1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Paderborn
  6. >
  7. Kreis Paderborn prüft Einsatz von Luca-App

  8. >

Gastronomie und Veranstalter setzen Hoffnung auf neue Technik, die die Zettelwirtschaft überflüssig machen soll

Kreis Paderborn prüft Einsatz von Luca-App

Paderborn

Nach dem monatelangen Lockdown sehnen sich viele Menschen danach, wieder ins Restaurant zu gehen oder eine Veranstaltung zu besuchen. Die vom Sänger Smudo mitentwickelte Luca-App könnte eine Lösung sein, um das damit verbundene Risiko zu minimieren. Das Rostocker Gesundheitsamt nutzt sie bereits. Der Kreis Paderborn prüft derzeit ihren Einsatz. „Die App ist eine interessante Option. Wir schauen sie uns im Moment an“, sagt Landrat Christoph Rüther.

Matthias Band

Smudo hat die Luca-App mitentwickelt. In der App wird ein QR-Code angezeigt, den man zum Beispiel im Restaurant scannen lassen kann. Foto: dpa

Der Kreis Paderborn sei bei innovativen Ideen immer gerne dabei, betont der Landrat. Gerade bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie habe sich gezeigt, wie wertvoll es gewesen sei, dass im Gesundheitsamt des Kreises bereits im Mai die Bearbeitung und Kontaktnachverfolgung vollständig digitalisiert abgelaufen sei. Rüther: „Daher prüfen wir zurzeit auch die Luca-App. Hier sehen wir noch einige offene Fragen, die wir genauer untersuchen müssen. Wir sind mit dem Anbieter in Kontakt und warten auf weitere Informationen.“

So funktioniert die App

Wenn Cafés, Bars und Restaurants im Kreis Paderborn wieder öffnen dürfen, werden sie wie im vergangenen Sommer wohl auch dieses Mal vom Gesundheitsamt verpflichtet, eine Liste ihrer Besucher zu führen und deren Kontaktdaten für eine Nachverfolgung zu erfassen. Die Luca-App ist derzeit die bekannteste Lösung, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Die Betreiber­firma Culture4Live verspricht, eine schnelle und lückenlose Kontaktnachverfolgung. Nach dem Herunterladen der App werden die persönlichen Kontaktdaten eingetragen. Die Benutzer könnten sich dabei zwar auch als „Donald Duck“ registrieren, wie das manche im vergangenen Jahr auf den Listen in Restaurants getan haben. Im Unterschied zur Gästeliste aus Papier wird aber die Mobilfunknummer mit einer SMS gecheckt, so dass die Gesundheitsämter immerhin wüssten, unter welcher Telefonnummer „Donald Duck“ nach einem Risiko-Vorfall erreicht werden kann. Nachdem man seine Daten eingegeben hat, gibt es zwei Möglichkeiten: Im Startbildschirm der App wird ein QR-Code angezeigt, den man zum Beispiel im Restaurant scannen lassen kann. Oder aber man scannt selbst den QR-Code, wenn man das Restaurant betritt. Das alles läuft anonym ab. Auch die Aufenthaltsdauer wird aufgezeichnet. Private und berufliche Treffen sollen sich so ebenfalls organisieren lassen. Im Falle einer Corona-Infektion werden die Daten aus der App dem Gesundheitsamt direkt für die Kontaktnachverfolgung zur Verfügung gestellt.

Amt verschickt SMS

Und wie passiert das? Ein Labor meldet einen positiven Test an das Gesundheitsamt. Das wiederum meldet sich beim Infizierten und fragt nach den Kontakten. Der Betroffene kann dem Amt nun per TAN den Zugriff auf seine Luca-Daten erlauben. Selbst wenn er die Daten nicht teilen will, wird die Arbeit für die Ämter erleichtert. Gibt der Infizierte an, in Restaurant X gewesen zu sein, kann es dem Amt ebenfalls Zugriff auf die Luca-Daten erteilen und alle anderen Gäste werden automatisch per SMS gewarnt.

Die App-Macher wollen Fake-Einträge nach eigenen Angaben auf jeden Fall vermeiden. Und die sensiblen Gästedaten sollen besser geschützt sein als auf den Papierlisten. „Ich habe ein Problem, wenn ich in ein Restaurant gehe und dort für alle sichtbar meine ­Privatadresse aufschreiben muss“, sagt Smudo von den „Fantastischen Vier“. Er sehe keinen Gegensatz zwischen der offiziellen Corona-Warn-App und der Luca-App. Die App des RKI sei geeignet, flüchtige Begegnungen zu erfassen, quasi ein individuelles Radarsystem. Die Luca-App dagegen könne bei privaten Treffen und im Restaurant oder auch bei Sportveranstaltungen, Konzerten und im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt werden, um sich gezielt an einem Ort einzuchecken.

Café-Besitzer oder Konzertveranstalter könnten die Luca-App oder alternative Angebote nach Wiedereröffnung zum Standard erklären: Wer nicht gescannt wird, darf nicht rein – Hausrecht. Solch eine Regelung würde bedeuten, dass Superspreader-Ereignisse nicht nur vergleichsweise schnell, sondern auch komplett erfasst würden.

Paderborner loben Idee

Carsten Hormes, künstlerischer Leiter des Kultur­büros OWL mit Sitz in Paderborn, sieht in der Luca-App oder ähnlichen Anwendungen eine wichtige Hilfe für Großveranstaltungen. „Das größte Problem, das wir bislang vor uns herschieben, ist die Frage nach dem personalisierten Zutritt. Und eine solche App ist die Chance, dass es für privatwirtschaftliche Veranstalter weitergeht. Natürlich muss man den Datenschutz im Blick haben. Aber wenn wir überhaupt noch Kultur anbieten wollen, dann werden wir an solchen Lösungen nicht vorbeikommen“, sagt Hormes, der für diesen Sommer den Kultursommer plant. „Draußen und sicher“, wie er sagt. Zudem denkt er über eine Open-Air-Veranstaltung nach, aktuell für bis zu 350 Besucher. Vielleicht auch mehr, wenn es die Corona-Lage zulasse. Dass es dieses Jahr noch Großveranstaltungen geben wird, glaubt Hormes nicht.

Auch Dirk Tschischke, Geschäftsführer des Restaurants „Zu den Fischteichen“, würde den Einsatz der Luca-App begrüßen. „Wir sollten alles nutzen, was hilft“, sagt er. Tschischke kritisiert in diesem Zusammenhang, dass staatliche Institutionen nicht schon viel früher auf das Know-how von Unternehmen zurückgegriffen hätten: „Wir müssen viel mehr in den privaten Bereich schauen, wer was kann. Die private Wirtschaft muss im Kampf gegen die Pandemie ins Boot geholt werden.“

Startseite