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Zahl erneut zugenommen

Mehr Bürger im Kreis Paderborn melden Fälle von Kindeswohlgefährdung  

Paderborn

Die Meldungen zu möglichen Fällen von Gefährdungen des Kindeswohls haben 2022 im Kreis Paderborn wieder zugenommen. 518 Mal haben sich Nachbarn, Ärzte, Lehrer oder andere an das Kreisjugendamt gewandt. Nicht in jedem Fall waren Kinder so gefährdet, dass der Kreis sie aus Familien nehmen musste. Für Amtsleiter Günther Uhrmeister zeigt die gestiegene Zahl auch, dass mehr Menschen für das Thema sensibilisiert sind.       

Symbolbild. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild

Zahlen der Kindesschutz-Gefährdungsstatistik für das Jahr 2022 stellte das Kreisjugendamt in der jüngsten Sitzung des Kreisjugendhilfeausschusses zur Verfügung.  Der ausführliche Geschäftsbericht für 2022 soll im April folgen. 

Im Vergleich zu 2021 stieg die Zahl der Meldungen von 467 auf 518 in 2022. Zwei Jahre zuvor, im ersten Pandemie-Jahr, waren es 628. Aufgrund der Meldungen aus dem vergangenen Jahr überprüften die Mitarbeiter des Kreisjugendamtes bei mehr als 900 Kindern, unter welchen Umständen sie leben. 2021 waren es 971, ein Jahr zuvor 1244. 

In 204 der 518 Fälle mussten die Mitarbeiter des Kreisjugendamtes während einer Kontrolle eine gefährdende Situation für Kinder abwenden: Sie verpflichteten Familien etwa, Hilfe anzunehmen, erstellten Schutzpläne oder mussten Kinder aus den Familien nehmen.

Günther Uhrmeister ist Leiter des Kreisjugendamtes Paderborn. Foto: Kreis Paderborn

Kreisjugendamt Paderborn: 93 Fälle von Inobhutnahme

Konkret waren es 93 der 204 Fälle, in denen das Kreisjugendamt Kinder in die sogenannte Inobhutnahmen nehmen mussten. Entscheidend kann hier sein, dass Eltern nicht ausreichend kooperieren können oder wollen.  Betroffen waren aber auch unbegleitete, minderjährige Kinder aus dem Ausland. 2021 betrug die Zahl der Inobhutnahmen 71, ein Jahr davor 87. 

Bei 314 der 518 Meldungen reichte es bei der Risikoeinschätzung durch das Kreisjugendamt aus, dass betroffene Familien in freiwillige Präventionsangebote einwilligen. Wichtig: In 133 Fällen stellte das Kreisjugendamt nach eigenen Angaben fest, dass keine Kinder gefährdet sind. In 181 Fällen erhielten die Familien Beratungs- und Unterstützungsangebote auf freiwilliger Basis.

Geht nicht darum, andere zu denunzieren

Aus Sicht von Günther Uhrmeister, seit 2015 Leiter des Kreisjugendamtes, zeigt die Zahl von 518 Hinweisen in 2022: „Das System scheint zu funktionieren.“ Dabei gehe es nicht darum, andere zu denunzieren. Dennoch zeige die seit Jahren zunehmende Zahl der Hinweise, dass „die Menschen genauer hinschauen“, so Uhrmeister. Sei es in Schulen, in der Nachbarschaft, in Kinderarztpraxen oder bei der Polizei.

Das Kreisjugendamt ist für alle Kommunen im Kreis zuständig, außer für die Stadt Paderborn. Diese hat ein eigenes Jugendamt. Insgesamt leben in den neun verbleibenden Kommunen etwa 35.000 Kinder.  Von den 100 Mitarbeitern des Kreisjugendamtes kümmern sich 30 um Meldungen möglicher Gefährdung des Kindeswohles. Immer zwei Mitarbeiter prüfen die Fälle, dokumentieren sie beispielsweise. Auch, um die Bearbeitung intern und nach außen nachvollziehbar zu machen.  Zudem gibt es drei Regionalstellen des Kreises in Paderborn, Delbrück und Büren, von wo aus Mitarbeiter zu Fällen ausrücken. 

Lügde könnte Bürger sensibilisiert haben 

Dass die Zahl der Meldungen auch im Paderborner Jugendamt zunehmen, bestätigte Petra Erger, Leiterin des Jugendamtes, im vergangenen Jahr. Erger führte das auch auf die erschütternden Fälle sexuellen Missbrauchs auf dem Campingplatz Eichwald im lippischen Lügde zwischen Anfang 2008 und 2018 zurück. 

Vor allem die Fälle wie Lügde hätten laut Uhrmeister gezeigt, dass die Gesellschaft aufmerksam sein müsse. Und: „Auch wir müssen mit Kritik offen umgehen“, betont Uhrmeister mit Blick auf die zuständigen Verwaltungen. Dennoch stehe über allem, das Recht der Kinder auf Gesundheit, Erziehung und Bildung sicherzustellen. Und es gelte die Prämisse, so Uhrmeister, dass „Kinder zu ihren Eltern gehören“. Uhrmeister: „Wir müssen aber genau hinschauen.“ 

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