten. Das alles bremse die Branche aus, meint er.

Aktuell liefern Rosier und Thiel Autos aus, die im dritten und vierten Quartal 2020 bestellt worden sind. Der in der zweiten Jahreshälfte um drei Prozent verminderte Umsatzsteuersatz habe dazu beigetragen, dass das Jahr 2020 am Ende gut verlaufen sei. Und auch jetzt zeige sich in der Kundschaft, so berichten Kemper und Hofmann unisono, dass die Kaufbereitschaft groß sei. „Es gibt Nachholbedarf“, meint Kemper. Und Hofmann weiß, dass viele Leute sich belohnen wollen für die Entbehrungen der vergangenen Monate. Viele hätten bereits jetzt ihren Jahresurlaub abgeschrieben und würden sich stattdessen für ein neues Auto interessieren.

Wichtig sei aber, so Rosier-Verkaufsleiter Kemper, dass auch der übrige Einzelhandel wieder öffnen dürfe. „Geht es der Wirtschaft und den Unternehmen gut, profitieren alle davon“, glaubt er. Ulrich Hofmann meint, dass es problemlos möglich sei, unter den bereits eingeübten Hygienevorschriften wieder durchzustarten.

Stephan Peters

„Der Autohandel ist kein Corona-Hotspot. In der vergangenen Woche hat der Verband dem Bundeswirtschaftsminister einen Konzept­plan unterbreitet, wie der Handel unter Heranziehen von Inzidenzwerten und in Kombination mit einer konkreten Gefährdungsbeurteilung schrittweise wieder geöffnet werden kann“, erläutert Stephan Peters von der KH. „Werden solche Kriterien zugrunde gelegt, zählen die Autohäuser zu den ersten Kandidaten für eine Wiedereröffnung der Verkaufstätigkeit, da von ihnen so gut wie keine Infektionsgefahr ausgeht“, meint Peters.

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