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Kanapathipillai Ganeshalingam ist seit 20 Jahren selbständig

Masseur vertraut seinen Händen

Paderborn (WB). Kanapathipillai Ganeshalingam ist aufgrund einer angeborenen Augenerkrankung nahezu blind. In seinem Beruf behindert das den 62-Jährigen allerdings nur wenig. Denn als Masseur sieht er mit den Händen. Seit 20 Jahren hat er seine eigene Praxis und will gerne noch einige Jahre weiterarbeiten.

Maike Stahl

Seit 20 Jahren arbeitet Kanapathipillai Ganeshalingam trotz nahezu vollständiger Erblindung als selbständiger Masseur mit eigener Praxis. Seine Frau Naguleswary unterstützt ihn. Foto: Schwabe

Möglich macht das neben einigen technischen Hilfen, zum Beispiel in der EDV, vor allem seine Frau Naguleswary, die für ihn mitsieht, ihm in der Buchhaltung die Aufgaben abnimmt, die er selbst nicht bewältigt und ihn zu Hausbesuchen fährt. »Und die Patienten helfen auch kräftig«, sagt Ganeshalingam mit einem dankbaren Lächeln. Er habe immer gewusst, dass er es schaffen kann, in Deutschland ein selbstbestimmtes Leben zu führen, daher möchte er auch anderen Mut machen, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen.

Kanapathipillai Ganeshalingam leidet an Renitinitis Pigmentosa, einer chronischen Zerstörung des Augenhintergrundes. Auf einem Auge ist er komplett erblindet, auf dem anderen kann noch Konturen erkennen.

1985 ist das Ehepaar vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka nach Deutschland geflohen. »Das war eine schwere Zeit«, erinnert sich der 62-Jährige. Nach einer Rehabilitationsmaßnahme in Düren hat er in Mainz eine einjährige Spezialausbildung zum Masseur absolviert. Erste Praxiserfahrung hat er in seinem 18-monatigen Praktikum in einer Bad Lippspringer Reha-Klinik gesammelt und später in einer Paderborner Praxis, wo er sich einen eigenen Patientenstamm aufbaute.

Kanapathipillai Ganeshalingam

»Viele von ihnen sind mir bis heute treu«, erzählt Ganeshalingam. Eine Patientin kennt er sogar seit 24 Jahren noch aus seiner Zeit in Bad Lippspringe. Ein großer Teil der Patienten ist geblieben, ihr Masseur hat sich in den Jahren allerdings stetig weiterentwickelt. Unzählige Fortbildungen hat Ganeshalingam absolviert, der sich auf Kopfschmerztherapie und die Behandlung von Menschen spezialisiert hat, die an Krebs erkrankt sind. »Die Leute, die hierher kommen, brauchen oft sehr dringend Hilfe«, sagt er. Er habe spezielle Behandlungstechniken erlernt, die auch in der Palliativtherapie eingesetzt werden. »Ich versuche, ihnen ihre Schmerzen zu nehmen und bin für manche auch bis zum Schluss da«, berichtet er. Lymphdrainage, Marnitz- und Atemtherapie wendet er dabei beispielsweise an.

Dabei sei auch für ihn nicht immer einfach, mit schwerstkranken Patienten zu arbeiten. »Aber andererseits ist es ein gutes Gefühl, ihnen ihren Weg ein wenig erleichtern zu können.« Die Patienten und ihre behandelnden Ärzte wissen seine Arbeit offenbar zu schätzen. »Viele reisen von weither aus der Region an, weil ich ihnen in der Rehaklinik bereits empfohlen wurde«, erzählt er. Seit drei Jahren nehme er aber keine neuen Patienten mehr auf, da er seine Arbeitszeit auf 30 Stunden reduziert habe. »Mir ist wichtig, dass ich selbst gesund bleibe und noch ein paar Jahre weitermachen und für meine Patienten da sein kann.« Bei besonders speziellen Fällen, macht Ganeshalingam allerdings doch noch Ausnahmen seines selbstverordneten Aufnahmestopps. »Ich weiß, wie schwer es für sie ist, deshalb nehme ich manche dann doch noch auf.«

Das 20-jährige Bestehen seiner Praxis feiert der 62-Jährige am 10. November mit Wegbegleitern und Freunden.

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