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Prozess am Landgericht Paderborn: Schuldner eines Freundes verprügelt

Lange Haft für Doping-Schläger

Paderborn/Lippstadt

Er hatte offensichtlich wenig Hemmungen zuzuschlagen. Dafür hat er jetzt die Quittung bekommen. Für einen Überfall mit massiven Prügel-Verletzungen des Opfers hat das Landgericht Paderborn einen 26-Jährigen aus Lippstadt jetzt eine ordentliche Strafe aufgebrummt.

Ulrich Pfaff 

Das Paderborner Land- und Amtsgericht (Symbolbild). Foto: Jörn Hannemann

Für mehr als fünf Jahre muss der ehemalige Bodybuilder ins Gefängnis. Dabei habe er „nur“ einem Freund helfen wollen, Schulden einzutreiben, sagte der Angeklagte.

Wie berichtet, musste sich der Lippstädter vor der 8. Großen Strafkammer verantworten, weil er im Frühjahr 2017 an einem Versuch beteiligt gewesen war, eine ausstehende Summe aus dem Verkauf von illegalen Dopingmitteln einzutreiben. Der jetzt 27 Jahre alte Paderborner, der damals von einem 38-Jährigen die Anabolika bekommen, aber nach Monaten noch nicht bezahlt hatte, war von dem „Gläubiger“ in seiner Wohnung aufgesucht worden, und landete danach mit Verletzungen im Gesicht und an der Schulter im Krankenhaus.

Bereits am ersten Prozesstag Anfang März hatte der 26-Jährige zugegeben, mit seinem Freund bei dem Schuldner aufgelaufen zu sein, um als „Meinungsverstärker“ zu fungieren. Dann habe er mehrmals zugeschlagen, weil sein Kumpel ihm zuvor gesagt habe, dem 27-Jährigen müsse man „die Schnauze einhauen, dass ihn seine eigene Mutter nicht wiedererkennt“.

Eben jener Satz war für Staatsanwalt Henrik Dahnke der Schlüssel zu dem Gewalt-Exzess des Angeklagten: „Er hat genau das umgesetzt, was sein Bekannter wollte.“ Nun war es aber nicht bei den Schlägen geblieben: Diese hatten das Opfer bewogen, nach ein paar Tagen einen Kredit aufzunehmen, um die Forderung von 2500 Euro begleichen zu können. Damit sah der Staatsanwalt auch die schwere räuberische Erpressung verwirklicht, derer der 26-Jährige als Mittäter des 38-Jährigen angeklagt war.

Die Brutalität des Übergriffs, die schweren Verletzungen des 27-Jährigen, dazu ein paar Vorstrafen und eine laufende Bewährung des Angeklagten waren Dahnke die Forderung nach einer Haftstrafe von sechs Jahren wert – die Mindeststrafe für schwere räuberische Erpressung beträgt fünf Jahre Haft. Verteidiger Jan-Christian Hochmann wiederum wollte einen minderschweren Fall erkennen: Sein Mandant habe sich nicht bereichert, sein Part in der Sache sei von dem Haupttäter übertrieben worden, der seinerseits mit einem Schlagstock auf das Opfer eingeprügelt habe. Die Tat liege auch schon länger zurück, nicht zuletzt weil die Polizei sich nicht allzu sehr bemüht habe, den 26-Jährigen ausfindig zu machen, nachdem der Haftbefehl aufgrund der Aussage des 38-Jährigen im Spätsommer 2019 ergangen war. Maximal zwei Jahre Freiheitsstrafe beantragte Hochmann.

Die Strafkammer hingegen folgte weitgehend den Argumenten des Staatsanwalts: Fünf Jahre und drei Monate Haft verhängte sie, wegen des Geständnisses „eine Strafe am unteren Rand“, wie die Vorsitzende Richterin Anne Zacharias betonte. Den Hinweis des Anwalts auf die schleppende Polizeiarbeit quittierte die Richterin mit der Feststellung: „Es gibt keinen Anspruch auf zeitnahe Festnahme.“

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