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Unabhängiges Gremium soll Vergangenheit aufarbeiten

Missbrauch: Aufarbeitungskommission im Erzbistum Paderborn beginnt Arbeit

Paderborn

Die unabhängige Aufarbeitungskommission zu sexuellem Missbrauch im Erzbistum Paderborn hat ihre Arbeit am Dienstag begonnen. „In der Kommission sind keine Personen, die in einem Beschäftigungsverhältnis zum Erzbistum Paderborn stehen“, teilte das Erzbistum mit.

Von epd und KNA

Die unabhängige Aufarbeitungskommission zu sexuellem Missbrauch im Erzbistum Paderborn (hier der Dom) hat ihre Arbeit am Dienstag begonnen. Foto: Jörn Hannemann

Das Gremium werde sich auch damit beschäftigen, wie der heutige Erzbischof Hans-Josef Becker mit Missbrauchsfällen umging, teilte das Erzbistum am Dienstag mit. Becker begrüßte dieses Vorhaben. „Ich habe es immer für unangebracht gehalten, diese Zeit selber in Auftrag zu geben“, erklärte er  und versicherte, auch nach Ende seiner Amtszeit die Arbeit der Kommission zu unterstützen. Der Erzbischof hatte vor kurzem Papst Franziskus aus Altersgründen seinen Rücktritt angeboten.

Der Kommission gehören der frühere Präsident des Oberlandesgerichts Hamm, Johannes Keders, die Leiterin der Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Paderborn, Eva Brockmann, die Psychologieprofessorin der Technischen Universität Dortmund, Ute Ritterfeld, die frühere Dortmunder Oberstaatsanwältin Birgit Cirullies sowie die Betroffenen Reinhold Harnisch und Heinrich Sprenger an. Das sind weniger Mitglieder als geplant: Denn ein von der Landesregierung benanntes siebtes Mitglied hat abgesagt, doch soll die Arbeit trotzdem aufgenommen werden, um nicht noch mehr Zeit verstreichen zu lassen.

Die Einrichtung von Aufarbeitungskommissionen in den Bistümern hatte der frühere Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, mit den deutschen Bischöfen vereinbart. Im Erzbistum Paderborn wurden zwei Mitglieder durch das Land Nordrhein-Westfalen benannt und drei durch das Erzbistum. Zudem gehören zwei Missbrauchsbetroffene der Kommission an. Keines der Mitglieder steht in einem Beschäftigungsverhältnis zum Erzbistum.

„Besseres Verständnis für die Dimensionen sexuellen Missbrauchs“

„Auch wenn meine Dienstzeit mit dem Eintritt in mein 75. Lebensjahr dem Ende zugeht, ist es mir heute ein Anliegen, Sie für die Mitarbeit in der Aufarbeitungskommission zu berufen und somit offiziell die unabhängige diözesane Aufarbeitungskommission einzurichten“, erklärte Erzbischof Hans-Josef Becker. Er versicherte, sich auch nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst, nicht der Verantwortung zu entziehen und die Arbeit der Kommission unterstützen zu wollen.

„Ihre Arbeit soll dazu beitragen, dass in der Kirche von Paderborn ein besseres Verständnis für die Dimensionen sexuellen Missbrauchs entsteht“, erklärte Becker. Aufgrund ihrer Unabhängigkeit könne die Kommission die Strukturen und Erkenntnisse deutlich benennen und als Erkenntnisse zur Verfügung stellen.

Vanessa Meier-Heinrich (Präventionsbeauftragte Erzbistum Paderborn), Thomas Wendland (Interventionsbeauftragter), Erzbischof Hans-Josef Becker, Heinrich Sprenger, Birgit Cirullies, Johannes Keders, Eva Brockmann, Reinhold Harnisch. Prof. Ute Ritterfeld war bei Videokonferenz zugeschaltet. Foto: Ronald Pfaff /Erzbistum Padeborn

Zwischenergebnisse 2021 vorgestellt

Im Dezember 2021 hatten zwei Kirchenhistorikerinnen der Universität Paderborn erste Zwischenergebnisse einer Aufarbeitungsstudie zu sexuellem Missbrauch im Erzbistum vorgelegt. Nicole Priesching und Christine Hartig attestieren darin den früheren Erzbischöfen Lorenz Jaeger (1941-1973) und Johannes Joachim Degenhardt (1974-2002) gravierendes Fehlverhalten im Umgang mit Missbrauchstätern unter den Geistlichen. Die Kardinäle hätten Beschuldigte geschützt und ihnen teils auch schriftlich ihr Mitgefühl bekundet. Betroffenen gegenüber hätten sie dagegen keine Fürsorge gezeigt.

Das Erzbistum hatte das auf mehrere Jahre angelegte Projekt 2019 in Auftrag gegeben. Priesching und Hartig untersuchen die Zeit zwischen 1941 und 2002. Becker ist seit 2003 Erzbischof von Paderborn. Zuvor war er als Personalchef sowie als Weihbischof in der Erzdiözese tätig.

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