1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Paderborn
  6. >
  7. Kinder erobern in Paderborn die Bühne

  8. >

Thema Demokratie: Jott bietet erstmals ein Theatercamp für 110 Schüler an

Kinder erobern in Paderborn die Bühne

Paderborn

Was ist eigentlich Demokratie? Mit dieser Frage beschäftigen sich 110 Schüler im Alter zwischen zwölf und 16 Jahren im ersten Jott-Theatercamp.

Von Rajkumar Mukherjee

Eine besondere Premiere am Theater Paderborn: Die Jugendsparte bietet erstmals ein Theatercamp an. Foto: Oliver Schwabe

Noch bis Donnerstag nehmen sie am Angebot des Theaters Paderborn teil. Fünf Schulen, vom Gymnasium bis zur Förderschule, sind beteiligt.

Die sechs Workshops mit den Inhalten Schreiben, Puppentheater, Musik, Filmproduktion, Tanzen und Schauspiel haben am Montag begonnen. Bis zu 20 Schüler gehören jeweils einem Workshop an und bauen beispielsweise Puppen oder rappen zu eigenen Songs. Die Schüler besuchen jeweils das Bonifatius-Zen­trum für Spracherwerb und Integration, die Friedrich-Spee-Gesamtschule, die Heinz-Nixdorf-Gesamtschule, die Realschule in der Südstadt oder das Theodorianum. Das Theatercamp findet mit Mitteln der Stadt Paderborn statt, über das Schulträgerbudget und das Aktionsprogramm „Ankommen & Aufholen“ des Landes NRW.

Die Intention des Theatercamps beschreibt Organisatorin Ramona Wartelsteiner, die auch Dramaturgin im Jott ist: „Wir wollen die Kinder selbst Theater machen lassen.“ Mit Blick auf die vergangenen zwei Jahre Pandemie hätten „Angebote nur mit angezogener Handbremse“ stattfinden können. Den Organisatoren sei es auch wichtig gewesen, zum Oberbegriff Demokratie unterschiedliche Schulformen am Theatercamp zu beteiligen. „Wir wollen die Vielfalt darstellen“, sagt Wartelsteiner.

Zudem möchten die Theatermacher „außerschulische Lernorte“ etablieren, sagt Paulina Neukampf, künstlerische Leiterin im Jott.

Im Schauspiel-Workshop „Mein Stück Demokratie“ hat Antonia Jungwirth zunächst Grundlagen vermittelt. Die ausgebildete Schauspielerin spielt in der ARD-Telenovela „Rote Rosen“ mit. „Es geht darum, seine Stimme zu erheben, mit dem Körper anwesenden zu sein, den Raum für sich einzunehmen“, sagt Jungwirth. Das kostet einige Schüler Überwindung. „Man merkt, dass sie in dem Alter sind, in dem vieles peinlich ist, sie Schamgrenzen überwinden müssen“, sagt Jungwirth. Andererseits habe ein Schüler spontan einen fantasievollen Plot entwickelt: Ein Politiker will sein Wahlprogramm vorstellen, als jemand im Publikum „Lügner“ ruft. In der Vorstellung des Schülers wird der Rufer dann festgenommen.

Jott-Dramaturgin Ramona Wartelsteiner. Foto: Tobias Kreft

Dass einige Schüler der Förderschule auch Bauchgrimmen vor dem Theatercamp hatten, verdeutlicht Carsten Brandau. Er leitet den Workshop (Performatives) Schreiben. „Sie hatten Angst, Gymnasiasten würden über ihre Texte lachen. Das ist nicht passiert. Sie hören sich alle gegenseitig zu“, sagt Brandau.

Die Ergebnisse des Theatercamps zeigen Schüler in einer Werkschau an diesem Freitag, 13. Mai, von 11 bis 16 Uhr im Theater Paderborn. Der Eintritt ist frei.

Startseite
ANZEIGE