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Autor Joachim H. Peters lässt wieder in Paderborn ermitteln

„Mörder denken praktisch“

Paderborn (WB). „Ich platziere die Leichen so, wie ich sie gerade brauche“, sagt Joachim Peters. Eine liegt am Padersteinweg direkt hinter dem Trafohaus mit dem markanten Rinderkopf-Graffiti. Aber keine Sorge: Kommissar Jürgen Kleekamp und seine Kollegin Natalie Börns haben bereits die Ermittlungen aufgenommen. Ihr neuester Fall trägt den Titel „Der Tod der blauen Wale“ und ist ein echter Regionalkrimi mit Originalschauplätzen in Paderborn.

Ingo Schmitz

So sieht der Tatort am Padersteinweg aus: Autor Joachim H. Peters präsentiert seinen neuen Krimi, der von diesem Dienstag an bestellt werden kann. In dem spannenden Roman geht es unter anderem um die mysteriöse „Blue Whale Challenge“. Foto: Ingo Schmitz

Es ist früh am morgen. Nach einer regnerischen Nacht ist der Boden aufgeweicht. In der Luft hängt der Duft von nasser Erde. Aus dem Gestrüpp am Padersteinweg ragen Äste mit Dornen hervor. Das nasse, hohe Gras durchweicht die Schuhe. Ein Jogger läuft vorbei, und eine Frau geht mit einem Hund Gassi. Joachim Peters besucht den Fundort der Roman-Leiche, macht Fotos und notiert sich alle Details. „Die Lage ist hervorragend. Man kann mit dem Auto bis hierher fahren und die Leiche ausladen. Ein Mörder sollte immer praktisch denken“, meint Peters und schmunzelt.

Von Haus ausKriminalbeamter

Seine atmosphärischen Beobachtungen vom Fundort finden sich in seinem jüngsten Werk wieder. Die Recherche für einen Krimi habe auch immer etwas mit einer echten Tatortbegehung zu tun, verrät Peters. Er gilt als echtes Multitalent. Der 62-Jährige ist nämlich nicht nur Hobby-Autor, Hobby-Kabarettist und Hobby-Darsteller in Musical-Inszenierungen, sondern von Haus aus Kriminalbeamter. Besser gesagt: war. Seit wenigen Tagen genießt er das Leben als Pensionär. Doch Straftaten begleiten ihn weiterhin. Neben zahlreichen anderen Krimis, die er geschrieben hat und die unter anderem in Lippe spielen, hat er sein Herz für Paderborn entdeckt. Hier muss der kauzige Kommissar Kleekamp seinen nunmehr vierten Fall lösen.

Im Mittelpunkt der Story steht die mysteriöse „Blue Whale Challenge“. Dabei handelt es sich um ein Internetphänomen, das Ende 2016 zunächst in Russland und Mitte 2017 auch im europäischen Raum bekannt wurde. Vor allem Jugendliche seien dem Phänomen gefolgt, bei dem es darum geht, 50 Aufgaben zu erledigen, die immer krasser werden. Unter anderem sollen sie sich einen Wal in den Unterarm ritzen. Am Ende steht der Selbstmord. Wie es der Zufall will, gibt es ganz aktuell einige Fälle, die in dieser Szene spielen sollen, sagt der Beamte im Ruhestand.

Der 17. Krimi

Mit einem solchen Selbstmord beginnt das neueste Werk. Zurück bleiben eine verängstigte Mutter, ein tyrannischer Vater und ein ratloser Ermittler. Parallel dazu wird eine Leiche entdeckt, die mit einer Eisenstange übel zugerichtet wurde. Das Buch enthält zahlreiche Begegnungen mit kuriosen Zeitgenossen. Dazu gehört Flamingo, eine Figur, die er bei dem Kabarettisten Ludger Stratmann – mit dem Peters befreundet ist – ausgeliehen hat.

Vor vier Monaten hat Joachim Peters angefangen, seinen insgesamt 17. Krimi zu schreiben. Wobei er weniger schreibt, sondern etliche Passagen auch per Spracherkennung diktiert. „Ich arbeite in meinem privaten Büro an meinen Büchern. Das alles geschieht intuitiv ohne Storyboard“, erzählt der 62-Jährige über den Entstehungsprozess. Dort hat er nicht nur Polizei-Modellautos sondern auch Deko-Waffen ausgestellt. „Damit ich sie besser beschreiben kann“, sagt Peters.

Lesereise geplant

Auch wenn Peters Wert darauf legt, so detailgetreu wie möglich zu schreiben, so seien seine Bücher dennoch kein Stadtplan in Prosa. Trotzdem gibt es eben auch diesmal viele Örtlichkeiten, die der Paderborner sofort wieder erkennt: den Riemeke-Park, den Bahnhof und das Paderborner Hospiz „Mutter der Barmherzigkeit“. Letzteres spielt eine besondere Rolle, weil dort Joachim Peters im vergangenen Jahr eine Benefizlesung mit riesiger Resonanz gehalten hat. Auch mit „Der Tod der blauen Wale“ will Peters auf Lesereise gehen. Termine werden noch bekannt gegeben.

Der Krimi „Der Tod der blauen Wale“ von Joachim H. Peters ist im Buchhandel unter ISBN 978-3-95475-219-5 ab sofort bestellbar. Preis: 14 Euro, 338 Seiten. Die Bücher sind Ende Oktober erhältlich.

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