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Neue Karte zeigt Nitratbelastung im Grundwasser – nun weniger rot markierte Flächen in Bad Wünnenberg, dafür Dalheim stärker betroffen

Landwirte kritisieren Düngeregeln

Paderborn

Ab März gelten in NRW verschärfte Düngeregeln. Das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium hat dazu am Mittwoch eine neue Karte ver­öffentlicht, auf der die Gebiete mit hoher Nitratbelastung des Grundwassers verzeichnet sind. Insgesamt ist in NRW deutlich weniger belastete Fläche ausgewiesen – auch im Kreis Paderborn. Die heimischen Landwirte kritisieren die Düngeregeln trotzdem scharf.

Matthias Band

Foto:

„Die Problematik ist, dass Deutschland jetzt gezwungen wurde, EU-Recht umzusetzen. Jahrelang wurde nichts gemacht. Jetzt wird uns die Pistole auf die Brust gesetzt. Und das knallt als Hammerschlag auf die Betriebe ein“, sagt Kreislandwirtin Susanne Mönnikes aus Bad Wünnenberg.

In den belasteten Gebieten sind laut NRW-Agrar­ministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) künftig zusätzliche Maßnahmen erforderlich. Dort ist die Düngung mit Stickstoff – zum großen Teil geschieht dies mit Gülle – nur noch eingeschränkt möglich. R­ot bedeutet: hohe Belastung des Grundwassers mit stickstoffhaltigem Nitrat. Dazu muss an einer Messstelle der Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter überschritten sein. Nach Angaben der Kreisstelle Paderborn der Landwirtschaftskammer NRW sind auch Bereiche rot markiert, in denen mehr als 37,5 Milligramm pro Liter gemessen und zuletzt steigende Werte verzeichnet wurden. Überall in den rot markierten Ge­bieten gelten künftig restriktive Dünge­regeln, entsprechend geringer ist der Ernteertrag. „Die betroffenen Betriebe müssen künftig 20 Prozent weniger ­düngen, was sich auch erheblich auf die Erträge auswirkt“, kritisiert Mönnikes.

In der ersten Fassung der Karte, die, wie berichtet, Ende Dezember veröffentlicht worden war, waren landesweit 350.000 Hektar nitratbelastete Fläche ausgewiesen. Jetzt sind es 165.000 Hektar, was laut Ministerium elf Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in NRW entspricht. Die Veröffentlichung der Karten mit inaktuellen Daten hatte damals Kritik hervorgerufen. Die Kreisstelle Paderborn der Landwirtschaftskammer NRW weist jedoch darauf hin, dass das Land vom Bund zur Veröffent­lichung aufgefordert worden war. Nun seien die Daten aus dem neuen Nährstoffbericht in die sogenannte feldblockscharfe Kartierung eingeflossen, was zu einer Reduzierung der betroffenen Fläche geführt habe. Weniger rot markierte Gebiete gibt es nun beispielsweise in Delbrück, in Bad Wünnenberg und in Salzkotten. Dafür gibt es andere Gebiete, die neu als nitratbelastet eingestuft wurden – unter anderem in Dalheim.

Susanne Mönnikes Foto: Joern Hannemann

Wie groß die nitratbelasteten Flächen im Kreis insgesamt sind, kann die Kreisstelle der Landwirtschaftskammer NRW noch nicht sagen. Dazu müssten erst noch Daten aus dem Ministerium abgewartet werden. In der Ende Dezember veröffentlichten Karte waren 14.780 Hektar im Kreis Paderborn als nitratbelastet eingestuft worden.

Laut Mönnikes sind nun Dalheim, Hegensdorf, Espeln, Steinhausen sowie Weine „extrem betroffen“. „Die Landwirte fragen sich jetzt, was sie machen sollen. Bei mir steht das Telefon nicht mehr still“, sagt Mönnikes. Die Landwirte seien verzweifelt. Die Kreislandwirtin kritisiert auch das Messverfahren: „Die Messstellen sind zum Teil veraltet. Jetzt werden hydro­logische und geologische Werte mit hinzugenommen und die Flächen werden plötzlich rot.“ Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) gebe zudem keine Details zur Datenerhebung bekannt. „Da muss das Ministerium jetzt mit um die Ecke kommen. Schließlich steht die nächste Düngesaison vor der Tür“, fordert Mönnikes. Nach Außen entstehe die Botschaft, „wir Landwirte düngen viel zu viel. Aber wir können das alles belegen. Und wir werden ja ständig kontrolliert.“

Nach Angaben der Kreisstelle der Landwirtschaftskammer gibt es NRW-weit mehr als 1500 Messstellen. Vorgesehen sei, dass es eine Messstelle für 5000 Hektar Land gebe, die Messstellen sollen zudem nicht weiter als acht Kilometer von­einander entfernt sein.

Nicht nachvollziehen könnten die Landwirte, warum immer mehr Verwaltungsvorschriften auf den Weg gebracht würden, die sich erheblich auf die Wirtschaftlichkeit der Betriebe auswirkten, sagt Mönnikes. Unter anderem verweist sie in diesem Zusammenhang aufs neue Insektenschutz­gesetz. Mönnikes: „Die Betriebe werden so an die Wand gefahren. Wir arbeiten alle 365 Tage im Jahr. Aber im Wort Landwirtschaft steckt auch das Wort wirtschaften. Und wir wollen auch noch etwas damit erwirtschaften.“ Schließlich lebten auf den Höfen häufig noch drei Generationen unter einem Dach, betont die Kreislandwirtin.

Die Politik müsse jetzt die Frage beantworten, ob die Landwirtschaft in Deutschland noch gewollt sei. Mönnikes: „Und wenn sie das nicht ist, dann bekommen wir alle unser Fleisch eben künftig aus China. Ich weiß aber nicht, ob die Verbraucher das wirklich wollen. Die Frage, die wir beantworten müssen, ist: Wo soll die Reise jetzt hingehen?“

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