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Martin Pantke (SPD) will mit klarer Kante Politik für Paderborn machen

„Mit innovativem Schub aus der Krise“

Paderborn (WB). Mit seinen 68 Jahren gehört Martin Pantke zum erfahrenen sozialdemokratischen Personal. 1976 trat er der SPD bei, seit elf Jahren vertritt er den Paderborner Bürgermeister bei offiziellen Anlässen. Das politische Eisen will er auch weiterhin schmieden. Als Bürgermeister-Kandidat der SPD zählt er zu den acht Bewerbern, die Amtsinhaber Michael Dreier (CDU) ablösen wollen. Sein Motto: „Klare Kante zeigen“ – für sozialen Zusammenhalt, bezahlbares Wohnen, ein lebenswertes Umfeld, für Respekt und Toleranz und gegen Rechts.

Ingo Schmitz

Martin Pantke ist Sozialdemokrat durch und durch: Seit 1976 gehört er der SPD an. 2009 kandidierte er als Bürgermeisterkandidat gegen Heinz Paus (CDU). Nun versucht er es erneut gegen Amtsinhaber Michael Dreier. Foto:

Martin Pantke hat Erfahrung im Wahlkampf. 2009 trat er bei der Kommunalwahl gegen Bürgermeister Heinz Paus (CDU) an und verlor. Dass sein Alter ein K.O.-Kriterium für das Bürgermeisteramt sein könnte, sieht Pantke anders. Er fühle sich fit. „Und der Unfug, der geredet wird, verteilt sich auf alle Generationen“, meint er schmunzelnd.

Bezahlbarer Wohnraum

Am vergangenen Samstag habe er am SPD-Stand gespürt, dass das Interesse der Bürger an der Kommunalwahl inzwischen deutlich zunehme. Ein wichtiges Thema sei bei den Gesprächen mit den Wählern der Komplex „bezahlbarer Wohnraum“ gewesen. Pantke: „Das ist die zentrale soziale Frage unserer Gesellschaft. In Paderborn ist vom Bürgermeister und der CDU die Brisanz, die sich darin verbirgt, zu spät erkannt worden. Man war der Meinung, dass die Player vor Ort das regeln.“ Aus Sicht der SPD sei dies aber nicht gelungen. Daher habe sie sich nicht nur mit der 30-Prozent-Quote zur Schaffung von Sozialen Wohnungsbau bei Neubauprojekten durchgesetzt, sondern auch – dank der veränderten Mehrheiten im Rat – die städtische Wohnungsgesellschaft auf den Weg gebracht. „Wohnraum muss für mittlere und untere Einkommen bezahlbar sein“, lautet Pantkes Credo. Ob es auch zukünftig genug Wohnbauflächen gibt, das will er weiter im Auge behalten. Sollte es an Erweiterungsflächen mangeln, müsse man unter Umständen über die Einführung einer Grundsteuer C nachdenken. Die würde dann diejenigen Immobilieneigentümer betreffen, die Grundstücke dauerhaft nicht bebauen wollten.

Neubau Stadthaus

„Ich stehe nach wie vor zum Neubau-Beschluss der Stadtverwaltung am Abdinghof“, sagt Martin Pantke. „Wir brauchen eine moderne Stadtverwaltung, das hat auch Corona gezeigt. Außerdem ist die Verwaltung wichtig für die Innenstadt, weil sie eine Magnetwirkung hat.“ Wie berichtet, hatte Bürgermeister Michael Dreier das weitere Vorgehen zu dem Neubau-Projekt angesichts der Corona-Krise mit ihren unkalkulierbaren finanziellen Risiken „gebremst“. Sein SPD-Gegenkandidat hält das Vorgehen für richtig. „Wir müssen die ökonomischen Folgen der Krise abwarten“, sagt Pantke. Er geht davon aus, dass es mit den Konjunkturprogrammen für Klima, Digitalisierung und Bildung von Bund und Land gelingen wird, die Pläne zu realisieren. „Ich bin optimistisch, dass Paderborn mit einem innovativen Schub aus der Krise herauskommt.“

Digitalisierung und Bildung

Die Projekte zur Digitalisierung der Stadt Paderborn seien auf einem guten Weg, meint Pantke. Er sehe dort keinen Handlungsbedarf, nachzujustieren. Ganz wichtig sei ihm aber, dass insbesondere Kinder aus armen Familien den Zugang zur digitalen Welt erhalten. Die Anschaffung von 2500 Laptops – das Geld ist vom Land NRW zugesichert worden – sei ein richtiger Schritt. Wichtig sei aber auch, dass nun auch die digitale Ausstattung der Schulen weiter ausgebaut werden müsse, sagt der pensionierte Lehrer. „Die Lernstadt Paderborn ist geschaffen worden für den Präsenzunterricht. Corona hat gezeigt, dass die Leistungsfähigkeit weiter ausgebaut werden muss.

Kinderbetreuung

Und noch etwas ist Pantke wichtig: Er will sich für den weiteren Ausbau des Offenen Ganztagsangebots in den Schulen einsetzen, damit im Jahr 2025 der Rechtsanspruch für alle Kinder erfüllt werden kann. Mit dem Thema Betreuung hat auch diese Forderung zu tun: Der 68-jährige Vater von drei erwachsenen Kindern möchte das Thema „Randzeiten-Betreuung“ neu aufrollen.

„Zur Bekämpfung von Kinderarmut gehört es dazu, dass Ein-Eltern-Familien die Möglichkeit haben, auch dann arbeiten gehen zu können, wenn sie Nachtschicht haben“, sagt Pantke. Seiner Meinung nach müsse es ein breiteres Angebot an Betreuungszeiten geben. Im Zweifel müsse es dann auch Betreuer geben, die in die Familie gehen, wenn das Elternteil zum Beispiel im Krankenhaus in der Nacht arbeiten müsse. Um ein passendes Angebot erarbeiten zu können, bedürfe es aber zunächst einer Bedarfsabfrage bei den Familien.

Verkehr und Mobilität

Der SPD-Kandidat ist nach eigenen Angaben meist mit Bus oder Auto unterwegs. Er geht aber davon aus, dass sich in den kommenden fünf Jahren das Mobilitätsverhalten stark verändern wird. Der Ausbau des ÖPNV werde daran starken Anteil haben. Wie berichtet, hatte sich die SPD für kostenloses Busfahren stark gemacht. Das Ergebnis ist eine zweijährige Testphase, in der das kostenlose ÖPNV-Angebot jeweils am ersten Samstag im Monat gelten soll. Die Resonanz zur Premiere am 1. August war noch etwas mau, am 5. September ist der zweite Termin. „Wir brauchen eine Taktverdichtung und das kostenfreie Angebot, wenn wir den Öffentlichen Nahverkehr attraktiv machen wollen“, meint der Kandidat. Einen Zeithorizont nennt er nicht. „Wir dürfen aber das Ziel nicht aus den Augen verlieren“, stellt er klar. Optimierungsbedarf sieht Pantke bei den Radwegen. „Viele Bürger sind durch Corona vom ÖPNV auf das Rad umgestiegen. Wir müssen die Wege sicherer machen“, fordert er.

Ehrenamt und Gesellschaft

Die Unterstützung des großen ehrenamtlichen Engagements in der Paderborner Stadtgesellschaft sei ihm enorm wichtig, betont Martin Pantke. „Auf das, was die Bürger hier leisten, kann man nur sehr stolz sein.“ Allerdings fürchtet der Sozialdemokrat ein weiteres Auseinanderdriften der Gesellschaft durch die Zunahme einkommensarmer Familien. „Wir müssen vor Ort ein starkes soziales Netz knüpfen. Für die erforderliche Sozialreform ist aber der Bund zuständig“, meint Pantke.

Stichwahl

Für den künftigen Rat wünscht er sich einen Bürgermeister, der in der Lage ist, für Mehrheiten zu werben. Das habe Michael Dreier – seiner Meinung nach – nicht hinreichend getan. Der pensionierte Lehrer geht davon aus, dass es in Paderborn am 27. September eine Stichwahl geben wird. „Ich sehe für mich große Chancen, dass ich dann dabei bin. Den Rest muss man dem Wähler überlassen“, lautet sein Statement.

Zur Person

Martin Pantke wurde am 24. Januar 1952 in Deggendorf/Niederbayern geboren und wuchs in Lichtenau auf. Dort machte er auch seine ersten politischen Schritte in der SPD: 1986 wurde er Vorsitzender des dortigen SPD-Ortsvereins, 1989 wurde er in den dortigen Stadtrat gewählt. 1996 verlegte Martin Pantke mit seiner Familie den Lebensmittelpunkt nach Paderborn und knüpfte hier kommunalpolitisch an seine bisherige Arbeit an. Er ist Mitglied des aktuellen Rates und stellvertretender Bürgermeister. Als Lehrer war er zuletzt an der Sekundarschule Borchen bis zum Jahr 2017 tätig. Martin Pantke hat drei erwachsene Kinder: Esther, Judith und Raphael. Seine Ehepartnerin Menga Kienecker ist ebenfalls Lehrerin.

alle Berichte über die Bürgermeisterkandidaten in der Stadt Paderborn im Überblick

- Michael Dreier (CDU)

- Martin Pantke (SPD)

- Klaus Schröder (Grüne)

- Alexander Senn (FDP)

- Elke Süsselbeck (parteilos/Die Linke)

- Stephan Hoppe (FÜR Paderborn)

- Hartmut Hüttemann (FBI)

- Verani Kartum (Volt Paderborn)

- Marvin Weber (AfD)

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