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Geschäftsführer: 90 Prozent der Verfahren endeten mit einem Vergleich

Lohnrückstand: Mitarbeiterverklagen Reinigungsfirma

Bad Lippspringe (WB). Eine Reinigungsfirma aus Bad Lippspringe hat Mitarbeiter zeitweise gar nicht oder nur unvollständig bezahlt. Der Geschäftsführer sieht die Probleme aber inzwischen als erledigt an. 90 Prozent der Verfahren hätten nicht mit einem Urteil, sondern einem Vergleich geendet, sagte er dieser Zeitung.

Dietmar Kemper

Symbolbild. Foto: dpa

Zur Zeit laufen nach seinen Angaben nur noch drei Verfahren, und in denen gehe es auch »nicht zwingend um Zahlungsklagen, sondern um Vertragsangelegenheiten«. In einem Fall handele es sich um ein Kündigungsschutzverfahren nach einer Entlassung.

Was ist konkret vorgefallen? Laut dem Direktor des Arbeitsgerichtes Paderborn, Holger Kuhlmey, gingen im vergangenen Jahr etwa 20 Zahlungsklagen gegen das Unternehmen ein. »Die Firma ist beim Lohn teilweise mit mehreren Monaten in Verzug geraten, für die Betroffenen ist das natürlich bitter«, sagte er.

Gütetermine verpufften wirkungslos

In der Reinigungsbranche würden ohnehin keine üppigen Löhne bezahlt. Auch im Wachschutz und in kleineren Baufirmen gebe es immer wieder mal Probleme mit der regelmäßigen Lohnzahlung: »Bei Benteler und Diebold-Nixdorf passiert so was nicht.« Zu den vom Gericht anberaumten Güteterminen sei von der beklagten Seite häufig niemand gekommen, sagte Kuhlmey zum konkreten Fall.

Vor zwei Jahren hatte die Vorläuferfirma G + J Services in Bad Lippspringe für Negativschlagzeilen gesorgt. Dort sollen Löhne nicht gezahlt worden sein. Es folgten Ermittlungen wegen Insolvenzverschleppung, das Verfahren wurde aber im November 2017 eingestellt.

Als damals die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bekannt geworden waren, hatte der Kommunalpolitiker sein Amt als FDP-Fraktionschef in Paderborn aufgegeben und seinen Austritt aus der Fraktion und der Partei angekündigt.

Die alte Reinigungsfirma ging in der neuen auf, der Geschäftsführer blieb derselbe. Jetzt wiederholen sich die Vorwürfe gegen ihn, wonach Löhne nicht oder nur teilweise gezahlt wurden.

»Kunden ohne Ende verloren«

»Vor zwei Jahren, als Vorwürfe gegen mich hoch ploppten, weil ich FDP-Ratsherr war, ging nach der Berichterstattung mein Umsatz stark zurück«, sagte der Geschäftsführer jetzt dieser Zeitung. Er habe »Kunden ohne Ende verloren«, vom einstigen Umsatz von drei Millionen Euro und der Belegschaft von 150 Mitarbeitern seien heute noch 20 Prozent beziehungsweise 25 Beschäftigte übrig geblieben. Die 25 Mitarbeiter würden »natürlich ordnungsgemäß bezahlt«.

Zur aktuellen finanziellen Situation seiner Firma sagte der Geschäftsführer: »Wir sind nicht auf Rosen gebettet, aber auch nicht pleite.« Der Preiskampf in der Reinigungsbranche sei »extrem«, er habe auch damit zu kämpfen, dass Kunden teilweise erst nach zwei, drei Monaten ihre Rechnungen bezahlten.

Durch die Berichterstattung damals fühlte sich der Geschäftsführer nach seinen Angaben vorverurteilt. Auch jetzt spricht er von einer »Hexenjagd gegen ein kleines Unternehmen«.

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