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Serie „Mobilität in Paderborn“: Drei Studenten helfen Kommunen bei der Suche nach perfekten Standorten

Mit dem Paderborner Start-up „Ladeplan“  mehr öffentliche Ladesäulen in der City

Paderborn

Wer ein E-Auto fährt, kann sein Fahrzeug laut der Bundesnetzagentur im Kreis Paderborn aktuell an insgesamt 224 öffentlichen Ladepunkten aufladen. „Das ist noch zu wenig,“ findet Lorenz Pott: „Wir brauchen grundlegend mehr elektrische Ladesäulen und die müssen vor allem eins sein: gut geplant.“

Von Christopher Müller

Till Schlief (links) und Lorenz Pott präsentieren ihr Programm, mit dem sie vorhersagen können, wo E-Ladesäulen am besten genutzt werden. Sie sind zusammen mit  Benjamin Kasten (nicht im Bild) die Gründer des Paderborner Start-ups „Ladeplan“. Lorenz Pott gründete übrigens mit 17 Jahren sein erstes Start-up mit dem Namen „FashNet“.  Foto: Christopher Müller

Der 22-jährige Student ist einer der drei Gründer des Paderborner Start-ups „Ladeplan“. Seit Januar wollen die drei mit modernster Technik Kommunen dabei beraten, wie sie mehr öffentliche E-Ladesäulen installieren können und wo dafür der perfekte Standort ist.

Wenn es nach der Bundesregierung geht, sollen 2030 bis zu zehn Millionen Elektrofahrzeuge über Deutschlands Straßen rollen. Das Problem dabei verdeutlicht eine repräsentative Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands: Demnach hat im vergangenen Jahr noch etwa die Hälfte der Befragten, als Grund gegen den Kauf eines E-Autos, angegeben, dass es zu wenig Ladestationen gäbe oder diese schlecht erreichbar seien. „Das ist das große Problem. Die Hälfte aller Kommunen in ganz Deutschland haben keine E-Ladesäulen, die für jeden zugänglich sind. Dabei hätten sie eigentlich die Flächen dafür. Oft fehlt es da einfach an Planungskompetenz und da kommen wir ins Spiel,“ sagt Till Schlief, Mitgründer von  „Ladeplan“.

Studenten setzen bei der Suche eigene Software ein

Die drei Studenten können mit einem selbst entwickelten Computerprogramm ermitteln, wo eine E-Ladesäule gerade am meisten gebraucht wird und dann den Kommunen und Unternehmen Tipps geben. Lorenz Pott beschreibt wie genau das funktioniert: „Wir schauen uns erst E-Ladesäulen an, die schon gebaut wurden und wie stark die genutzt werden. Dann sammeln wir ganz viele Daten, warum das so ist. Das kann beispielsweise daran liegen, dass in der Nähe eine viel befahrene Straße oder ein Krankenhaus ist.“

200 Faktoren fließen in Analyse ein 

Über 200 Faktoren berücksichtigen die Studenten bei ihrer Analyse. Wenn die drei Paderborner dann einen Ort mit ähnlichen Gegebenheiten betrachten, können sie vorhersagen, wie gut eine Ladesäule dort angenommen werden würde. „Das Ganze funktioniert mit einer Künstlichen Intelligenz (KI), also einem Computeralgorithmus, der Muster erkennt und auf neue Daten anwenden kann,“ erzählt Lorenz Pott, der an der Universität Paderborn Wirtschaftsinformatik studiert. Dort hat er auch seine beiden Mitstreiter Till Schlief und Benjamin Kasten auf einem Seminar kennengelernt.

Wie sieht es in Delbrück mit E-Ladesäulen aus? Mit unterschiedlichen Färbungen, zeigt das Programm des Paderborner Start-ups Ladeplan, wo noch Bedarf an E-Ladesäulen besteht. Wie sieht es in Delbrück mit E-Ladesäulen aus? Mit unterschiedlichen Färbungen, zeigt das Programm des Paderborner Start-ups Ladeplan, wo noch Bedarf an E-Ladesäulen besteht. Foto: Screenshot

Mit Gründerstipendium ausgezeichnet

Für ihre Idee wurden die drei in diesem Jahr mit dem Gründerstipendium NRW ausgezeichnet und erhalten somit bis zum Jahresende monatlich 1000 Euro Förderung pro Person. Auch andernorts hat man das Potential von „Ladeplan“ bereits erkannt: „Die Kommunen können auf jeden Fall jede Unterstützung gebrauchen. Oft herrscht Unwissenheit, dabei sind gerade dort die Kommunikationswege kurz und wenn man es richtig macht, kann man da auch als Vorreiter agieren,“ ermutigt Patrick Kügler von „ElektroMobilität NRW“ des NRW-Wirtschaftsministeriums das junge Start-up.

Ihren ersten Kunden konnten die Studenten auch schon von sich überzeugen. Im vergangenen Monat gab es den ersten Auftrag von einer Kommune aus OWL.

Neue Serie zur Mobilität

Die Motivation einmal ein eigenes Unternehmen zu gründen, hatte Lorenz Pott schon früh: „Mit 15 Jahren habe ich bei einem Praktikum gemerkt, wie viel Spaß mir das selbstbestimmte Arbeiten macht, Themen umzusetzen, die einem am Herzen liegen und dabei den eigenen Weg zu finden.“ Mit demselben Tatendrang wollen er und seine Freunde nun auch Spuren in Paderborn hinterlassen. „Hier ist auf jeden Fall schon viel vor Ort: die Wirtschaftskraft, der Innovationsgedanke, eine gute Verbindung zur Uni – einfach viel Potential“, berichtet der gebürtige Paderborner.

Gründer: „Paderborn könnte Vorreiter werden“

Wenn es nach ihm geht soll hier eines Tages jeder mit seinem E-Auto zur Arbeit fahren und dort sein Auto laden können. Der ÖPNV soll komplett elektrisch fahren und all das ohne eine Überlastung der Netz-Infrastruktur. „Aber das ist noch Wunschdenken,“ ergänzt Lorenz Pott. Bis es einmal soweit ist, müsse seiner Ansicht nach vor allem noch mehr mit den Bürgern gesprochen werden und natürlich brauche es noch mehr E-Ladesäulen, vor allem für Mietshäuser, die keinen eigenen Stellplatz besitzen. „Denn wenn es mehr E-Ladesäulen gibt, haben auch weniger Menschen Angst auf der Strecke liegen zu bleiben und kaufen ein E-Auto. Es herrscht gerade Goldgräber-Stimmung und Paderborn könnte da ein Vorreiter werden.“

Auf dem Weg dorthin möchte „Ladeplan“ so viele Kommunen wie möglich begleiten und beraten. Denn für die drei Studenten steht fest: „Wir wollen mit unseren Möglichkeiten den größtmöglichen Einfluss haben. Natürlich geht’s dabei auch um Geld, aber letztendlich geht es doch darum einen nachhaltigen Fußabdruck auf dieser Welt zu hinterlassen und das soll ein schöner sein.“

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