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Digitaler Neujahresempfang des Kreises Paderborn – Ehrenamtspreis an drei Einrichtungen vergeben

Landrat Rüther wirbt für Optimismus

Paderborn

Corona hat so ziemlich alles verändert, auch den Neujahrsempfang des Kreises Paderborn, der in diesem Jahr zum ersten Mal in seiner Geschichte in digitaler Form stattfinden musste.

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Johanna Verhoven (rechts im Bild), erste Vorsitzende der Aidshilfe Paderborn, nahm stellvertretend für den Vorstand den Ehrenamtspreis des Kreises Paderborn entgegen. Landrat Christoph Rüther überbrachte den Dank und die Glückwünsche des Kreises Paderborn. Foto: Kreis Paderborn

Etwa 150 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung waren per Videokonferenz zugeschaltet, als Landrat Christoph Rüther ans Rednerpult im Foyer des Kreishauses trat und sich dabei ein bisschen fühlte wie bei „Dinner for one“. Rüther betonte, dass er die Gäste gerne persönlich begrüßt hätte, aber es oberstes Gebot sei, die Pandemie zu stoppen, Kontakte zu reduzieren und dafür Sorge zu tragen, dass die Infektionszahlen sinken. In Krisensituationen in der Gemeinschaft zu funktionieren, an einem Strang zu ziehen, „das ist die wahre Kunst der gemeinsamen Zusammenarbeit“, betonte Rüther zu Beginn seines Rückblicks auf das Jahr 2020. Dies habe das Team der Kreisverwaltung im vergangenen Jahr mit Erfolg bewiesen.

Rüther lobte ausdrücklich die erfolgreiche Arbeit des Krisenstabes, an erster Stelle die des Gesundheitsamtes, das einen hervorragenden Job leiste. Rüther dankte allen Beteiligten, beispielsweise der Kassenärztlichen Vereinigung, Polizei und Bundeswehr, für die geleistete Arbeit bei der Bewältigung des Pandemiegeschehens, das vieles dominierte.

Digitalisierung

Doch 2020 hatte auch andere Themen im Gepäck, beispielsweise die Digitalisierung. Der Kreis Paderborn habe den digitalen Familienradar auf den Weg gebracht, das neue Onlineportal des Kreises Paderborn mit Angeboten für Schwangere und Familien mit Kindern, von der Geburt bis zum Grundschulalter. Gestartet ist auch das Serviceportal des Kreises: Unter mein.kreis-paderborn.de können Bürger Anträge stellen, Dienstleistungen bezahlen und Termine vereinbaren. Und auch beim Home Office sei der Kreis Paderborn mit gutem Beispiel vorangegangen. Gleich zu Beginn der Pandemie sei geprüft worden, wer von zu Hause arbeiten könne. Seit April 2020 sind 740 Home-Office-Arbeitsplätze eingerichtet, mit dienstlicher EDV-Ausstattung und mit vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfohlener Sicherheitstechnik.

Polizei

Der Landrat, zugleich der Chef der Kreispolizeibehörde Paderborn, skizzierte in seinem Rückblick auch die Arbeit der Polizei. Insgesamt habe man ein höheres, pandemie-bedingtes Einsatzaufkommen verzeichnet, da verstärkt eigene Einsätze und Kontrollen durchgeführt worden seien. Die Gesamtkriminalität im Kreis Paderborn bewegte sich 2020 auf ähnlichem Niveau wie in den Vorjahren. Viele Betrugsdelikte im Internet kamen dazu. Die Pandemie – die Menschen waren zu Hause – sorgte dafür, dass die Wohnungseinbrüche um 30 Prozent sanken. Keine Zunahme gab es bei den häuslichen Gewalttaten. Die erwartete Steigerung blieb erfreulicherweise aus.

Auch die Zahl der Unfälle und der dabei Verletzten sank, weil die Menschen weniger unterwegs waren. Mit sechs Verkehrstoten in 2020 (zum Vergleich: in 2017 waren es 17), konnte ein historischer Tiefstand seit Beginn der Aufzeichnungen in 1956 verzeichnet werden.

Landrat a. D.

Digital zu Gast war auch der Landrat a. D., Manfred Müller, an dessen Haustür es während der Live-Schalte klingelte. Ein Bote des Kreises überbrachte das Goldene Buch für ganz besondere Persönlichkeiten, das seine Verdienste in kunstvoll geschriebenen Lettern würdigt. Landrat Christoph Rüther dankte dem ehemaligen Landrat „von ganzem Herzen. Lieber Manfred, Du hat so viel bewirkt für den Kreis Paderborn“. Er bedaure sehr, dass ein Abschiedsempfang durch Corona nicht möglich gewesen sei. „Du hättest es so sehr verdient“, unterstrich Rüther.

Ausblick

Die Corona-Pandemie bestimme auch in 2021 weiter das Leben, sagte Landrat Christoph Rüther in seinem Ausblick. In der kalten und dunklen Jahreszeit laufe man Gefahr, das alles als „graue Suppe“ wahrzunehmen. „Dieser durchaus sehr menschlichen, und nicht extra westfälischen Einstellung“, sagte Rüther augenzwinkernd, möchte er sich entschieden entgegenstemmen. Ihm sei bewusst, dass dieses Jahr auch für Arbeitgeber, Einzelhandel, viele Berufsgruppen, Kita- und Schulkinder hart starte. Doch durch die gut angelaufenen Impfungen sei ein Ende in Sicht. „Lassen Sie uns positiv denken. Lassen Sie uns optimistischer auf dieses Jahr blicken“, warb Christoph Rüther.

Konjunktur

Im Herbst vergangenen Jahres hätten die IHK-Konjunkturumfrage sowie die Meldungen aus dem OWL-Handwerk trotz der auch im Herbst für sehr viele Branchen bereits schwierigen Lage durchaus Hoffnung für die Zukunft gemacht. Über 40 Prozent der Industrieunternehmen im Kreis Paderborn gingen zu diesem Zeitpunkt beispielsweise von einer sich verbessernden Lage aus. Die Zukunftsprognose des Handwerks mache ebenfalls Mut. Der Lockdown in diesem Winter sei ein schwerer Rückschlag, vor allem für Gastronomie, Einzelhandel und Dienstleistungen. Er hoffe sehr, dass die zugesagten Corona-Hilfsgelder zeitnah ankommen würden. Rüther zeigte sich optimistisch, dass es auch für die Bereiche Kultur und Tourismus ein „Wiedererwecken nach Corona“ geben werde.

Ehrenamtspreis

Im Mittelpunkt des Neujahrsempfangs stand traditionell die Auszeichnung von drei Personen/Institutionen für ihr ehrenamtliches Engagement. Bereits seit 20 Jahren sind die Bürger des Kreises Paderborn dazu aufgerufen, „ihre „stillen Helden des Alltags“ zu benennen. Ein interfraktioneller Arbeitskreis hat anschließend die schwere Aufgabe, drei Vorbilder auszuwählen, deren ehrenamtliches Engagement Beispiel und Ansporn sein kann für viele. Die abschließende Entscheidung trifft stets der Kreis- und Finanzausschuss. „Dieses Engagement ist unverzichtbar in unserer Mitte verankert und unheimlich wertvoll“, betonte Landrat Christoph Rüther. Daher könne man den Menschen, die sich in ihrer Freizeit für andere engagieren, nicht genug danken. Der Landrat zeichnete in diesem Jahr die Aidshilfe Paderborn, die Bahnhofsmission Paderborn sowie den Verein „Ambulanter Hospizdienst Mutter Teresa – Leben dürfen bis zuletzt“ aus. Überreicht wurden der Bronzeteller des Kreises Paderborn, eine Urkunde, Blumen und ein Scheck in Höhe von 1000 Euro an die jeweiligen Preisträger:

Aidshilfe

Die Aidshilfe Paderborn wurde am 2. April 1987 ins Leben gerufen. Seit seinem Bestehen leitet ein bis zu siebenköpfiger ehrenamtlicher Vorstand den Verein. Zu dessen Aufgaben zählen die Präventionsarbeit zur Verhinderung von HIV-Infektionen sowie die psychosoziale Begleitung und Betreuung HIV-positiver und an Aids erkrankter Menschen. Stellvertretend für den Vorstand nahm die erste Vorsitzende Johanna Verhoven den Preis entgegen. „Die Dunkelziffer ist hoch, wie wir wissen. Ich habe großen Respekt vor ihrer Arbeit. Bitte machen Sie weiter“, sagte Rüther bei der Preisübergabe.

Bahnhofsmission

„Leute sollten mehr hingucken und nicht einfach verurteilen. Da hängt immer ein Schicksal dahinter“, sagt eine Ehrenamtliche der Bahnhofsmission Paderborn. Die Mission konnte im vergangenen Jahr auf ihr 110-jähriges Bestehen zurückblicken. Mehr als 30 Ehrenamtliche im Haus am Gleis 1 sorgen derzeit dafür, dass Menschen einen Ort haben, der sie willkommen heißt. „Hier muss kein Antrag gestellt werden. Jemand klopft an und wir unterstützen.“ Wer möchte, bekommt Beratung und Unterstützung. Den Ehrenamtspreis nahm die langjährige ehrenamtliche Mitarbeiterin Gerda Hellweg entgegen. „Wenn ich an all die Stunden denke, die Energie, die Sie dort investieren, kann ich nur von ganzem Herzen Danke sage. Ihre Arbeit ist extrem wichtig“, betonte Rüther.

Hospizdienst

Die Menschen haben ein Recht, bis zuletzt in Würde zu leben. Sie darin zu unterstützen ist sein Anspruch: 1999 wurde der Ambulante Hospizdienst Mutter Teresa - Leben dürfen bis zuletzt e. V. durch Frauen der Caritas-Konferenzen Bad Wünnenberg, Büren und Lichtenau gemeinsam mit der evangelischen Frauenhilfe gegründet. Gerda Göckede initiierte und gründete den Hospizdienst, um schwer kranke, sterbende Menschen zu begleiten und den Angehörigen zur Seite zu stehen. Sieben Jahre führte sie den Verein, tief verankert in ihrem Glauben. Landrat Rüther bedankte sich bei Gerda Göckede: „Durch Ihren selbstlosen Einsatz geben Sie sowohl den Betroffenen wie auch deren Angehörigen eine große mitmenschliche Nähe. Sie sind einfach da und entscheiden situativ was gebraucht wird. Ich habe einen großen Respekt vor Ihrer Leistung!“

Der digitale Neujahrsempfang mit alles Videos steht in Kürze online: www.kreis-paderborn.de

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