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Das WESTFÄLISCHE VOLKSBLATT testet das neue Angebot in Paderborn

Mit dem E-Roller durch die Stadt

Paderborn (WB). E-Scooter können nun auch in Paderborn gemietet werden. Wir haben die elektronischen Roller getestet.

Matthias Band

Die Fahrt mit dem E-Scooter über den gesamten Paderborner Innenstadtwall hat gut 15 Minuten gedauert. Das Licht an den E-Scootern geht automatisch an. Foto: Jörn Hannemann

Zunächst einmal muss ich mir die App des Anbieters Tier-Mobility herunterladen und mich registrieren (siehe Erklärung rechts). Das ist aber schnell erledigt. Nach der einmaligen Registrierung mit dem Handy und der Auswahl des Rollers vor Ort, geht’s los. Der Anbieter verlangt einen Euro Aktivierungsgebühr und 15 Cent pro genutzter Minute. Gezahlt werden kann mit dem Onlinebezahldienst Paypal oder mit Kreditkarte. Darin enthalten sind die Kosten für eine Haftpflichtversicherung, über die ich als Fahrer abgesichert bin.

160 E-Scooter in Innenstadt

In Paderborn stehen 160 E-Scooter in einem eingeschränkten Bereich bereit. Dieser erstreckt sich vom Heinz-Nixdorf-Ring (Westen) bis zum Berliner Ring (Osten) sowie von der Straße An der Talle (Norden) bis zur B 64 (Süden). Fußgängerzone und Gehwege sind tabu. Fahren darf ich nur auf Radwegen. Wo diese fehlen, darf ich auf die Straße. Parkverbotszonen sind in der App rot markiert.

Ich starte auf dem Radweg in der Nähe des Westerntors. Für mich ist es eine Premiere. Dummerweise habe ich meinen Fahrradhelm vergessen. Den sollte man ebenso wie auf dem Rad unbedingt tragen, um bei einem Sturz am Kopf besser geschützt zu sein. Empfehlenswert: Im Winter Handschuhe tragen.

Und so geht’s

In der App anmelden: Nur mit einem Handy kommt man ins Rollen. App herunterladen, registrieren, dann die Zahlungsmethode festlegen. Das geht mit einer Kreditkarte oder über den Online-Bezahldienst Paypal. Eine Karte in der App zeigt dann die Standorte der 160 E-Scooter an. Bei unserem Test am Westerntor standen zehn in der Nähe bereit.

Fahrzeug auswählen: Um den ausgewählten E-Scooter zu starten, fotografiert man mit dem Smartphone den QR-Code oder gibt die Rollernummer in die App ein. Dann startet das Display am Lenker. Geschwindigkeit und Akkustand werden angezeigt. Die App gibt mit Schaubildern eine kurze Anleitung.

Die Fahrt beginnt: Mit der rechten Hand gibt man über einen Hebel am Lenker Gas, zum Start muss man sich mit dem Fuß abstoßen. Unser getestetes Modell verfügt über zwei Bremsen am Lenkrad wie beim Fahrrad. Es gibt keinen Blinker, mit dem Arm wird das Abbiegen angezeigt.

Fahrt beenden: Der E-Roller kann überall im zugelassenen Bereich in der Innenstadt abgestellt werden. Die Fußgängerzone ist tabu. Wichtig: In der App mit „Beenden“ abmelden. Die App zeigt die angefallenen Kosten an.

So gebe ich Gas

Das Anfahren erfordert etwas Übung, denn mit einem Fuß muss ich mich erst ein oder zwei Mal abstoßen, damit der Roller in Schwung kommt. Gleichzeitig gebe ich mit einem Hebel an der rechten Lenkerseite Gas. Lasse ich den Hebel wieder los, wird der E-Scooter automatisch langsamer. Zu Beginn muss ich erst etwas Gefühl fürs Gleichgewicht entwickeln. Die Unsicherheit legt sich aber. Zur Sicherheit lasse ich aber einen Fuß freischwebend, um mich im Fall der Fälle abstützen zu können. Tipp: Am Anfang nicht zu viel Gas geben, denn bergab kann es ganz schön schnell werden. Die Geschwindigkeit ist auf 20 Stundenkilometer begrenzt, aber bergab ist die Beschleunigung eben schneller.

So bremse ich den Roller

Bremsen kann ich als E-Scooter-fahrer wie beim Rad mit zwei Handbremsen am Lenker. Wenn es steil bergauf geht, tut sich der E-Roller überraschend schwer. Da muss ich den Geschwindigkeitshebel schon ganz schön lange gedrückt halten, um die Steigung auf dem Radweg am Gierswall zu bewältigen. Auf dem Display am Lenker, das unmittelbar nach der Auswahl des Rollers in der App aktiviert wird, kann ich die Geschwindigkeit und den Akkuladezustand ablesen. Eine Akkuladung soll 40 bis 50 Kilometer halten.

Neugierige Blicke

Bei der Fahrt über den Innenstadtwall, die gut 15 Minuten dauert, ernte ich neugierige und irritierte Blicke. Das neue Mobilitätsangebot scheint noch nicht jedem in Paderborn bekannt zu sein. Etwas kniffelig ist das Lenken am Westerntor, weil dort viele Fußgänger meinen Weg kreuzen. Auf dem Radweg komme ich aber sehr gut voran. Würde ich auf meiner Fahrt den erlaubten Bereich verlassen oder die verbotene Fuß­gängerzone ansteuern, würde der Scooter über das GPS-Signal gesteuert seine Geschwindigkeit auf sechs Stundenkilometer drosseln.

Nachts werden die Roller eingesammelt, im Lager gewartet und aufgeladen. 2020 sollen neue Roller die alten ersetzen, dann sollen nur noch die Akkus an den Fahrzeugen ausgetauscht werden. Sollte ein Roller mal dort stehen, wo er nicht hingehört, wird er eingesammelt, versichert der Anbieter.

Fazit

Die Fahrt mit dem E-Scooter hat Spaß gemacht. Ob aber dadurch gemeinsam mit dem ÖPNV-Angebot in Paderborn „der Herausforderung der letzten Meile“ begegnet werden kann, wie es die Stadt formuliert, und weniger Autofahrer in die Stadt kommen, muss erst noch bewiesen werden. Es wird sich zeigen, wie nachhaltig das Geschäftsmodell ist. Erinnert sei an den Leihfahrräder-Markt. Viele Anbieter drängten mit großen Hoffnungen in die Städte. Doch nach dem ­Hype machte sich schnell Ernüchterung breit.

Die Strecke, die ich mit dem E-Scooter gefahren bin, hätte ich auch gut mit dem Rad bewältigen können. Das wäre zwar etwas anstrengender, aber für Umwelt und meine Gesundheit auf jeden Fall besser gewesen. Hinzu kommt, dass das Angebot mit 15 Cent pro Minute und einer jedes Mal zu zahlenden Aktivierungsgebühr auch recht teuer ist. Und was ist, wenn ich zum Einkaufen in die Stadt will. Wie soll ich meine Einkäufe auf dem E-Roller transportieren? In Großstädten gibt es zudem immer wieder Beschwerden, dass die Roller Bürgersteige blockieren.

Aber womöglich sollten wir nicht zu früh den Stab über das Angebot brechen. Vielleicht steuern die Roller doch noch einen erheblichen Teil zu einer emissionsfreien Verkehrswende bei. Zumindest Volkan Uludasdemir, Tier-Manager für OWL, ist mit dem Auftakt in Paderborn zufrieden: „Die Neugierde ist da. Viele Menschen sind seit Freitag mit den Scootern zum Bahnhof oder zur Universität gefahren. In Paderborn, Bielefeld und Gütersloh gibt es in OWL nun eigentlich keinen Grund mehr, mit dem Auto in die Stadt zu fahren.“

Diese Regeln gelten für Elektoroller

Wo dürfen E-Scooter fahren?

E-Scooter sind auf Radwegen, Radfahrstreifen und in Fahrradstraßen erlaubt. Nur wenn diese fehlen, darf laut ADAC auf die Fahrbahn ausgewichen werden. Das Fahren auf dem Gehweg, in der Fußgängerzone und in Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung sind für E-Roller verboten – außer das Befahren wird durch das Zusatzzeichen „E-Scooter frei“ erlaubt. Gesetzliche Grundlage zur Verwendung der E-Roller ist die Verordnung für Elektrokleinstfahrzeuge. Sie gilt für Fahrzeuge mit Lenk- oder Haltestange, mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von bis zu 20 km/h und einer Straßenzulassung/Betriebserlaubnis.

Braucht man für E-Scooter einen Führerschein und gibt es ein Mindestalter?

Der Fahrer benötigt weder eine Mofa-Prüfbescheinigung, noch einen Führerschein. Das Mindestalter für das Fahren mit einem Elektro-Tretroller liegt bei 14 Jahren. Beim Anbieter Tier-Mobility muss man 18 sein, um einen Vertrag abschließen zu können.

Ist ein Helm vorgeschrieben?

Eine Helmpflicht besteht für Elektro-Tretroller nicht – es ist aber empfehlenswert, sich mit einem Helm zu schützen.

Gibt es eine Alkohol-Promillegrenze?

Ja, für Elektroroller-Fahrer gelten dieselben Alkoholgrenzwerte wie für Autofahrer. Das heißt, wer mit 0,5 bis 1,09 Promille fährt und keine alkoholbedingte Auffälligkeit zeigt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und erhält einen Bußgeldbescheid: in aller Regel sind das 500 Euro, 1 Monat Fahrverbot und 2 Punkte in Flensburg. Eine Straftat liegt vor, wenn der Fahrer trotz einer Blutalkoholkonzentration von mindestens 1,1 Promille mit dem E-Scooter unterwegs ist. Wichtig: Für Fahrer unter 21 Jahren und Führerscheinneulinge in der Probezeit gelten 0,0 Promille.

Wie hoch sind die Bußgelder bei E-Scooter-Sünden?

Bei Rot über die Ampel sind nach Angaben des ADAC zwischen 60 und 180 Euro fällig. Fahren auf dem Gehweg kostet 15 bis 30 Euro Strafe, Fahren auf der Autobahn 20 Euro, Fahren ohne Versicherungskennzeichen 40 Euro, Fahren mit einem Scooter ohne Betriebserlaubnis 70 Euro, Nebeneinanderfahren 15 bis 30 Euro.

Wie viele Personen dürfen auf einem E-Scooter fahren?

Elektroroller sind nur für eine Person zugelassen.

Braucht man eine Versicherung für seinen Elektroroller?

Ja, eine Haftpflichtversicherung ist vorgeschrieben. Diese wird mit einer aufgeklebten Versicherungsplakette am Roller nachgewiesen. Die Haftpflichtversicherung haftet für Schäden, die Dritten durch den Elektro-Scooter zum Beispiel bei Unfällen zugefügt werden. Für eigene Schäden muss der Fahrer selbst geradestehen.

Welche Ampeln gelten für Elektroroller?

Ist eine Fahrradampel vorhanden, gilt diese. Gibt es keine Fahrradampel, ist die Ampel für den fließenden Verkehr zu beachten.

Wo dürfen E-Scooter abgestellt werden?

E-Scooter dürfen am Straßenrand und auf dem Gehweg abgestellt werden. In Fußgängerzonen dürfen sie nur abgestellt werden, wenn diese für E-Scooter freigegeben wurden. Das muss jedoch so geschehen, dass Fußgänger und Rollstuhlfahrer nicht behindert oder gefährdet werden.

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