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SPD verliert fast zehn, CDU sechs Prozentpunkte – Grüne sind zweitstärkste Kraft – mit Video

Mensch Dreier gewinnt Wahl

Paderborn (WB). Um sein Wahlergebnis musste Paderborns Bürgermeister Michael Dreier am Sonntagabend im Vergleich zu allen anderen Stadtoberhäuptern im Kreis Paderborn am längsten zittern: Erst um 22.25 Uhr lagen alle Ergebnisse aus den 64 Wahlbezirken vor. Lange Zeit lag Dreier knapp über der entscheidenden 50-Prozent-Marke. Am Ende errang er 52,04 Prozent der Stimmen. (2014: 59 Prozent). Damit gibt es in Paderborn keine Stichwahl. Dreier zeigte sich tief bewegt: „Bei acht Gegenkandidaten ist das ein unglaubliches Ergebnis. Ich bin überwältigt und nehme mit Demut dieses unglaubliche Ergebnis entgegen.“

Ingo Schmitz

Bürgermeister Michael Dreier (CDU) in Jubelpose: Mit 52 Prozent der Stimmen hat sich der 59-jährige Amtsinhaber in Paderborn gegen insgesamt acht Gegenkandidaten durchgesetzt. „Ich danke allen für das Vertrauen“, betonte er. Foto: Jörn Hannemann

Sein Dank galt vor allem seiner Frau Beate und seiner Familie sowie dem gesamten Wahlkampfteam, die ihn rund um die Uhr unterstützt hätten. „Wir haben der Bevölkerung gezeigt, dass wir nah bei den Menschen sind, dass wir uns um ihre Belange kümmern. Das ist gerade in der Corona-Krise deutlich geworden. Die Menschen haben gemerkt, dass es mir am Herzen liegt, die Stadt nach vorn zu bringen“, sagte Dreier dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT.

„Ein Bürgermeister zum Anfassen“

„Im Wahlkampf habe ich immer wieder festgestellt, dass die Menschen hinter mir stehen. Ich werde alles daran setzen, diesem tollen Ergebnis gerecht zu werden und diese Stadt weiter zu entwickeln. Dabei ist es mir wichtig, mit allen Parteien im Rat zusammen zu arbeiten. Ich freue mich darauf und danke für das Vertrauen.“ Es sei richtig gewesen, auf den Slogan „Mensch Dreier“ zu setzen, „denn ich möchte ein Bürgermeister zum Anfassen sein“.

Während sich der 59-Jährige zusammen mit seinen Parteifreunden über den Erfolg freute, musste die Paderborner CDU bei der Ratswahl den Verlust von sechs Prozentpunkten hinnehmen. Sie kam nur noch auf 40,4 Prozent. CDU-Stadtverbandsvorsitzender Daniel Sieveke sah das Ergebnis nicht ganz so negativ: „Die 40,4 Prozent sind nicht bitter. Wir sind eine Großstadt mit vielen Parteien, die alle um Wähler geworben haben.“ Er freue sich sehr über das Wahlergebnis im Kaukenberg und auf der Lieth, wo die CDU stärkste Kraft wurde und die AfD zurück gedrängt wurde. „Ich bin aber auch traurig über fünf verlorene Wahlbezirke“, sagte Sieveke. Hier gewannen die Grünen. Das Ergebnis von Dreier mache die CDU stolz: „Erst Recht nachdem, was in den vergangenen Wochen alles passiert ist.“

Grüne sind zweitstärkste Kraft

Die zweitmeisten Stimmen erlangte bei der Bürgermeisterwahl – wie erwartet – Dr. Klaus Schröder von den Grünen (20 Prozent). Weit hinten abgeschlagen landete Martin Pantke von der SPD mit 12,4 Prozent. Als einzige Frau unter den insgesamt neun Kandidaten erreichte die parteilose Elke Süsselbeck, die für die Linke antrat, den vierten Platz (4,4). Dahinter landete Marvin Weber von der AfD (4,3). Am schlechtesten schnitten Alexander Senn (FDP, 3,1), Stephan Hoppe (Für Paderborn, 2,0), Verani Kartum (Volt, 1,0) und Hartmut Hüttemann (FBI, 0,7) ab.

Auch bei der Ratswahl bildete die FBI mit einem Prozent das Schlusslicht. „Es ist enttäuschend. Wir hatten das aber befürchtet. Kommen mehr Anbieter, ist das für uns schlecht.“ Ist das das Ende der FBI? „Wir müssen sehen, wer im Rat sitzen wird. Es wird mehrere Gruppierungen geben mit nur einem Sitz. Ich würde versuchen, die Splitter zusammen zu fassen.“

Grünen-Bürgermeisterkandidat Klaus Schröder war enttäuscht, dass er gegen Dreier die Stichwahl verpasst hat. „Aber die guten grünen Ergebnisse im Stadtrat trösten mich.“ Seine Partei ist vor der SPD mit 24,1 Prozent zweitstärkste Kraft im Rat und liegt deutlich vor den Sozialdemokraten (12,4). „Die Wahl hat gezeigt, dass Michael Dreier eine überaus beliebte Person ist. Und so hat die Partei auch Wahlkampf geführt.“ Grünen-Stadtverbandschefin Sigrid Beer betonte: „Das Wahlergebnis macht Paderborn deutlich grüner. Wir werden eine starke Fraktion und die CDU ist nicht mehr in erreichbarer Nähe einer absoluten Mehrheit. Es wird spannende Gespräche geben.“

SPD zeigt sich enttäusch

Die SPD zeigte sich indes am Boden. Manfred Krugmann: „Wir sind sehr enttäuscht über das Ergebnis. Wir haben mit Verlusten gerechnet, aber nicht in dieser Höhe. Das ist sicher dem Trend geschuldet. Wir müssen aber auch nach Fehlern in den eigenen Reihen suchen. Für uns ist die Ratswahl niederschmetternd. Daran kann man nichts beschönigen. Wir haben die Wähler nicht überzeugen können, dass die sozialdemokratischen Themen die richtigen sind. Wir haben offenbar im Wahlkampf nicht die richtigen Formate gefunden.“

Aussagen zu einer möglichen Zusammenarbeit mit der CDU mochte Krugmann ebenso wenig machen, wie Sigrid Beer von den Grünen. Krugmann: „Wir stehen für Sachthemen und wollen eine kritisch-konstruktive Oppositionsarbeit ins Auge fassen.“

Reinhard Borgmeier (Die Linke) und Sascha Pöppe (FDP) freuten sich über die Ergebnisse ihrer Parteien. Eine riesige Überraschung gab es in Neuenbeken, wo Sascha Pöppe die Wahl vor CDU-Kandidat Christoph Quasten gewann. „Ich werde mich weiterhin parteiübergreifend für die Belange in Neuenbeken einsetzen“, sagte Pöppe.

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