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Thomas Behling zeigt seine Bildobjekte im Städtischen Kunstverein

Mehr als eine Lkw-Trennwand

Paderborn (WB). Thomas Behling spielt mit der Bedeutung von alt und neu. Alte Bilderrahmen füllt er auf ungewöhnliche Weise neu, er benutzt Tradition, um mit ihr zu brechen. Wie der Künstler das macht, führt die Ausstellung »Behling, Bilder, Sensationen« vor Augen.

Dietmar Kemper

Neu und alt: Auch eine Lkw-Trennwand kann zu Kunst werden, wenn man in ihr eine Brücke zu Caspar David Friedrich und dessen Werk »Abtei im Eichwald« schlägt. Thomas Behling verbindet Dinge und Zeiten, die scheinbar unvereinbar sind. Foto: Dietmar Kemper

Die Schau ist von diesem Samstag an bis zum 24. März im Kunstverein an der Westernstraße zu sehen. »Ich arbeite mit der Bilderwelt, die früher die Wohnzimmer schmückte und die man heute im Sperrmüll wiederfindet«, sagte der 39-Jährige am Donnerstag. Er mache »Sachen, die den Anschein erwecken, als wären sie Fundstücke, die viel älter daherkommen, als sie es in Wirklichkeit sind«.

Von Motten zerfressene Datteln

Ein Beispiel für seine Kunst empfängt die Besucher gleich zu Beginn des Rundgangs. Bei seiner Arbeit »DU-Munition (Genesis 3, 1991-2003)« bediente sich Behling des Motivs des Bildstocks. Zwischen einem hinterleuchteten Bild und der vorderen Glasscheibe befinden sich von Motten zerfressene Datteln. Auf einem Nest aus Rohren thront ein Weißkopfseeadler als Symbol für die USA.

Behlings Kunst ist auch politisch

Die US-Armee verwendete in den Golfkriegen 1991 und 2003 im Irak, einem Exporteur von Datteln, panzerbrechende Uranmunition. Politisch wird Behling, der sich aber selbst nicht als politischer Künstler begreift, immer wieder mal: zum Beispiel auch bei »We love German Weapons«, bei dem er ein Foto des von Saudi-Arabien so begehrten Leopard-Panzers in einen scheinbar alt wirkenden schwarzen Rahmen aus Totenköpfen eingefügt hat.

Ein Faible für Kitsch

Die Illusion des Alten verstärkt Behling durch Staub und Schmutz. »Ich arbeite sehr viel mit Kitsch«, erläuterte er und nannte Postkarten von Heiligen oder scheinbar glücklichen Landstreichern als Beispiele. Der 39-Jährige stammt aus Hannover und lebt inzwischen in Berlin. Bildende Kunst studierte er in Ottersberg und Bremen. »Als ich anfing, habe ich auf Flohmärkten gezielt nach alten Rahmen gesucht, heute bringen andere sie mir mit«, erzählte er.

Wie Behling alte Kunst zu neuen Werken verarbeitet, interessiert nicht nur die Vorsitzende des Kunstvereins, Alexandra Sucrow. Diejenigen im Verein, die die Künstler für die Ausstellungen aussuchen, seien sich schnell einig gewesen, Thomas Behling einzuladen, berichtete Sucrow. Jetzt hofft sie, dass die Schau möglichst viele Kunstfreunde anlocken wird. In der Reihe »Kunstgenuss im Kunstverein« wird Alexandra Sucrow am Donnerstag, 21. März, um 17.30 Uhr Besucher durch die Ausstellung führen. Die erleben dann, wie Behling mit Illusionen arbeitet, sie aber auch wieder entzaubert.

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