1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. OWL
  4. >
  5. Paderborn
  6. >
  7. Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe zieht erste Tornado-Bilanz

  8. >

Bis zu 85 Prozent der kleineren Baustellen sind abgesichert

Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe zieht erste Tornado-Bilanz

Paderborn

Markus Happe wünscht sich, dass es in Paderborn in den nächsten drei Wochen nicht regnet. Einen Wasserschaden könnten die vom Tornado heimgesuchten Menschen am wenigsten gebrauchen, sagte der Obermeister der Dachdeckerinnung Paderborn am Mittwoch.

Von Dietmar Kemper

Schon kurz nach der Katastrophe wurden, wie hier im Riemekeviertel Paderborn, viele Dächer provisorisch gegen Regen abgedichtet. Foto: Oliver Schwabe

Seine Kollegen und er kommen bei der Beseitigung der Schäden gut voran. Bis zu 85 Prozent der kleinen Baustellen seien abgesichert, sagte Happe: „Wir sind schon sehr, sehr weit gekommen.“

Die Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe zog am Mittwoch eine erste Bilanz. Täglich seien etwa 1000 Handwerker in Paderborn im Einsatz, berichtete der Hauptgeschäftsführer Michael H. Lutter. Dachdecker und Zimmerer arbeiteten mit Elektrikern, Glasern, Tischlern und Gerüstbauern Hand in Hand. Das Handwerk zeige in diesen Tagen, dass es schnell, schlagkräftig und an vielen Stellen gleichzeitig sein könne.

Auch fünf Handwerksbetriebe habe der Tornado am Freitag zum Teil schwer beschädigt, bedauerte Lutter, darunter ein Existenzgründer, der wieder bei null anfangen müsse. Der Hauptgeschäftsführer lobte die gute Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden und kritisierte gleichzeitig aus seiner Sicht kleinliche Kontrollen der Berufsgenossenschaften, zum Beispiel Überprüfungen von Gurten.

Die Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe hat eine erste Bilanz der Arbeiten, die nach dem Tornado in Paderborn bereits erledigt worden sind, gezogen (von links): Michael H. Lutter, Markus Happe, Stefan Raabe, Udo Förster und Aloys Buschkühl. Bis zu 85 Prozent der kleineren Baustellen sind inzwischen abgesichert. Foto: Dietmar Kemper

Bei den größeren Baustellen haben die Handwerker aus dem Kreis Paderborn und darüber hinaus zehn bis 15 Prozent in Angriff genommen. „Wir versuchen händeringend, Gerüste zu bekommen, damit wir arbeiten können“, sagte Happe. Was die Instandsetzung angehe, rede man über Monate, wenn nicht Jahre. Als ein Beispiel nannte er die massiven Schäden am Michaelskloster. „Nach dem Sprint der Notsicherungen kommen die Langstreckenläufe, wir reden teilweise von kompletten Dachsanierungen“, betonte der Obermeister der Dachdeckerinnung Lippe, Stefan Raabe.

Sein Kollege von der Zimmererinnung Paderborn, Udo Förster, lobte die Hilfsbereitschaft untereinander: „Der eine hat die Nägel, der andere die passende Folie.“ Auch viele Flachdächer habe der Tornado beschädigt, aber Spezialanfertigungen seien genauso schwer zu bekommen wie Fachkräfte. Happe beklagte: „Die Baustoffkrise gab es schon vor dem Tornado, aber sie hat sich jetzt noch verschärft.“

Hotline hat sich bewährt

Die von der Kreishandwerkerschaft am Wochenende eingerichtete Hotline (05251/700140; handwerk-hilft@kh-paderborn-lippe.de) habe sich bewährt, freut sich Geschäftsführer Aloys Buschkühl. Einzelpersonen, die teilweise noch keine Erfahrungen mit Handwerkern gehabt hätten, habe man an Betriebe weitervermitteln können. Andererseits hätten Firmen und Menschen ihre Hilfe und ganz konkrete Dinge wie Dachziegel angeboten.

Was Buschkühl ärgert, sind kriminelle Trittbrettfahrer: „Wir wissen von mehreren Fällen, in denen Personen, auch in Dachdeckerkleidung, an Häusern geklingelt und behauptet haben, sie hätten Schäden am Dach entdeckt.“ Im Gespräch hätten sie angeboten, gegen Bargeld das Ganze zu reparieren.

Apropos reparieren: Viele Besitzer von in Mitleidenschaft gezogenen Häusern fragen sich, wie schnell die Versicherungsunternehmen aktiv werden und Geld überweisen. Dachdecker-Obermeister Happe hat in ähnlichen Fällen eine zuversichtlich stimmende Beobachtung gemacht: „Die meisten Schäden werden von den Versicherern anstandslos übernommen.“ Die Handwerkerschaft appelliert an die Jugend, eine Ausbildung zu machen. Der Tornado habe gezeigt, wie wichtig das Handwerk und praktische Fähigkeiten seien.

Alle Berichte, Videos und Fotostrecken zum Unwetter in OWL und zum Tornado in Paderborn finden Sie auf unserer Themenseite: www.westfalen-blatt.de/unwetter.

Startseite
ANZEIGE