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Experten diskutieren bei Paderborner Mittelstandsvereinigung die Corona-Folgen

Linnemann appelliert an Unternehmer: „Blickt nach vorn“

Paderborn (WB). Normalerweise hätten am Montagabend rund 100 Mitglieder der CDU-Mittelstandsvereinigung an der Veranstaltung im Porsche-Zentrum persönlich teilgenommen. Doch mit Corona ist alles anders: Während sich die sechs Redner aus Politik und Wirtschaft mit dem geforderten Sicherheitsabstand im Show-Room an ihren Stehtischen aufgebaut haben, schauen die MIT-ler daheim oder in ihren Büros per Livestream zu. „Zu Spitzenzeiten hatten wir an die 100 Zuschauer“, ist MIT-Kreischef Ulrich Lange nach der Premiere mit der Resonanz zufrieden.

Ingo Schmitz

Carsten Linnemann stellte in der Diskussion ein weiteres Hilfsprogramm für mittelständische Betriebe in Aussicht. Foto: Ingo Schmitz

IHK-Chef Jürgen Behlke, Sparkassen-Vorstand Hubert Böddeker, Volksbank-Vorstand Karl-Heinz Rawert, der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Peter Gödde, Uwe Seibel als Vorsitzender der Werbegemeinschaft und CDU-Bundestagsabgeordneter Carsten Linnemann stellten sich den Fragen.

Gastgeber Ulrich Hoffmann von der Thiel-Gruppe hatte im Zusammenhang mit der Corona-Krise nur eine einzige Bitte an den Vize-Fraktionschef der CDU im Bundestag: „Entscheidet das Thema ‚Kaufprämie – Ja oder Nein‘ so schnell als möglich. Der aktuelle Zustand ist nicht haltbar.“ Linnemann gab prompt einen Ausblick: Eine Entscheidung werde es beim Koalitionsgipfel am 2. Juni geben. „Es wird etwas kommen, aber innovativer als damals die Abwrackprämie, und mehr in die Zukunft gerichtet“, sagte der CDU-Mann.

Probleme gefährden Existenzen

Die Corona-Krise ist omnipräsent. Die damit verbundenen Probleme gefährden Existenzen, stellte Ulrich Lange klar. „Was gerade passiert, sprengt zum Teil meine Vorstellungskraft – auch als Volkswirt. Wenn Lieferketten nicht mehr funktionieren, wenn 720 Flugzeuge der Lufthansa am Boden bleiben, wenn ich sehe, dass zwei, drei Paderborner Restaurants schließen, dann muss man auch fürchten, dass das erst der Anfang von weiteren Unternehmen ist, die sterben werden. Nicht alle werden gerettet werden können“, sagte Linnemann. Daher gab er einen Ausblick auf ein weiteres Hilfsprogramm für Unternehmen, die derzeit 40 bis 60 Prozent weniger Umsatz erzielen als noch vor einem Jahr. Die Betreffenden können demnach mit Zuschüssen zu den Fixkosten in Höhe von bis zu 75 Prozent rechnen – Geld, das sie nicht zurückzahlen müssten.

Linnemann: „Die Frage bleibt, wer das alles bezahlt. Wir brauchen ein Signal der Gesellschaft, der Manager, der Bischöfe, der Beamten – ein Signal aller, wie wir diese Gesellschaft zusammenhalten wollen.“ Aus seiner Sicht müsse zum Beispiel über die Fortsetzung des Soli gesprochen werden. Keinesfalls dürfe aber der Mittelstand, der am Boden liege, weiter reglementiert werden. Jetzt sei die Chance, überbordende Bürokratie abzubauen und gleichzeitig die Digitalisierung nach vorn zu bringen, sagte er. In diese Richtung argumentierte auch IHK-Chef Jürgen Behlke, der einen möglichst schnellen Ausbau des Glasfasernetzes forderte. In Zeiten von Videokonferenzen sei das aktuelle Netz oftmals überfordert, berichtete er.

„Kunden möchten keine Corona-Kredite“

Zum Thema Kreditvergabe äußerte sich Sparkassen-Vorstand Hubert Böddeker. Trotz der von der Politik angepriesenen 100-Prozent-Sofortkredite seien die Banken gefordert, fundiert zu entscheiden, ob die jeweilige Firma geeignet sei: „Wenn ein Unternehmen vor Corona schon Schwierigkeiten hatte, dann müssen wir viel genauer hinsehen als bei einem Unternehmen, das vorher funktioniert hat“, erläuterte er. Karl-Heinz Rawert (Volksbank) berichtete zudem, dass ein Drittel aller Beratungsgespräche Tilgungsaussetzungen zum Ziel hatten. „Die Kunden möchten in der Regel keine Corona-Kredite, weil sie diese ja zusätzlich zurückzahlen müssen“, betonte Rawert. „Wir werden dennoch um jeden Fall kämpfen. Es gibt bis heute fünf abgelehnte Fälle bei der KfW-Bank“, sagte er.

Linnemann machte den Anwesenden Mut, nach vorn zu blicken. Dazu gehöre auch, sich schon jetzt Gedanken zu machen, wie Weihnachtsmärkte unter Corona-Bedingungen stattfinden könnten. Abstandsregeln seien immer noch besser als kein Weihnachtsmarkt.

Zitate vom MIT-Abend

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