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Anwohner der Domschule in Paderborn machen sich Sorgen

LWL-Wohnprojekt in der Kritik

Paderborn  (WB). Am Bischofsteich kochen die Gemüter. Das geplante Neubauprojekt auf dem Gelände der ehemaligen Domschule sorgt für reichlich Zoff. Das ist am Dienstagabend bei der Bürgerinformations-Veranstaltung deutlich geworden.

Ingo Schmitz

Die geplante Bebauung der ehemaligen Domschule ruft die Kritik der Anlieger hervor. Foto: Ingo Schmitz

Initiiert hatte das Treffen die CDU-Ratsfrau Sigrid Tenge-Erb, in deren Wahlkreis das Projekt liegt. Mehr als 100 Zuhörer waren gekommen, um sich zu informieren und ihren Ärger abzulassen. Am Ende einigten sich die Teilnehmer auf drei Punkte, um die sich nun Politik und Verwaltung kümmern sollen. Dabei geht es um die Lösung des Verkehrsproblems, die Frage, warum keine kleinteilige Bebauung erfolgen kann und warum in Nachbarschaft des Kindergartens ein Appartementhaus für Psychisch Kranke errichtet werden soll.

Angeheizte Stimmung

In angeheizter Stimmung versuchte Ratsfrau Tenge-Erb gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Bauausschusses, Dietrich Honervogt, die Bürger auf den aktuellen Stand zu bringen. Denn der Plan ist seit der ersten Versammlung im Juli weiter verändert worden. Unter anderem steht nun fest, dass die Baumreihe an der Parkpalette schützenswert ist und bestehen bleiben soll. Außerdem sollen die ehemals als zwei Riegel geplanten Gebäude anders aufgeteilt werden: Der Riegel direkt an der Straße Bischofsteich wird demnach unterteilt, um für eine Auflockerung zu sorgen. Dadurch können nur noch 25 Wohneinheiten entstehen. Der rückwärtige Riegel parallel zur Parkpalette soll ebenfalls kleiner als ursprünglich geplant ausfallen. An dieser Stelle möchte der LWL ein Appartementhaus für zwölf Psychisch Kranke errichten, die mit technischer wie persönlicher Unterstützung selbstständig leben sollen.

Die Kritik der Anwohner von Bischofsteich, Greitelerweg, Rolandsweg, Sander-Wietfeld-Ring und Tegelweg richtet sich vor allem gegen die massive Verdichtung. Anwohnerin Dr. Juliane Ohm empörte sich, dass ihr eingereichter Vorschlag für eine kleinteilige Bebauung von der Verwaltung nicht weiter verfolgt werde. „Wir brauchen dringend Wohnraum für Familien“, kritisierte Dr. Ohm den Bau der Komplexe.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Sorge der Anwohner vor dem möglichen Wohnprojekt der LWL. „Wer sind die Menschen, die dort einziehen werden? Sind das kriminelle Suchtkranke?“, wollten die Anwesenden wissen.

Einrichtungsleiter Karl-Josef Feischen

Einrichtungsleiter Karl-Josef Feischen des LWL-Wohnverbundes Paderborn machte mehrfach deutlich, dass er sich mit aller Vehemenz für das Projekt an dieser Stelle einsetzen werde. Er verwies darauf, dass es sich bei dem Appartementhaus eben nicht um eine Einrichtung handele. Vielmehr sei es Wohnraum für Menschen, die Hilfe benötigten und in der Regel arm seien. Es seien Betroffene mit Depressionen, Persönlichkeitsstörungen oder auch mit Suchterkrankungen. Sie sollen dort mit Unterstützung von Technik und durch persönliche Betreuung ein selbstständiges Leben führen können – und zwar integriert in der Nachbarschaft, betonte er. Das Konzept sei erfolgreich. Schon jetzt gebe es im Goldgrund, an der Grünenbaumstraße und an der Detmolder Straße vergleichbare Projekte, wo die Bewohner völlig unauffällig lebten – bislang ohne Zwischenfälle. Im Gegenteil: „Wenn wir kommen, bringen wir etwas mit“, sagte Feischen. Im Goldgrund habe man ein Stadtteil-Café ins Leben gerufen und eine Fahrradwerkstatt. Auch mit dem Kindergarten gebe es – obwohl es zuvor Proteste gab – gute Kooperationen. Darüber hinaus verwies er darauf, dass es nahezu in jeder Familie Psychisch Kranke oder Menschen mit Demenz gebe.

Zur Lösung des Verkehrsproblems kam ein Vorschlag aus den Reihen der Bürger: Sie fordern, dass zur Rush-Hour am Greitelerweg/Bischofsteich eine Ampel zur Entschärfung der Situation beitragen soll. Mit dem Wunsch muss sich nun die Verwaltung befassen.

Außerdem bleibt die Forderung nach einer kleinteiligen Bebauung bestehen. Und noch eine Frage interessiert die jungen Familien: Wann kommt der Spielplatz?

Kommentar von Ingo Schmitz

Warum ausgerechnet hier? Ein Teil der Anlieger der Domschule versteht die Welt nicht mehr, warum vor ihrer Nase zwei Betonklötze errichtet werden sollen. Daher ist es gut, dass sie – wie vom Gesetzgeber gefordert – an der Planung beteiligt werden. Schlecht ist aber, wenn man gleichzeitig – wie Dietrich Honervogt es mehrfach in der CDU-Info-Veranstaltung getan hat – konsequent ausschließt, dass es hier eine Bebauung mit Einfamilienhäusern geben wird. Dann macht eine Bürgerbeteiligung aus Sicht der Anlieger eben keinen Sinn. Insgesamt konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich um eine vorgezogene Wahlveranstaltung handeln sollte. Ob diese aber den gewünschten Erfolg haben wird, bleibt mehr als abzuwarten. Einzig Karl-Josef Feischen vom LWL hat das Format mit seiner Kompetenz und seinem ehrgeizigen Kampf für das Projekt „Appartementhaus“ retten können. Der Schuss könnte hier für die CDU nach hinten losgehen, wenn sie es nicht schafft, die Kritikpunkte sauber abzuarbeiten.

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