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Stefanie Schmidt organisiert in Paderborn Mahnwache gegen Altersarmut

„Meine Kinder sollen nicht für mich aufkommen müssen“

Paderborn (WB). „Es ist eine stille Armut, viele Rentner sammeln im Geheimen Pfandflaschen“ – Die gehörlose Stefanie Schmidt (37) aus Borchen zeigt sich besorgt über die älteren Leute in Paderborn. Zunehmend mehr Menschen suchten Pfandflaschen im Müll, um ein paar Cents dazuzuverdienen. „Früher sah ich in Parks in einer Stunde vielleicht mal eine Person, die den Müll durchsucht hat. Heute sehe ich etwa zehn Leute“, sagt Daniel Knillmann (42) aus Paderborn.

Kevin Müller

Organisieren die Mahnwache in Paderborn: Stefanie Schmidt (37) aus Borchen und Daniel Knillmann (42) aus Paderborn. Foto: Kevin Müller

Zusammen organisieren die beiden am Sonntag, 26. Januar, im Rahmen der bundesweiten Fridays- gegen-Altersarmut-Bewegung eine Mahnwache vor dem Rathaus in Paderborn. Von 14 bis 17 Uhr soll auf Umstände und Gründe von Altersarmut hingewiesen und die Forderungen der Bewegung vorgestellt werden.

Schmidt wird als Gebärdendolmetscherin agieren

Mit zehn Teilnehmern an der Mahnwache sei bereits fest zu rechnen. Die Hoffnung auf mehr interessierte Helfer bestehe natürlich weiterhin: Knillmann und Schmidt sind zuversichtlich, dass die Mahnwache ausreichend Aufmerksamkeit erregen kann. Eine Besonderheit aufweisen kann neben der Veranstaltung in Paderborn auch die Aktion in Herford. Denn mit Stefanie Schmidt als Mitorganisatorin bietet sich noch eine besondere Möglichkeit an. Dank ihrer Unterstützung können die beiden Mahnwachen für Gehörlose barrierefrei gestaltet werden: Schmidt wird als freiwillige Gebärdendolmetscherin agieren, um so auch Leuten mit Höreinschränkungen den Zugang ermöglichen zu können.

Mahnwache auch in Herford

Da sie nicht zeitgleich in Paderborn und Herford anwesend sein kann, wurde die Mahnwache in Paderborn folglich auf den Sonntag verschoben. Schmidt ist aber auch aus Eigeninteresse bei der Mahnwache tätig. So sagt die zweifache Mutter: „Bei Veranstaltungen wie Fußballspielen sieht man immer wieder ältere Menschen am Stadion, die an Mülleimern nur darauf warten, Pfandflaschen sammeln zu können, um etwas nebenher zu verdienen. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, haben es Behinderte noch ein ganzes Stück schwerer. Da macht sich auch bei mir eine Ungewissheit breit, wie es in Zukunft aussehen wird. Ich bin alleinerziehend, von daher ist es schwierig, nebenher noch viel zu arbeiten. Meine Kinder sollen nicht für mich aufkommen müssen.“

Knillmann fügt hinzu, dass “das Rentenniveau in Deutschland das niedrigste in der gesamten EU ist”. Unter anderem wegen dieser Argumente hätten sich beide entschlossen, in Paderborn die Organisation der Mahnwache zu übernehmen. „Dabei sollen keine großen Reden gehalten werden, sondern beispielsweise Flugblätter verteilt werden, um möglichst viele Leute über die Umstände zu informieren“, fährt Knillmann fort. Den Politikern solle Druck gemacht werden. Durch wachsende Aufmerksamkeit und dadurch steigende Teilnehmerzahlen solle es dann zukünftig nicht länger möglich sein, das Problem auf politischer Ebene zu ignorieren. Der Paderborner bleibt allerdings realistisch: „Für richtige Demos ist es noch zu früh. Wir fangen ja gerade erst an mit den Aktionen. Demnächst steht in Planung, erste Lösungsvorschläge zu unseren Forderungen auszuarbeiten. Falls unsere Reichweite dann groß genug geworden ist, kann eventuell auch über Demos nachgedacht werden.“

Als Ort zum Austausch über die Aktion steht in Paderborn die Facebook-Gruppe „Paderborn Fridays gegen Altersarmut und Barrierefreie DGS“ zur Verfügung. Für die Mahnwache am 26. Januar werden auch noch Freiwillige Helfer gesucht. Interessierte können sich bei Stefanie Schmidt per E-Mail unter info@steffis-dgs.de melden.

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