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Kreis will Schutzverordnung und eine allgemeine Kastrationspflicht

Meldepflicht für alle Katzen

Paderborn (WB/bel). 1000 aufgegriffene herrenlose Streuner und 200 elendig verendete Katzen pro Jahr. Dem will der Kreis Paderborn ein Ende mit einer umfassenden Kastrations- und Melde- sowie Registrierungspflicht bereiten. Tausende von Katzenhaltern im Kreis sind davon betroffen.

Eine Katze streunt über einen Weidezaun in freier Wildnis. Das scheinbar idyllische Bild trügt jedoch. Das Leben in der Wildnis ist für die Tiere mit Elend, Hunger und Tod verbunden. Viele Katzen werden auch ausgesetzt, hunderte von Tieren verenden jedes Jahr. Foto: dpa

Die Bündnisgrünen im Kreis Paderborn hatten im Oktober 2018 einen entsprechenden Antrag auf eine Katzenschutzverordnung angesichts des zunehmenden Katzenelends bei frei lebenden Tieren eingebracht. Futtermangel, Verwilderung und eine Populationsexplosion wurden als Ursache für das Elend benannt. Abgesehen davon, dass eine Hauskatze nicht für das Leben in der Wildnis geeignet sei, können sich unkastrierte Katzen zwei- bis dreimal im Jahr fortpflanzen, was die Situation noch weiter verschärfe, so die Grünen. Sie verwiesen zudem auf Schutzverordnungen in anderen Kreisen in NRW.

Jedes Jahr werden 1000 Katzen aufgegriffen

Diese Misere sieht auch die Kreisverwaltung und bringt jetzt in die politischen Gremien eine entsprechende Verordnung ein. Auch nach den Zahlen des Veterinäramtes ist die Situation dramatisch: Jedes Jahr würde kreisweit 1000 Katzen aufgegriffen, die fast ausnahmslos keinen Halter hätten. Etwa 80 Prozent nur dieser aufgegriffenen Tiere litten an Unterernährung, ansteckenden Krankheiten wie Katzenschnupfen, Katzenseuche, Viruserkrankungen, Parasitenbefall oder Verletzungen. Auch im vergangenen Jahr habe man 200 verendete Tiere gefunden, doch hier sei von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, da schwerkranke Tiere sich üblicherweise zurückziehen und verstecken. All dies gilt natürlich auch für ausgesetzte Tiere.

Die Städte Paderborn und Büren haben deshalb bereits eine Kastrationspflicht eingeführt. Doch um das Elend zu beenden, scheint dies auch nach Auffassung des Kreises nicht ausreichend zu sein. Denn obwohl die beiden Stadtgebiete mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, würden immer noch zahlreiche Tiere durch Tierschutzvereine oder Ordnungsbehörden aufgegriffen, versorgt, kastriert und teilweise auch verwahrt. Einen wichtigen Grund für eine große flächendeckende Maßnahme sieht der Kreis darin, dass die Streifgebiete von unkastrierten Katzen sich über 20 bis 60 Hektar erstecken. Ein weiterer positiver Nebenaspekt einer Registrierungs- und Kennzeichnungspflicht sei zudem die bessere Besitzerermittlung bei entlaufenen Katzen.

Mikrochip oder Ohrtätowierung

Die von der Verwaltung vorgeschlagene Schutzverordnung, die noch vom Kreistag verabschiedet werden muss, sieht deshalb neben der Kastrationspflicht für die Besitzer von Katzen eine umfassende Registrierungspflicht vor. Jede Katze, die unkontrolliert einen freien Auslauf bekommt, muss danach von einem Tierarzt einen Mikrochip oder eine eindeutige Ohrtätowierung bekommen. Dies gilt ab einem Alter von fünf Monaten. Anschließend muss das Tier in das kostenfreie Register des Vereins »Tasso« oder in das kostenfreie Haustierregister des deutschen Tierschutzbundes eingetragen werden.

Wenn eine frei laufende Katze ohne diese Registrierung aufgegriffen wird, sind die Ordnungsbehörden ermächtigt, die Kastration und Kennzeichnung auf Kosten des Halters durchzuführen. Gleichzeitig werden die Ordnungsbehörden ermächtigt, sämtliche frei laufenden Katzen zu kastrieren und gegebenenfalls wieder in Freiheit zu setzen. Wenn dabei zur »Ergreifung der Katze« das Betreten eines Privat- oder Betriebsgeländes erforderlich ist, so die Verordnung, müssen dies die jeweiligen Grundstückseigentümer dulden und die Ämter unterstützen.

Doch auch wer beispielsweise frei laufenden Katzen regelmäßig Futter zur Verfügung stellt, gilt nach der Verordnung als Katzenhalter und muss gegebenenfalls die Kosten für die Maßnahmen übernehmen.

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