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37-Jähriger soll Abnehmer illegaler Dopingmittel in Paderborn überfallen haben

»Mit dem Schlagstock nur gestupst«

Paderborn  (WB). In zwielichtigen Kreisen geht es nicht selten rabiat zu: So ist bereits vor mehr als zwei Jahren ein heute 27-jähriger Paderborner überfallen und brutal zusammengeschlagen worden – wegen illegaler Dopingmittel, die er von einem heute 37-Jährigen bekommen hatte. Eben jener sitzt seit Freitag im Landgericht auf der Anklagebank. Er soll den Überfall initiiert haben. Für ihn geht es möglicherweise um ein paar Jährchen hinter Gitter.

Das Land- und Amtsgericht Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Schwere räuberische Erpressung und gefährliche Körperverletzung werden dem Paderborner vorgeworfen, der weitgehend geständig ist. Er wollte Geld haben von dem 27-Jährigen – für eine Tüte voller illegaler Dopingmittel, wie sie zum schnellen Muskelaufbau von Bodybuildern genommen werden. 2000 Euro seien die Pillen und Ampullen wert gewesen, sagte der Angeklagte – und die habe er von dem Azubi verlangt, weil er ihm die Tüte im Januar 2017 bei einem Treffen an der Warburger Straße übergeben habe.

Bekannter als »Meinungsverstärker«

Fast zwei Monate lang sei er danach vertröstet worden, dann habe er einen entfernten Bekannten gebeten, ihn als »Meinungsverstärker« zu dem säumigen 27-Jährigen zu begleiten. In dessen Wohnung sei alles aus dem Ruder gelaufen: Der Bekannte habe sofort zugeschlagen und getreten, er habe ihn noch zurückhalten wollen, »aber ich wollte ja auch mein Geld, und kam aus dem Film nicht mehr raus«. Dass er selbst einen Schlagstock bei sich hatte, erklärte der beredte Angeklagte mit dem Wunsch nach einem Drohinstrument. »Es war nie geplant, dass ich irgendwen damit verletze«, sagte er. Er habe den 27-Jährigen damit auch nur angestupst.

Der 27-Jährige verlor durch die rabiate Behandlung zwei Zähne und erlitt neben einem Nasenbeinbruch und einer Kieferprellung auch ein Schädel-Hirn-Trauma. 5000 Euro habe der »Schläger« gefordert, sagte der Geschädigte als Zeuge aus – und um Ruhe zu bekommen, habe er vier Tage später einen Kredit aufgenommen und dem Angeklagten 2000 Euro gegeben. »Ich habe ihn runtergehandelt. Ich hatte keine Lust, 5000 Euro für was zu bezahlen, von dem ich nichts hatte«, erklärte er der 8. Großen Strafkammer – noch heute zahle er den Kredit ab.

Anabolika weitergegeben

Hintergrund des ganzen Vorfalls: Der 27-Jährige will sich auf Geheiß eines Bekannten aus Altenbeken die Tüte mit Anabolika haben aushändigen lassen, damit jener Bodybuilder bei dem Geschäft nicht in Erscheinung treten müsse – der habe nämlich den Angeklagten um die teuren Stoffe betrügen wollen. Letztlich sei die Tüte dann bei einem weiteren Bekannten aus der Bodybuilder-Szene gelandet, beteuerte der 27-Jährige.

Er selbst habe nichts davon gehabt, aber der Angeklagte habe sich an ihn gehalten, um den Wert der Substanzen ersetzt zu bekommen. Der 37-Jährige wiederum will mit Doping-Geschäften nichts zu tun haben: Er habe die Anabolika nicht mehr genommen und sie deshalb loswerden wollen – da habe er sich an seine Kontakte aus dem Fitnessstudio gehalten.

Wenn am 30. August weiter verhandelt wird, soll auch der Altenbekener als Zeuge geladen werden. Ob er aussagt, ist fraglich. Er wurde im November 2017 vom Landgericht wegen Handels mit Dopingmitteln zu einer Haftstrafe verurteilt. Die ist jedoch noch nicht rechtskräftig, weil der Bundesgerichtshof das Urteil aufgehoben hat. Das Landgericht wird gegen ihn bereits am 14. August erneut verhandeln.

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