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Stadt Paderborn ehrt Volker Heisener mit der Kulturnadel

Kunst aus der Spraydose

Paderborn (WB). Szenekunst fristet in Paderborn längst kein Schattendasein mehr. Im Kunstmuseum widmete sich zuletzt eine Ausstellung der »Jugend mit 17«. Jetzt wird ein Graffiti-Künstler mit der Kulturnadel geadelt.

Manfred Stienecke

Volker Heisener arbeitet in seinem Atelier im »Raum für Kunst« in Paderborn, wenn er nicht im öffentlichen Straßenraum auf frei gegebenen Flächen seine farbenfrohen Graffiti aufsprüht. Sein Traum wäre ein Fassaden-Festival in der Stadt. Foto: Stienecke

Volker Heisener musste sich nach dem Aufwachen an einem Maisonntag erst einmal kneifen, ob er nicht noch träume: Auf dem Handy fand er eine persönliche SMS des Stadtoberhaupts. Er wolle sich mit ihm gern mal über die Kultur unterhalten, teilte ihm Bürgermeister Michael Dreier mit. Beim Rückruf erfuhr der in Paderborn vor allem als Graffiti-Künstler bekannte 36-jährige Facharbeiter dann, dass ihm die Preisjury die Paderborner Kulturnadel zuerkannt hat. »Ich war in dem Moment total perplex«, schildert Heisener seine Reaktion auf die völlig unerwartete Nachricht. »Ich habe tatsächlich ein paar Tage gebraucht, um das zu realisieren.«

Immerhin ist der Vater einer zweijährigen Tochter künstlerisch in einem Metier tätig, das vor einem Jahrzehnt noch von einem großen Teil der Bürgergesellschaft nur naserümpfend, wenn nicht argwöhnisch betrachtet wurde. Graffiti-Kunst galt vielen als gesetzlose Farbschmiererei, mit der fragwürdige Gestalten im Schutze der Dunkelheit öffentliches oder privates Eigentum verschandelten. Inzwischen gibt es auch in Paderborn für die Graffiti-Szene frei gegebene Flächen, auf denen die Sprayer ihre Figuren und Farblandschaften aufbringen dürfen.

Früh übt sich

Der in Bentfeld aufgewachsene künftige Kulturnadel-Träger hat schon als Schüler mit dem Zeichnen angefangen. »Das ging mit Comics los«, erzählt Heisener. »In der Jugendzeit kamen dann Graffiti dazu. Ich habe jede Chance genutzt, bei Aktionen mitzumachen.« Seine erste Ausstellungsbeteiligung mit Sprühbildern hatte er vor gut zehn Jahren während seiner Ausbildung zum Gestalter im Handwerk in Münster. Seither lässt ihn die Kunst aus der Spraydose nicht mehr los. Heisener ist mittlerweile in der Szene gut vernetzt.

Volker Heiseners Markenzeichen ist ein »V«, der Anfangsbuchstabe seines Vornamens. Mit dieser Paraphe kennzeichnet er seine Kompositionen, die er nicht nur auf Mauern und Fassaden, sondern auch ganz traditionell auf Leinwände aufbringt. »Ich bin jemand, der eher spontan arbeitet«, sagt er über sich selbst. Vorstudien gebe es bei seinen Sprühbildern nicht. Lediglich die jeweilige Farbpalette lege er sich zurecht. Politische Ambitionen hegt Heisener nach eigenen Angaben nicht. Zu seinen bevorzugten Motiven gehören Porträts und Figuren, wobei er die Konturen vorgibt. »Irgendwie steckt eben immer noch der Zeichenstil in mir.«

Aus der Anarcho-Ecke seien viele Sprayer inzwischen heraus, sagt der gelernte Verfahrensmechaniker, der in der Ateliergemeinschaft »Raum für Kunst« seine Künstlerwerkstatt unterhält. »Graffiti lassen sich mittlerweile in vielen Städten auf frei gegebenen Flächen aufbringen«, weiß er. »Aber das Sprayen hat immer noch etwas Verbotenes.« Für ihn komme aber das unerlaubte Besprühen beispielsweise von Hausfassen nicht in Betracht. »Ich finde es nicht in Ordnung, an private oder denkmalgeschützte Flächen zu sprayen«, grenzt er sich von diesem Teil der Szene ab. »Ich hätte auch etwas dagegen, wenn mein Haus oder mein Auto besprüht würden.«

Überschaubare Szene

Heisener bedauert deshalb, dass in der Stadt Paderborn künftig die im Paderquellgebiet frei gegebene Graffiti-Wand an den Michaelsschulen nicht mehr zur Verfügung steht. »Die Mauer liegt supergünstig.« Bei ihren Malaktionen dort seien sie häufiger von Passanten angesprochen worden, die das »richtig toll« fanden. Auch die erlaubte Bemalung der Bauzäune am Königsplatz sei bei vielen Leuten gut angekommen.

Mit »vielleicht 15« Sprayern sei die Graffiti-Szene in Paderborn noch sehr überschaubar. »Mein Traum ist, dass wir hier mal ein Fassenden-Festival ausrichten dürfen«, denkt Heisener an die Möglichkeit, von Eigentümern frei gegebene Wände künstlerisch gestalten zu können. »Das würde Paderborn sehr guttun«, ist er sicher. »Einer Stadt sollte man ihr kreatives Leben auch ansehen.«

Dass er am 30. August im Rathaus als Graffiti-Künstler mit der Kulturnadel geehrt wird, empfindet Heisener als große Anerkennung. »Das macht mich sehr stolz und bestärkt mich darin, da weiterzumachen. Ich werde die Nadel auf jeden Fall zu besonderen Anlässen tragen.«

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