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Stadt Paderborn will Interesse von Gastronomen ausloten

Kultur soll in den Keller

Paderborn (WB). Seit gut einem Jahr ist der Paderborner Ratskeller geschlossen. So schnell wird sich daran vermutlich auch nichts ändern. Das zeichnete sich in der Sitzung des zuständigen Betriebsausschusses Gebäudemanagement (GMP) am Dienstagabend ab. Einig war man sich aber, dass die Grundsanierung jetzt in Angriff genommen werden soll.

Maike Stahl

Der Ratskeller unter dem Historischen Rathaus ist seit längerer Zeit ungenutzt. Foto: Besim Mazhiqi

Anlass für die Diskussion war ein Antrag der Grünen, dass der Ratskeller für zunächst zwei Jahre als Veranstaltungsort für die Subkultur zur Verfügung gestellt werden soll. Denkbar sei das Rathaus als gemeinsamen Ort für Kultur und Kommunalpolitik zu etablieren. Die geplante grundständige Sanierung solle derweil zurückgestellt werden. Der Antrag war bereits im November im Kulturausschuss beraten und an den Betriebsausschuss GMP verwiesen worden. Das Gebäudemanagement solle zunächst ermitteln, zu welchen Konditionen eine Zwischennutzung der im Kellergeschoss des Rathauses liegenden Räumlichkeiten möglich sei.

»Wir dürften den Keller nur für Veranstaltungen mit maximal 100 Personen freigeben«, stellte GMP-Betriebsleiter Sören Lühr am Dienstag klar. »Zudem bräuchten wir ein Schallschutzgutachten, weil wir einen Bauantrag für die Nutzungsänderung stellen müssten.« Abgesehen davon sei die Küche bereits deinstalliert, und die störanfällige Lüftungsanlage müsste in Stand gesetzt werden. Die Stromversorgung sei zu erneuern und ein baulicher zweiter Rettungsweg anzulegen, führte Lühr aus. Insgesamt rechnet er mit Kosten in Höhe von 100.000 Euro und sechs Monaten Vorbereitungszeit. »Diese Maßnahmen müssten im Fall einer Gesamtsanierung aber zurückgebaut werden. Das Geld wäre also allein für die Zwischennutzung investiert«, erläuterte Lühr. Eine Ertüchtigung, die dauerhaft nutzbar ist, sei schwierig, weil die grundlegende Sanierung Arbeiten an der Bauwerkssubstanz, vor allem dem feuchten Fundament, erfordere.

Gastronomie mit kulturellem Beiprogramm

Falls es keine Zwischennutzung gebe, könnte ein Interessenbekundungsverfahren mit dem Ziel starten, unterschiedliche Nutzungskonzepte zu konkretisieren. Gleichzeitig könne mit Maßnahmen zur Bauwerksunterhaltung begonnen werden. »Dafür brauchen wir vier Monate und können die Ergebnisse dann diesem Ausschuss wieder vorstellen«, sagte Lühr. Gespräche mit Kulturschaffenden hätten bereits darauf hingedeutet, dass eine Gastronomie mit kulturellem Beiprogramm am erfolgversprechendsten sei.

Reinhard Borgmeier (Linksfraktion) äußerte Zweifel, ob sich Betriebe finden, die den Ratskeller wirtschaftlich für Gastronomie nutzen können. »Wenn wir kulturelles und studentisches Leben in Paderborn weiterentwickeln wollen, brauchen wir aber Räumlichkeiten. Aus der Interimslösung könnte sich vielleicht etwas Dauerhaftes entwickeln.« Verena Lütke-Verspohl (CDU) bewertete die Interimslösung hingegen als »Mogelpackung«. »Damit verlieren wir noch mehr Zeit für die Sanierung.« Johannes Knaup (LKR) machte sich für eine generelle kulturelle Nutzung stark: »Kein Mensch wartet darauf, dass die Stadt ein weiteres Restaurant eröffnet, aber wir brauchen in der Stadt Räume für Kultur.« Und auch Burkhard Aubke (SPD) sagte, dass seiner Fraktion der Gedanke einer dauerhaft kulturellen Nutzung sympathisch sei.

Kommentar von Maike Stahl

Deshalb einigte sich die Politik, dass jetzt die Grundsanierung in Angriff genommen und parallel dazu das Interessenbekundungsverfahren durchgeführt werden soll. Mitte des Jahres kommt das Thema dann wieder auf den Tisch. Es wird Zeit, dass sich in Sachen Ratskeller etwas bewegt. Seit fast zwei Jahren ist die Problematik bekannt, aber so richtig in Schwung gekommen ist die Angelegenheit noch nicht. Das historische Rathaus ist das Gesicht der Stadt, und dem steht ein maroder Keller nun wirklich nicht gut zu eben diesem. Die Idee dort einen reinen Schankbetrieb mit einer Bühne zu kombinieren, die für vielfältigste kulturelle Veranstaltungen genutzt werden kann, hat durchaus Charme. Dass es Bedarf gibt, hat sich beim XO-Talk im Rathaussaal vor einigen Wochen bereits gezeigt. Wenn die Stadt die kreativen Köpfe behalten möchte, die über ihr Studium im Veranstaltungsbereich fit gemacht werden, muss sie ihnen dafür Raum geben. Warum nicht auch den ehrwürdigen Ratskeller?

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