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IG Metall spricht mit dem Paderborner Bundestagsabgeordneten über den Kahlschlag bei den Ausbildungsplätzen

Linnemann bietet Benteler Unterstützung an

Paderborn-Schloß Neuhaus (WB). Im Streit um die Zahl der Ausbildungsstellen beim Automobilzulieferer Benteler haben der Betriebsrat, die IG Metall und der Deutsche Gewerkschaftsbund den heimischen CDU-Bundestagsabgeordneten Carsten Linnemann eingeschaltet. Sie trafen sich mit ihm und besprachen die festgefahrene Situation.

Dietmar Kemper

Carsten Linnemann diskutierte mit Konrad Jablonski, Clea Stille, Manfred Block und Alfonso Maira (Benteler-Betriebsrat) über die Ausbildungssituation im Kreis Paderborn. Foto:

Carsten Linnemann habe das Engagement „positiv aufgegriffen“ und blicke ebenfalls mit Sorge auf den Ausbildungsmarkt, teilten Betriebsrat und Gewerkschaften nach dem Gespräch mit. Carsten Linnemann, der der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) vorsteht, wird mit den Worten zitiert: „Die junge Generation ist schon jetzt der große Verlierer von Corona. Finanziell, weil sie die horrenden Schulden irgendwann zurückzahlen muss, und individuell, weil die Auswirkungen auf Bildung und persönliche Entwicklung massiv sind. Die duale Ausbildung als deutsches Erfolgsmodell muss deshalb gerade in Corona-Zeiten gestützt werden.“

Linnemann: alle Möglichkeiten sollten ausgeschöpft werden

Dieser Zeitung sagte Linnemann am Donnerstag, er wolle sich zwar nicht in die Unternehmensphilosophie von Benteler einmischen, aber das Unternehmen sei im Kreis Paderborn „einer der Leuchttürme in der dualen Ausbildung“. Deshalb sollten alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Linnemann: „Wir haben zum Beispiel das Qualifizierungschancengesetz, mit dem wir in bestimmten Fällen bis zu 100 Prozent der Ausbildungskosten übernehmen können.“ Darüber habe er mit dem Leiter der Paderborner Agentur für Arbeit, Heinz Thiele, gesprochen. Die Firma Benteler befinde sich mitten im Transformationsprozess der Automobilindustrie. Den könne die Politik dem Unternehmen nicht abnehmen, aber sie könne dabei unterstützen, betonte Linnemann. Er stehe für Gespräche mit der Geschäftsführung bereit.

Wie am Dienstag berichtet, hat Benteler die Zahl der Ausbildungsstellen radikal von gut 80 auf nur noch 14 gekürzt. Das Unternehmen halte sich nicht an den 2017 gemeinsam vereinbarten Ergänzungstarifvertrag, der die Beibehaltung der Zahl der Azubi-Stellen von mindestens 80 beinhalte, kritisierte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Paderborn, Konrad Jablonski. Benteler Steel/Tube habe als größter industrieller Ausbildungsbetrieb in Paderborn eine Vorreiterfunktion, meinen die Interessenvertreter der Arbeitnehmer.

Benteler: 2021 werde Zahl der Azubis voraussichtlich erhöht

Der Konzern mit seinen Sparten Automotive, Stahl und Rohr wird von der Holding in Salzburg aus geleitet. Er beschäftigt weltweit 30.000 Mitarbeiter, 5200 in Paderborn. Zuletzt soll das Unternehmen zwei Milliarden Euro Schulden gemacht haben. Der Konzern befindet sich in einem Restrukturierungsprozess.

Die Pandemie habe die Situation weiter verschärft, teilte Benteler auf Anfrage mit. Über die Ausbildungssituation spreche man mit Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaften. 2021 werde die Zahl der Azubis voraussichtlich erhöht. „Ja, wir haben eine schwere Krise, aber wir arbeiten gemeinsam hart dafür, dass es wieder aufwärts geht bei Benteler. Für eine industrielle Zukunft unserer Paderborner Standorte brauchen wir eine konstante Anzahl gut ausgebildeter Fachkräfte“, betonte der Betriebsratsvorsitzende von Benteler Steel/Tube, Manfred Block, nach dem Gespräch mit Linnemann.

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