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Bibliothek soll neben barrierefreiem Zugang einen Lesegarten erhalten

Mangel wird zur Chance

Paderborn (WB). Für die Zen­tralbibliothek gibt es immer noch keinen barrierefreien Zugang. Das soll sich jetzt ändern, aber die Leiterin der Bibliothek, Katrin Stroth, und die Verwaltung planen noch mehr. Ein Lesegarten mit gläsernem Pavillon soll das Gelände erheblich aufwerten, so dass es in der attraktiven Kulisse von Dom, Pader und Kaiserpfalz nicht länger wie ein Fremdkörper wirkt. Die Pläne stießen bei den Mitgliedern des Kulturausschusses einhellig auf Zustimmung.

Dietmar Kemper

Das Areal der Zen­tralbibliothek soll erheblich aufgewertet werden. Das sehen Pläne des Kulturausschusses vor. Foto: Jörn Hannemann

„Es geht nicht nur um Barrierefreiheit, sondern um das Gesamtensemble“, betonte Stroth. Bislang gebe es nur einen sehr beschwerlichen Nebeneingang für Rollstuhlfahrer und die denkmalgeschützte Außenfassade begrenze den Spielraum erheblich. Allerdings könne man auf der Rückseite aus einer Fenster- eine Türöffnung machen und mittels einer langgezogenen Rampe einen barrierefreien Zugang ermöglichen, erläuterte Stroth. Weil die Rampe bis zu sieben Parkplätze koste, solle man gleich ganz auf die bisherigen Abstellflächen verzichten und das Gelände in einen Lesegarten umwandeln.

Gläserner Pavillon soll auch Toiletten enthalten

Stroth schwebt ein gläserner Pavillon vor, der auch Toiletten enthält, denn eine barrierefreie Toilette im Haus sei nicht möglich. Der Pavillon solle multifunktional nutzbar sein, zum Beispiel für Workshops und Kulturveranstaltungen. Gläsern solle er deshalb sein, um psychisch Kranken, die ein geschlossenes Gebäude meiden, trotzdem Zugang zu Büchern und anderen Medien zu verschaffen. Was Stroth besonders missfällt, ist „der riesig hässliche Trafo als Anziehungspunkt für die Drogenszene“. Zudem befinden sich auf dem Gelände Hindernisse wie Poller und Absperrketten und die Rückgabebox für Bücher.

Kosten beliefen sich auf mehr als eine Million Euro

Für die Umgestaltung des Geländes samt Verlegung des Trafos schätzt die Verwaltung die Kosten auf etwa 786.000 Euro. Der Pavillon würde etwa 400.000 Euro verschlingen. Stroth sprach von einer „Superchance“ und einer „extremen Aufwertung“. Dezernent Wolfgang Walter sagte: „Die Barrierefreiheit ist ein Hebel, um das Gelände zu überplanen und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.“

Dieter Honervogt von der CDU riet zum Klotzen statt Kleckern: „Das ist eine der schönsten Ecken von Paderborn. Wenn, dann muss der Pavillon Anspruch haben.“ In diesem Punkt war sich Carsten Büsse (SPD) mit Honervogt einig: „Den Pavillon sollten wir uns nicht zu wenig kosten lassen.“ Er sei auch ein attraktives architektonisches Stilelement, weil so eine moderne Verbindung zum alten Gebäude entstehe. Als „sehr gute Lösung“ bezeichnete Sabine Kramm von den Grünen die Pläne. Zudem sei es für die Barrierefreiheit höchste Zeit. „Die hätte auch längst verwirklicht sein müssen“, sagte Johannes Knaup (LKR), der mit Blick auf die Machbarkeitsstudie von einer „mutigen Konzeption, die dem Platz sehr gut tut“, sprach.

60 Prozent der Maßnahme könnten eventuell aus Förderprogramm kommen

Die Technische Beigeordnete Claudia Warnecke deutete an, dass das Projekt in Verbindung mit der Baumaßnahme an der Michaelstraße mit 60 Prozent aus einem Förderprogramm bezuschusst werden kann. Dafür komme das eigens für Stadtzentren aufgelegte Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) infrage. Als nächstes ist jetzt der Bauausschuss am Zug. Deren Mitglieder müssen die Feinjustierung vornehmen – auch was Größe und Kosten des Pavillons anbetrifft.

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