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Pianistin Litvinseva und NWD zeigen sich in Paderborn in Höchstform

Konzertabend der Superlativen

Paderborn (WB). Dieser Konzertabend dürfte vielen Musikfreunden unvergesslich bleiben. Was die Musiker der Nordwestdeutschen Philharmonie, Dirigent Jonathan Bloxham und Pianistin Ekaterina Litvinseva am Mittwochabend in der Paderborner Paderhalle an musikalischer Leistung aufbrachten, war über zwei Stunden eine geradezu atemberaubende Vorstellung.

Hermann Knaup

Die NWD bürgt für Qualität: Auch der durch Krankheit erzwungene Dirigentenwechsel hatte keinen Einfluss auf die einmal mehr überragende Leistung des Orchesters. Foto: Hermann Knaup

Neuer Dirigent am Pult

Der junge, international agierende, britische Dirigent Jonathan Bloxham war für den ursprünglich vorgesehenen und erkrankten Kollegen Christof Prick eingesprungen. Schnell spürte man, dass die „Chemie“ zwischen ihm, dem Orchester sowie der Solistin kongenial funktionierte. Bloxhams renommierter Dirigenten-Kollege Paavo Järvi äußerte anlässlich gemeinsamer Zeiten bei der Kammerphilharmonie Bremen über Bloxham: „Er hat Technik, angeborene Musikalität, ein natürliches Verhältnis zum Orchester und ein tiefes Wissen und Verständnis für das symphonische Repertoire.“

Dem kann man nach diesem Auftritt nur beipflichten! Die Programmzusammenstellung dieses Abends war durchdacht und umfasste zwei bedeutende Komponisten mit jeweils einem beachtlichen Werk für Klavier und Orchester sowie jeweils einer eindrucksvollen „Sinfonischen Dichtung“.

Für viele Besucher dürften die beiden Werke von César Franck zum „Aha-Erlebnis“ geworden sein. Seiner Sinfonischen Dichtung „Le chausseur maudit“ (1882) diente Gottfried August Bürgers Ballade „Der wilde Jäger“ als Vorlage. Das Schicksal jenes Jägers, der die einstmals gesellschaftlich etablierte „heilige Sonntagsruhe“ durch seine Jagdtätigkeit missachtete und verhöhnte und deswegen verflucht wurde, findet sich als poetisches Element in der farbigen Musik wieder. Bereits mit diesem Werk konnte das Orchester nachhaltig überzeugen.

Eine souveräne und sensible Solistin

Ekaterina Litvinseva übernahm anschließend den anspruchsvollen Solopart in Francks „Variations symphoniques“ für Klavier und Orchester (1885). Auffallend sind im ersten Teil motivische Parallelen zum Andante-Satz des vierten Beethoven-Klavierkonzertes. In beiden Werken ähneln sich frappierend die massierten Unisono-Passagen der Streicher, die dialogisch mit den leisen, nachdenklich wirkenden, solistischen Klavierphrasen korrespondieren. Bereits in dieser Variationen-Komposition konnten die Zuhörer eine souveräne und sensible Ekaterina Litvinseva erleben.

Nach der Pause standen Werke von Richard Strauss an, den man als einen Meister des berauschenden Orchesterklanges und der genialen Instrumentierung betrachten kann. Seine „Burleske für Klavier und Orchester“ (1885) erweist sich als pianistisch äußerst virtuoses Werk, das schnell an die Grenzen des Spielbaren führt. Selbst Starpianist Hans von Bülow hat damals den Solisten-Part abgelehnt. Ekaterina Litvinseva meisterte diese schwierige Aufgabe scheinbar verspielt souverän. Die eigene Spielfreude an dieser Musik war offensichtlich, womit sie viel Sympathie und den stürmischen Beifall der Zuhörer gewann.

Zu einem orchestralen Höhepunkt wurde Strauss‘ Sinfonische Dichtung „Tod und Verklärung“, op.24 (1888). Klanglich ist diese Komposition eine überwältigende Musik, die das Leiden, Sterben wie auch die Erlösung menschlicher Existenz aufgreift. Die Musiker der NWD zeigten sich bestens vorbereitet, spielten äußerst engagiert und ließen dieses Meisterwerk zu einem hinreißenden Klangerlebnis werden. Es war ein großartiger Konzertabend mit großer musikalischer Leistung und Empathie und am Ende mit lang anhaltendem Beifall!

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