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Harte Zeiten: Bürger beschweren sich beim Paderborner Winterdienst über ungeräumte Straßen

„Manche drohen sogar mit der Polizei“

Paderborn

Auch am Tag drei des großen Wintereinbruchs hatten die Räumdienste im Kreis Paderborn alle Hände voll zu tun, die Schneemassen zu beseitigen. Beim ASP in Paderborn standen die Telefone nicht still: Viele eingeschneite Anlieger beschwerten sich – wie auch schon am Montag – dass manche Bereiche immer noch nicht geräumt waren.

Ingo Schmitz

Ein Knochenjob: Eugen Kappes wuchtet an der Detmolder Straße in Paderborn die Mülltonnen über die Schneeberge. Bis zu 1000 Behälter sind es für jeden Mitarbeiter des ASP in einer Schicht. Die Bürger werden gebeten, den Mitarbeitern die Arbeit zu erleichtern. Foto: Ingo Schmitz

„Man ist schon erstaunt über den Ton, den manche Bürger anschlagen. Ein Anrufer hat gedroht, die Polizei zu alarmieren“, berichtete ASP-Geschäftsführer Dietmar Regener auf WV-Anfrage. Viele hätten kein Verständnis für die Situation. Die Besonderheit sei aber diesmal, dass es von Samstagabend an durchgehend geschneit habe. „Wo die Räumdienste durchgefahren sind, bildete sich sofort wieder eine Schneedecke“, sagte Regener. Erst nach der Pause am Montag habe das Salz endlich eine Chance gehabt, zu wirken. „Je mehr Autos durch den Schneematsch fahren, desto besser kann das Salz die Masse auftauen“, erklärte der ASP-Geschäftsführer. Problematisch blieb auch am Dienstag die Situation in Paderborns Anliegerstraßen. „Die Schneemengen sind extrem groß. Wenn wir da mit dem Schneepflug durchfahren, verschlimmern wir die Situation, weil sich Eis bilden kann“, erläuterte er die Situation. In Dahl, Neuenbeken und Wewer sowie in der Paderborner Südstadt waren am Dienstag Radlader im Einsatz, um den Schnee abzutransportieren. Dies sei aber nicht überall möglich. Der ASP müsse sich zunächst auf die Steigungsstrecken konzentrieren. Problematisch sei auch das Riemekeviertel wegen der geparkten Fahrzeuge: „Wir werden uns dort alle Straßen ansehen und bewerten.“

Für die Mitarbeiter im Entsorgungsbereich des ASP bedeuten die Schneeberge an den Straßenrändern eine echte Knochenarbeit. Pro Schicht entleert jeder Beschäftigte 800 bis 1000 Behälter. Am Dienstag mussten die vollen Tonnen über die Schneeberge gehievt werden. ASP-Leiter Reinhard Nolte appellierte daher an die Bürger, den Mitarbeitern die Arbeit zu erleichtern: „Ich bitte um die Mithilfe der Anlieger bei der Bereitstellung der Behälter. Meine Mitarbeiter arbeiten sehr motiviert, stoßen aber durch die erschwerten Bedingungen an die Grenzen ihrer Kräfte.“ Die Bürger sollten nach Möglichkeit den Zugang zu den Behältern freihalten und den festgefrorenen Inhalt beispielsweise mit einem Spaten von den Wänden lösen, damit er herausrutschen kann. „Das gilt ganz besonders für die Bioabfälle, die in der kommenden Woche an der Reihe sind“, so Nolte.

Einige Bushaltestellen wie hier in Schloß Neuhaus waren auch am Dienstag noch nicht geräumt. Foto: Jörn Hannemann

Etwas entspannter ist die Situation beim Gebäudemanagement der Stadt. Nach der Katastrophe von Bad Reichenhall, wo vor 15 Jahren das Dach einer Eishalle unter der Schneelast einbrach, hat das GMP ein besonderes Augenmerk auf die Flachdächer der städtischen Gebäude. Sie würden regelmäßig überprüft, sagte Pressesprecher Jens Reinhardt. Aktuell müsse man sich keine Sorgen machen, hieß es beim GMP, weil die Schneelast nicht übermäßig groß sei. Nichtsdestotrotz werde man die Lage weiter im Blick behalten.

Im Kreis Paderborn blieb die Verkehrslage am Dienstag trotz teilweise glatter Straßen ruhig. Die Polizei musste sieben Unfälle aufnehmen. Um 8.40 Uhr prallte ein Audi-S6-Fahrer auf der B1 zwischen Wewer und Salzkotten gegen die Leitplanken. Den Schaden schätzte die Polizei auf 5500 Euro. Um 8.30 Uhr fuhr sich ein Lkw-Fahrer bei Benhausen im Graben fest, den er wegen der Schneemassen nicht gesehen hatte. Die Bergung des Sattelzugs dauerte gut drei Stunden.

In der Paderborner Südstadt blieben mehrere Autos liegen. Eine junge Autofahrerin, die mit ihren zwei kleinen Kindern unterwegs in einer Schneewehe stecken geblieben war, rief die Polizei. Ein Bezirksbeamter eilte zur Hilfe und schaufelte das Auto mit weiteren Helfern wieder frei. An den Steigungen des Liboribergs zur Kasselertor-Brücke kam es im Berufsverkehr zu Behinderungen, weil sich Autos, Lastwagen oder Busse quer stellten. Der Winterdienst sorgte hier für Abhilfe.

Dort, wo die Schneemassen zu groß sind, werden sie abtransportiert und am Löffelmannweg abgeladen. Foto: Jörn Hannemann

Die Polizei im Kreis Paderborn teilte zudem mit, dass die Straßensperrungen der L636 zwischen Bad Wünnenberg-Haaren und Fürstenberg sowie der L751 zwischen Bad Wünnenberg-Haaren und Böddeken aufgehoben worden sind. Auch die K26 von Lichtenau nach Willebadessen werde wieder freigegeben. Die L763 bleibe jedoch weiter gesperrt. Die Polizei warnte dennoch vor weiteren Schneeverwehungen.

Nach Auskunft der Nordwestbahn bleibt der Betrieb auf den Linien RB 74 (Paderborn - Bielefeld), RB 75 (Osnabrück - Bielefeld), RB 84 (Paderborn - Kreiensen) und RB 85 (Ottbergen - Göttingen) bis voraussichtlich Mittwoch, 12 Uhr, eingestellt. Ein Busnotverkehr könne nicht eingerichtet werden. Der Padersprinter vermeldete am Dienstag, dass der Busverkehr wieder aufgenommen worden sei. „Allerdings können wir momentan vereinzelte Haltestellen in Dahl, Neuenbeken und Wewer sowie im Neubaugebiet Springbach Höfe nicht bedienen.“

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